Neue Erdbebenlinie bei slowenischem AKW Krško entdeckt

21. April 2016, 07:45
17 Postings

Rolf Holub und Jörg Leichtfried, Umweltlandesräte Kärntens und der Steiermark, schlagen wegen des Atomkraftwerks Alarm

Graz/Klagenfurt – "Manche Slowenen glauben ja, wir haben ein bissl einen Verfolgungswahn wegen der Atomkraft", erzählt Štefan Merkač, Fachreferent für Energie des Landes Kärnten, "die sind so sozialisiert worden, dass das ganz normal ist." Doch dass nur rund 100 Kilometer hinter der Grenze das 1981 in Betrieb genommene AKW Krško steht, bereitet besonders Kärntnern und Steirern schlaflose Nächte. Dafür gab es schon bisher ausreichend Gründe, sei es die in die Jahre gekommene Kuppel, eine Kombination aus Stahl und Beton, die bei vergleichbaren Kraftwerken, etwa in der Schweiz, bereits Probleme macht. Oder die Erwärmung der Save, des größten slowenischen Flusses – Merkač kennt sie alle.

Erdbebenlinie gefunden

Doch am 7. April kam noch eine Sorge hinzu. Da fand in Klagenfurt eine internationale Tagung mit Seismologen und Geologen aus den USA, Frankreich, Italien, Österreich, Kroatien und Slowenien statt. Zur Überraschung der Österreicher kam dabei heraus, dass man in Krško eine neue Erdbebenlinie entdeckt hatte. Während Kroaten und Italiener die Situation in Krško als höchst gefährlich darstellten, sollen die Slowenen das nicht ganz so akut gesehen haben.

Merkač ist – wie sein Chef, der grüne Umweltlandesrat Rolf Holub – bemüht, das Verhältnis zu den Nachbarn nicht zu trüben. "Aber uns sind nicht alle Unterlagen ausgehändigt worden und Power Points sogar gelöscht geworden", betont er, "unterm Strich sagen uns die Experten: Sie wissen nicht, wann es sein wird. Es kann morgen sein oder in hundert Jahren, aber es wird scheppern." Das Erdbeben von Friaul 1976 sei gegen das, was man erwarte, harmlos gewesen.

Nur zwei Tage nach dieser Tagung wackelte die Erde in Krško. Im Büro des steirischen Umweltlandesrats Jörg Leichtfried (SPÖ) hatte man am Vortag gerade eine Aussendung zu "30 Jahre Tschernobyl" verschickt. Für Holub und Leichtfried war das Beben der Stärke 4,1 das letzte Warnsignal.

"Dümmster Strom der Welt"

Sie verfassten kurz darauf ein gemeinsames Schreiben an Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP): Er solle sie bei ihren Bemühungen um eine Abschaltung des AKWs unterstützen. Nächsten Dienstag will man eine Pressekonferenz mit Umweltorganisationen in Ljubljana abhalten, noch diese Woche wird ein Brief der Steirer und Kärntner an Ministerpräsident Miro Cerar gehen. Die Verlängerung des AKW-Betriebs um 20 Jahre bis 2043 müsse nicht nur verhindert werden, "wir wollen die Abschaltung", sagt Holub, "aber wir müssen sie wirtschaftlich überzeugen. Sie müssen endlich in erneuerbare Energie investieren. Atomstrom ist der dümmste Strom der Welt." (Colette M. Schmidt, 21.4.2016)

  • Das AKW Krško wurde 1981 in Betrieb genommen. Slowenien will es bis 2043 weiterbetreiben.  Experten haben hier erst kürzlich eine neue Erdbebenlinie entdeckt.
    foto: epa/stringer

    Das AKW Krško wurde 1981 in Betrieb genommen. Slowenien will es bis 2043 weiterbetreiben. Experten haben hier erst kürzlich eine neue Erdbebenlinie entdeckt.

Share if you care.