"The Boss": Alphatierchen und Stehaufweibchen

21. April 2016, 07:00
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Ein programmierter Komödienkracher, der doch zu doof ist

Wien – Es ist ein Märchen: Das Waisenkind Michelle Darnell, einst mehrfach ins Heim zurückgebracht, schöpft aus dem Gefühl der Abweisung die Energie für eine bombige Karriere als Medienstar. Ärzte würden ihr wohl eine Hyperaktivitätsstörung attestieren. In Ben Falcones Film The Boss erscheint sie als Karikatur einer Karrieristin, die um jeden Preis Erfolg haben will. Dieser psychologische Kurzschluss ist nicht die einzige Banalität des Films. Selbst nach einem Gefängnisaufenthalt und dem Verlust ihres Vermögens packt sie unverdrossen das nächste Megaprojekt an.

foto: universal pictures
Bitte nicht so viel reden bei der Zahnpflege: "The Boss" (Melissa McCarthy, li.) und ihre vielfältig belangbare Assistentin Claire (Kristen Bell).

Michelle Darnell ist – wie der Name nahelegt – eine Erfindung, eine Kunstfigur mit akkurater 24-Stunden-Schminke. Purzelt sie brutal über Stiegen oder wird von einer Klappcouch an die Wand geschnalzt, so steht sie wie Tom und Jerry immer wieder auf. Diese irreale Ebene (kann sie das wirklich überleben?) ist der spannendste Aspekt in The Boss. Die alleinerziehende Assistentin Claire (Kristen Bell) bildet dazu den entscheidenden Gegenpol: natürlich blond, freundlich, mitfühlend.

Aus der Konfrontation der unterschiedlich disponierten Figuren entwickelt der Film seine Komik. So sieht es das Drehbuch vor, dass der imperiale Exstar Michelle nach der Haftentlassung ausgerechnet an der Wohnungstür ihrer Exassistentin klopft und dort auf der Couch Wohnung bezieht. Deren köstlich schmeckende Brownies entfachen in ihr die nächste Geschäftsidee, für die eine Gruppe Mädchen vom Charity-Schulprojekt abgeworben werden muss. Moralische Werte waren schon immer nachrangig.

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Dass die trotz ihrer Skrupellosigkeit nie ganz unsympathisch wirkende Michelle zum Schluss doch eine Läuterung erfährt, ist zwar unglaubwürdig und kitschig, aber das Gebot der Komödie. Sie bildet den Schlussstein in einem hanebüchenen bis heiter-schwachsinnigen Plot, in dem immerhin ein paar Dialoge lustig sind und in dem Körperkomik nicht zu kurz kommt, etwa eine Busen-Push-up-Szene, die das US-amerikanische Selfmade- und Bodystyle-Prinzip schön veranschaulicht.

Herrlich ungustiöse Pracht entfaltet die Ausstattung: Die Firma von Michelles Widersacher und Exgeliebten Renault (Game-of-Thrones-Star Peter Dinklage) gleicht einer Anhäufung subtiler Geschmacklosigkeiten. (Margarete Affenzeller, 21.4.2016)

Ab 22.4. im Kino

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