Sharing Economy: Eine Fahrt mit Uber Richtung Wall Street

21. April 2016, 08:54
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Bei der Sharing Economy geht es ums Benutzen statt um Besitz – eine Entwicklung, die sukzessive ihren Kinderschuhen entwächst

Wien – "Teilen statt besitzen" ist in kurzen Worten die Devise eines Trends, der sich seit 2008, ausgehend von den USA, um den Globus verbreitet. Gemeint ist damit: Gebrauchsgüter werden nicht mehr nur gekauft und genutzt, sondern gemeinsam gekauft und gemeinsam benutzt oder verliehen. Dafür haben sich die Begriffe "Share Economy" oder auch "Sharing Economy" etabliert; im Deutschen sagt man auch gerne Kokonsum, eine Abkürzung zusammengesetzt aus den Worten kollaborativer Konsum.

Unternehmen aus dem Bereich, der von vielen als weitere Revolution auf dem Tech-Sektor angesehen wird, haben einen zum Teil sagenhaften Aufschwung erfahren. Sharing Economy gehört zu den zehn Ideen, die die Welt von morgen verändern, ließ das Time-Magazin verlauten – auch, weil nicht mehr das "Besitzen", sondern das "Benutzen" im Vordergrund steht. Weil Verzicht auf Besitz aber auch Verzicht auf Konsum bedeutete, wird die Sharing Economy auch als Konkurrent etablierter Unternehmen gesehen.

Wer ermöglicht, dass kein zusätzliches Auto gekauft werden muss, weil geteilt wird, ist automatisch der Feind der Autoindustrie. Der Umstand, dass Airbus mit Uber an einem Modell zum Teilen von Hubschraubern arbeitet, zeigt, wie mächtig der Trend ist.

Aus der Garage an die Börse

Oft in der Garage geboren, werden manche Start-ups erwachsen und könnten bald den Weg etablierter Konzerne gehen – mit entsprechender Kapitalstruktur, die ein Börsengang mit sich bringt. Ein klares Zeichen, dass die Sharing Economy erwachsen wird. Uber zum Beispiel muss man heute niemandem mehr erklären, die Idee treibt Taxifahrer in aller Welt auf die Barrikaden. Für Anleger ist das allerdings noch kein Deal – das Unternehmen mit einem kolportierten Wert von 60 Milliarden US-Dollar finanziert sich ausschließlich über Privatinvestoren. Noch, denn ein Börsengang könnte schon heuer erfolgen. Ein Hype wie bei Facebook ist zu erwarten.

Ähnlich ist es bei Airbnb, das regelmäßig für heftige Adrenalinschübe bei der Chefin der Wiener Hoteliersvereinigung sorgt. Privat Zimmer zu vermieten ist eine harte Konkurrenz für konzessionierte Betriebe. Und ein boomendes Geschäft: Die Plattform taxierte sich im Vorjahr auf 24 Milliarden US-Dollar; finanziert wird es ausschließlich von Privaten. Aber auch hier wird wie bei Uber über einen Börsengang gemunkelt.

Eine in weiten Kreisen unbekannte, aber erfolgreiche Plattform ist WeFarm, wo Bauern Fragen aus dem Bereich Landwirtschaft stellen können. Geteilt wird hier also Spezialwissen. Das Projekt wurde 2014 in London gegründet und von einer Charity-Organisation, der Cafe Direct Producers Foundation, finanziert. 43.000 Kleinbauern sind dem Netzwerk angeschlossen; das weltweite Potenzial liegt bei fast einer halben Milliarde. Inzwischen verdient man mit Werbung, Datenverkauf und speziellen Services Geld – ein Börsengang in den nächsten Jahren ist nicht ausgeschlossen.

Dichtbesetzte Märkte

Börsenplatzierungen sind aber nur ein Zeichen, dass die Share Economy erwachsen wird – ein anderes ist eine Straffung des Marktes, die vor allem in den USA sichtbar wird: Viele Anbieter verschwinden, meist überlebt gerade einmal die Hälfte aller Betrieb die ersten Jahre. Manche Segmente sind dicht besetzt: So buhlen allein in San Francisco drei Anbieter um die Gunst von Autobesitzern, deren Wagen parken zu dürfen. Jene, die bleiben, schlucken die Kleineren. So hat in den USA die Mitfahr-Community Blablacar, in Europa mit vier Millionen Fahrten die Nummer eins, den Mitbewerber Carpooling.org übernommen; das auch hierzulande bekannte Online-Reiseportal Expedia holte sich HomeAway. Expedia ist schon an der Börse und dort knapp 16,5 Milliarden Dollar wert. Die Aktie hat in zehn Jahren um knapp 500 Prozent zugelegt. (Reinhard Krémer, 21.4.2016)

  • Uber macht schon heute klassischen Taxiunternehmen Konkurrenz. Künftig wird die Sharing Economy wohl auch noch weitere Branchen aufrollen.
    foto: dpa / emily wabitsch

    Uber macht schon heute klassischen Taxiunternehmen Konkurrenz. Künftig wird die Sharing Economy wohl auch noch weitere Branchen aufrollen.

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