Garantiezins ade: Lebensversicherung beschreitet neue Wege

24. April 2016, 12:00
29 Postings

Nachfrage bleibt trotz Absenkung des maximalen Garantiezinses intakt. Kunden weichen auf garantiezinslose oder fondsgebundene Varianten aus

Wien – Die Niedrigzinsen hätten der Untergang der Lebensversicherung werden können – doch es kommt anders. Obwohl der höchstzulässige Garantiezins mit 1. Jänner 2016 auf ein Prozent gesenkt wurde, scheinen viele Kunden der Lebensversicherung treu zu bleiben, anstatt ihr Geld alternativ zu höheren Zinsen zu veranlagen.

Die Durchdringung der Lebensversicherungen in Österreich ist, gemessen am Prämienvolumen, im Verhältnis zum BIP im EU-Vergleich niedrig (siehe Grafik). Die Branche gibt sich jedoch selbstbewusst: Sie spricht von einem "kontinuierlichen Geschäft".

Garantierte Rendite

Von der S-Versicherung heißt es, im ersten Quartal des laufenden Jahres habe es "kein Abflauen" bei den Lebensversicherungen gegeben. Generaldirektor Heinz Schuster erklärt dies damit, dass "oberste Prämisse" für Kunden die garantierte Rendite und weniger die Höhe der Zinsen ist.

Die Wiener Städtische führt die "deutlich positive" Geschäftsentwicklung auf ihr vielfältiges Angebot zurück. Vor allem "Hybridprodukte" – also Mischungen aus klassischer und fondsgebundener Versicherung, erfreuen sich laut Mathias Frisch, dem Leiter der Lebensversicherungen, bei der Wiener Städtischen großer Beliebtheit. Dabei werden Prämien sowohl in Fonds als auch in den klassischen Deckungsstock investiert.

Kombinierte Produkte

Seiner Meinung nach geht der Trend in die Richtung, "beides zu kombinieren". Während risikoaverse Kunden bei der klassischen Lebensversicherung bleiben, sei ein wachsender Kundenkreis offen für zumindest teilweise fondsgebundene Versicherungen.

Dass der Bereich Lebensversicherung bei der Uniqa im vergangenen Jahr über den Erwartungen gewachsen ist, führt Vorstand Peter Eichler auf ein neues Produkt zurück: Mit Beginn 2015 wurde eine Lebensversicherung ohne Garantiezins auf den Markt gebracht. Neben der Uniqa und ihrer 100-Prozent-Tochter Raiffeisen Versicherung bietet auch die Allianz-Gruppe eine Lebensversicherung mit einem Garantiezins von null an.

Vorzeitige Auflösung

Wesentlicher Vorteil des Uniqa-Produkts ist laut Eichler, dass der Kunde im Falle einer vorzeitigen Kündigung besser aussteigt als bisher. Anders als bei klassischen Versicherungen werden die Nettoprämien nicht zur Deckung der Kosten verwendet, sondern in voller Höhe veranlagt. Das Produkt finanziert sich aus der Rendite des veranlagten Geldes – oder, wie Eichler es ausdrückt: "Die Kosten atmen mit". Damit gebe es zu Beginn gewisse "Vorfinanzierungseffekte", was durchaus ein finanzielles "Wagnis" darstelle.

Die hohe Kostenbelastung bei einer vorzeitigen Auflösung von Lebensversicherungen ist dem Verein für Konsumenteninformation (VKI) schon lang ein Dorn im Auge. Der Oberste Gerichtshof befand die Regelungen in Betreff des Rückkaufswerts vieler älterer Versicherungsverträge in mehreren Urteilen für gesetzwidrig und bestätigte die Rechtsansicht des Vereins.

Hohe Kosten

Laut dem VKI-Versicherungsexperten Walter Hager ist der kostengünstigere Ausstieg ein "Schritt in die richtige Richtung". Damit Lebensversicherungen auch in Zukunft attraktiv sind, müsste die Branche seiner Meinung nach an der Kostenschraube drehen. Für das aktuelle Niedrigzinsumfeld sind die Kosten deutlich zu hoch, so Hager.

Es mache kaum einen Unterschied, ob ein Zins von einem Prozent garantiert werde oder nicht. Vielmehr komme es darauf an, wie viel der Versicherer erwirtschaftet. Denn der niedrige Garantiezins würde ohnehin "von den Kosten weggefressen". (Elena Pramesberger, 21.4.2016)

  • Die Lebensversicherung erfreut sich zur Vorsorge weiterhin großer Beliebtheit – wenngleich zuletzt in etwas abgewandelten Varianten.
    foto: apa/georg hochmuth

    Die Lebensversicherung erfreut sich zur Vorsorge weiterhin großer Beliebtheit – wenngleich zuletzt in etwas abgewandelten Varianten.

  • Artikelbild
Share if you care.