Matratze meldet Seitensprünge: Rätsel um mysteriöses Produkt

20. April 2016, 13:40
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Smarttress eines spanischen Herstellers soll "ungewöhnliche Bettaktivitäten" melden

Seit einigen Tagen geistert ein neues Produkt durch das Web. Ein spanisches Unternehmen hat nach eigenen Angaben eine Matratze entwickelt, die aufgrund von Sensoren erkennen soll, ob der Partner fremdgeht. Zahlreiche Medien und Blogs berichten darüber. Bleibt nur die Frage offen: gibt es die Smarttress wirklich oder steckt dahinter ein cleverer PR-Gag?

Präsentation mit Presseevent

Laut dem spanischen Unternehmen Durmet erkennt die Matratze anhand von "Ultraschallsensoren", ob jemand die Matratze "auf fragwürdige Weise" benutzt, während man außer Haus ist. Ist das der Fall, wird dem Nutzer eine Warnung aufs Smartphone geschickt. Eine entsprechende App ist seit wenigen Tagen bereits für Android verfügbar, die iOS-Version ist angekündigt. Interessierte Nutzer können sich per E-Mail registrieren um vom Marktstart informiert zu werden. Die Matratze soll etwa 1.550 Euro kosten.

durmet

Vorgestellt wurde das Produkt auf einer Pressekonferenz am 13. April in Madrid. Als Beleg, dass so eine Matratze notwendig sei, führt das Unternehmen die hohe Nutzerzahl des Seitensprungportals "Ashley Madison" an.

Ungereimtheiten

Sehr viel mehr Informationen gibt es über das Produkt und den Hersteller allerdings nicht. Laut Angaben auf der Website des Herstellers "Colchones Durmet" (auf Deutsch "Matratzen Durmet") wurde die Firma 2009 gegründet, 2012 sei die Fabrik in der Stadt A Coruña entstanden. Auf einem Foto in Google Maps ist ein Schild mit dem Firmenname Durmet bei der angegebenen Adresse zu sehen.

Der "Spiegel" wittert aber verschiedene Ungereimtheiten. Die Domain der Smarttress-Seite wurde Ende Dezember 2015 registriert, die des Herstellers erst am 12. April 2016 – ein Tag vor dem Presseevent. Und beide sind registriert auf die internationale Werbeagentur Grey. Der Name Grey Iberia wird auch als Entwickler der Android-App angegeben. Im Youtube-Video wurden zudem manipulierte Screenshots von Nachrichtenseiten eingeblendet, die über eine angebliche "Seitensprungepidemie" und die hohen Nutzerzahlen bei "Ashley Madison" berichten. Der Name des Portals kommt im Video viel öfter vor als der Name des Matratzenherstellers selbst.

Hersteller: Produkt ist echt

Auf Anfrage von "Spiegel" und "Golem" erklärten die zuständige PR-Agentur und der Hersteller, dass es sich um ein echtes Produkt handle. Die manipulierten Screenshots sollten nur "das Ausmaß des Phänomens Untreue" verdeutlichen. Beim "Spiegel" glaubt man weiterhin an einen PR-Gag. (br, 20.4.2016)

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    foto: durmet
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