EU nimmt Googles Android ins Visier

20. April 2016, 11:40
403 Postings

Grund sind Beschränkungen für Hersteller von Android-Geräten

Die EU-Kommission wirft Google einen Verstoß gegen das Kartellrecht vor. Das Unternehmen nutze seine marktbeherrschende Stellung missbräuchlich aus, indem es Herstellern von Android-Geräten und Mobilfunknetzbetreibern Beschränkungen auferlege. Damit verfolge Google eine Strategie für Mobilgeräte, um seine beherrschende Stellung bei der Internetsuche auszubauen.

Innovationen anderer Unternehmen gebremst

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager verwies am Mittwoch darauf, dass der mobile Internetbereich immer wichtiger werde. Die Ermittlungen der Kommission hätten den Verdacht ergeben, dass Google durch sein Verhalten den Verbrauchern eine größere Auswahl an mobilen Anwendungen und Dienstleistungen vorenthält, Innovationen anderer Unternehmen bremst und damit gegen die EU-Kartellvorschriften verstößt. Die Mitteilung ist die erste Stufe in dem Verfahren, an dessen Ende eine Milliardenstrafe stehen kann.

foto: reuters
EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

Die Google-Suche sei auf den meisten in Europa verkauften Android-Geräten vorinstalliert und als Standardsuchdienst beziehungsweise einziger Suchdienst festgelegt. Ferner werde Konkurrenten auf dem Suchmaschinenmarkt auf diese Weise der Marktzugang über konkurrierende mobile Browser und Betriebssysteme versperrt. Außerdem würde den Verbrauchern durch diese Strategie geschadet, weil der Wettbewerb beschränkt und Innovationen bei Mobilgeräten gebremst werden, kritisiert die Kommission.

Android

Mehr als die Hälfte des weltweiten Internetverkehrs erfolge über Smartphones und Tablets, und voraussichtlich wird ihr Anteil in Zukunft weiter steigen. Rund 80 Prozent der Mobilgeräte sind mit dem von Google entwickelten Betriebssystem Android ausgestattet, das Google kostenlos als Open-Source zur Verfügung stellt.

Im April 2015 leitete die Kommission ein Verfahren ein, um Googles Verhalten im Zusammenhang mit Android und den entsprechenden Anwendungen zu untersuchen. Die Kommission ist derzeit der Auffassung, dass Google auf den Märkten für allgemeine Internetsuchdienste, für lizenzpflichtige Betriebssysteme für intelligente Mobilgeräte sowie für App-Stores für Android eine beherrschende Stellung innehat. Google verfügt auf jedem dieser Märkte im Europäischen Wirtschaftsraum über einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent.

EU-Kartellrecht

Google verstoße gegen das EU-Kartellrecht, indem es von Herstellern als Vorbedingung für die Lizenzierung bestimmter geschützter Google-Apps verlangt, die Google-Suche und den Browser Google Chrome vorzuinstallieren und die Google-Suche auf ihren Geräten als Standardsuchdienst festzulegen, kritisiert die Kommission. Sie hat außerdem beschlossen, im Rahmen der Android-Untersuchung auch gegen Googles Muttergesellschaft Alphabet Inc. ein Verfahren einzuleiten. Alphabet Inc. ist nach Einleitung des Verfahrens gegen Google gegründet worden.

Reaktion von Google

Google kann innerhalb von zwölf Wochen auf die neuen Vorwürfe reagieren. Das Unternehmen hat bereits eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin betont Google, dass man weiterhin mit der Kommission zusammenarbeite, "um deutlich zu machen, dass Android den Wettbewerb fördert und gut für Verbraucher ist". Ergänzend betont man: "Android hat zur Entstehung eines breiten und vor allem nachhaltigen wirtschaftlichen Ökosystems geführt, das auf Open-Source-Software und offener Innovation basiert."

Amazon bietet Android ohne Google an

Außerdem betont Google, dass jedermann Android aus dem Netz laden und verändern kann. Was auch passiert. So nutzt etwa Amazon Android als Basis für seine Tablets, bietet dafür aber eigene Apps samt Appstore an – ohne Google. Die "Lizenzierung" von Android dient dazu, dass Entwickler ihre Apps nach Richtlinien programmieren können, damit sie auf allen Geräten installiert werden können. (red, APA, 20.4.2016)

  • Die EU-Kommission wirft Google einen Verstoß gegen das Kartellrecht vor.
    foto: ap

    Die EU-Kommission wirft Google einen Verstoß gegen das Kartellrecht vor.

Share if you care.