Vidals Schwalbe erhitzt die Gemüter

20. April 2016, 11:23
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Schiedsrichter gab Fehlentscheidung zu und entschuldigte sich – Guardiola nicht gerade entzückt – Bremen hält sich mit Kritik zurück

München – Drei Minuten ist Arturo Vidal auf dem Platz gestanden, und schon hatte der eingewechselte Chilene am Dienstag beim Bayern-Sieg im Semifinale des deutschen Fußball-Cups gegen Werder Bremen die Rolle des Buhmanns inne. Seine offensichtliche Schwalbe im Strafraum führte zum Elfmeter, den Thomas Müller zum entscheidenden 2:0-Endstand verwandelte.

Kritik von Guardiola und Rummenigge

"Das war nah dran an einem Foul, aber es war kein Foul. Reinmachen muss ich den Elfmeter trotzdem", kommentierte Nutznießer Müller. Auch Josep Guardiola wollte nach dem Schlusspfiff nichts schönreden. "Der Elfmeter war kein Elfmeter. Ich mag es nicht, so das zweite Tor zu schießen", rügte der Bayern-Trainer seinen Spieler, der in den letzten Wochen viel Lob geerntet hatte.

"Die Entscheidung des Schiedsrichters war leider daneben", sagte Klub-Chef Karl-Heinz Rummenigge und tadelte den Chilenen: Die Bayern seien "nicht unbedingt bekannt dafür, dass wir Schwalben produzieren. Das ist nicht das, was der FC Bayern haben will. Aber wir sollten das Thema jetzt nicht überstrapazieren."

Schiri: "Es tut mir leid"

Schiedsrichter Tobias Stieler war auf dem Rasen einer Täuschung erlegen, die sich bei der Ansicht der TV-Bilder auch für ihn aufgelöst hatte. "Es tut mir leid", haderte Stieler nach seiner "Fehlentscheidung". "Das geht so schnell und ich stand so gut. Ich habe einen Kontakt gesehen, aber es war keiner", sagte Stieler.

Das Spiel sei ein bisschen überschattet von dieser Szene, wenngleich sie nicht spielentscheidend gewesen sei, führte der 34-Jährige aus. Die Bremer hätten sich "sehr fair" verhalten. Für die Werder-Profis rund um Zlatko Junuzovic und Florian Grillitsch war das kein Trost.

"Ein bisschen der Genickbruch"

Der vermeintliche Übeltäter Janek Sternberg war erstaunt, dass er für ein angebliches Foul und nicht Vidal für seine Unfairness bestraft wurde. "Ich habe ganz klar mit einem Pfiff gerechnet Richtung Schwalbe. Ich habe gemerkt, dass ich ihn nicht mal ansatzweise getroffen hab", schilderte Sternberg die Szene, die den Gästen das endgültige K.o. versetzte. "Ein bisschen der Genickbruch", sagte Sternberg.

Immerhin gab der Verteidiger zu, dass auch er im Strafraum "ein bisschen cleverer agieren kann". Mit beiden Beinen voraus sprang Sternberg Richtung Ball und auch Vidal. Der Chilene hob wohl auch aus Angst vor einer Verletzung vorsichtshalber ab. Danach hätte der Kollege von David Alaba anders handeln können, entschied sich aber zur Täuschung.

Werder-Coach Viktor Skripnik hielt sich öffentlich zurück. "Über Schiedsrichter-Entscheidungen mache ich keine Worte, das bringt nichts", sagte der Ukrainer. Nachträgliche Ermittlungen oder Strafen des DFB muss Vidal nicht fürchten. Der Schiedsrichter hat die Szene gesehen, es handelt sich um eine Tatsachenentscheidung.

"Mehr Arbeit" für Guardiola

Der Job seines mit Saisonende scheidenden Trainers verlängerte sich durch den Sieg um eine Woche – die deutsche Bundesliga endet am 14. Mai, das Cupfinale steigt sieben Tage danach in Berlin. "Vielen Dank an die Spieler. Sie haben mir eine Woche mehr Arbeit mit ihnen geschenkt", meinte Guardiola.

Die Amtszeit des Katalanen, der im Sommer zu Manchester City wechselt, könnte aber noch um eine weitere Woche prolongiert werden. Sollten sich die Bayern im Semifinale gegen Atletico Madrid durchsetzen, wären sie im Champions-League-Finale am 28. Mai in Mailand dabei.

Viel beschäftigter Alaba

In diesem Fall würde Alaba einen erheblichen Teil der Vorbereitung des österreichischen Nationalteams auf die EURO 2016 in Frankreich versäumen. Schon jetzt dürfte feststehen, dass der ÖFB-Star beim Camp in Laax zumindest nicht von Beginn an dabei sein wird. Das Trainingslager in der Schweiz beginnt am 22. Mai, einen Tag nach dem DFB-Cup-Finale. (APA/dpa, 20.4.2016)

  • Mit seiner Schwalbe sorgte Arturo Vidal für die Entscheidung des DFB-Cup-Halbfinales zu Gunsten des FC Bayern.
    foto: reuters/michaela rehle

    Mit seiner Schwalbe sorgte Arturo Vidal für die Entscheidung des DFB-Cup-Halbfinales zu Gunsten des FC Bayern.

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