Mit dem Scooter ins Büro fahren

21. April 2016, 15:00
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Fahrzeug für Sieger oder Kinderspielzeug

foto: ap / curtis compton

Pro
von Lisa Mayr

Wer einen Lauf im Leben hat, bei wem es wie geschmiert läuft, für den ist der Scooter das Fortbewegungsmittel der Wahl. Ein Fahrzeug für Sieger – reduziert auf das, was schnelles und schneidiges Fortkommen braucht.

Der Tretroller passt perfekt zum High Performer, der dem Abgott der Effizienz huldigt und nicht albern alternativ ein Fahrrad fährt oder gar protzig die ältliche Dienstlimousine lenkt. Der Scooter verbindet rasches Vorwärtskommen mit wohldosierter Bodenhaftung, lässt das Leben der anderen, die es nicht so lässig haben, bei voller Fahrt nur mehr schemenhaft vorüberziehen.

Der erfolgreiche, der schöne und talentierte Mensch springt am Morgen also schneidig aus dem Bett, stoppt kurz unter der Dusche, küsst seine wohlgeformten und hochbegabten Lebensmenschen baba und rollt effizient, gut gekleidet und sportiv der gesicherten Arbeitsstätte zu. Etwaige Querulanten (rechts) sind auch rasch niedergemäht. Wer den Scooter fährt, hat sein Leben im Griff und keine Angst, das zu zeigen. Hyper, hyper.

Kontra
Michael Möseneder

Jetzt einmal im Ernst: Würden Sie mit einer "Hello Kitty"-Schultasche im Büro auftauchen? Oder diese mit einer langen Schnur verbundenen Fäustlinge verwenden, damit man keinen verliert? Eben. Warum sollte man sich also mit einem Kinderspielzeug an die Arbeitsstätte begeben? Noch dazu, wenn man sich so als Knecht simpelster Marketingmethoden outet?

Kaum wird irgendetwas ein hipper englischer Name verpasst, sind alle ganz wild darauf. Tretroller pfui, Scooter hui. Dass der Begriff einst für eine Vespa stand und danach von einer Band gekapert wurde, spielt da keine Rolle.

Apropos Kapitalismus: Was soll denn bitte der Sinn sein, mit dem Ding die Fortbewegungszeit zu reduzieren? Um auf dem Weg von der U-Bahn zwei Minuten Produktivität zu gewinnen? Da bringt die Einrichtung eines vernünftigen Spamfilters, um völlig unnötige interne Mails nicht händisch löschen zu müssen, mehr. Wobei: Selbst die Zeit ist natürlich wieder perdu, wenn man von einer scooternden Kollegin über den Haufen gefahren wird. (RONDO, 22.4.2016)

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