93 Prozent des Great Barrier Reef von Korallenbleiche betroffen

20. April 2016, 07:27
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Wissenschafter: "Im nördlichen Teil des Riffs ist es, als wären zehn Zyklone gleichzeitig an Land gekommen"

Sydney – Die verheerende Korallenbleiche am Great Barrier Reef Australiens hat ein beispielloses Ausmaß erreicht. 93 Prozent der Korallenbänke seien betroffen, berichteten Wissenschafter am Mittwoch. Besonders schlimm sei die Lage nördlich von Port Douglas, wo viele Touristenboote zu dem Naturwunder starten.

Verheerendes Ausmaß

Dort sei die Lage extrem, sagte Meeresbiologe Terry Hughes. Das ist fatal, weil in der Region bis nach Papua-Neuguinea bisher die artenreichsten und makellosesten Korallenriffe lagen. Je schlimmer die Bleiche desto geringer die Chance, dass ein Riff sich erholt.

"In diesem Ausmaß haben wir so etwas noch nie erlebt", sagte Hughes. Er hat in den vergangenen Wochen 911 Riffe überflogen und den Schaden dokumentiert. "Im nördlichen Teil des Riffs ist es, als wären zehn Zyklone gleichzeitig an Land gekommen." Der einzige Lichtblick: Im Süden des 2.300 Kilometer langen Naturwunders hält sich die Bleiche in Grenzen. "Dort sollten sich die Riffe bald wieder erholen", meinte Hughes.

Zu warmes Wasser

Grund sind die hohen Wassertemperaturen, ausgelöst durch den Klimawandel und noch verstärkt durch das alle paar Jahre auftretende Wetterphänomen El Nino. In der nördlichen Region war das Wasser zeitweise 33 Grad warm. Dann produzieren Algen, die die Korallen mit Nährstoffen versorgen und die bunten Farben erzeugen, Gift und werden abgestoßen. Die Korallenstöcke werden weiß. Wenn die Temperatur wieder sinkt und sich neue Algen ansiedeln, können die Korallen überleben. Wie lang das Zeitfenster ist, hängt von der Art ab – Wissenschafter schätzen, es handelt sich um Wochen.

"Das beste, was wir zur Erholung des Riffs tun können, ist, lokale und regionale Stressfaktoren zu reduzieren", meinte der Chef der für das Riff zuständigen Marineparkbehörde (GBRMPA), Russell Reichelt. So müsse die Wasserqualität besser werden. Sedimentabgänge und Schadstoffe aus der küstennahen Landwirtschaft müssten reduziert werden. Die in den letzten Jahren stark vermehrten Dornenkronen, korallenfressende Seesterne, würden weiter rigoros bekämpft.

Reichelt verwies auf eine neue Studie des Instituts für Meeresbiologie, wonach die Korallendecke am Great Barrier Reef in den vergangenen vier Jahren um 19,3 Prozent gewachsen sei. Das sagt allerdings nichts über die Artenvielfalt. Ähnlich wie Bäume verraten Korallenstöcke über Wachstumsringe, ob sie Stresssituationen erlebt haben. Massive Korallenbleiche gab es am Barrier Reef erstmals 1998, dann 2002. Nie waren die Folgen aber so drastisch wie dieses Mal. (APA, 20.4.2016)

  • So schlimm war die Korallenbleiche im Great Barrier Reef noch nie.
    foto: afp photo / university of technology sydney / matthew nitschke

    So schlimm war die Korallenbleiche im Great Barrier Reef noch nie.

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