Sushi-Kette Eat Happy fischt bei Rewe und Spar

20. April 2016, 09:06
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"Eat Happy" expandiert von Deutschland aus in Österreichs Supermärkten. Auf dem Sushi-Markt beginnt ein Wettlauf um Köche

Wien – Wer die Kunst des Filetierens beherrscht, hat derzeit große Chancen auf einen Job. Die Handelsketten Spar und Rewe finden zusehends Geschmack an Sushi – und lassen dafür Reis und Fisch in den Supermärkten frisch zubereiten. Partner ist das deutsche Jungunternehmen Eat Happy, das seit Ende 2014 mehr als hundert kleine Shops auf die Beine stellte.

250 sollen es in Deutschland bis Ende kommenden Jahres sein. In Österreich sind im gleichen Zeitraum 50 Standorte geplant. Gemeinsam mit dem AMS wird nun nach geeigneten Köchen gesucht.

Investmentbanker sattelt um

Der Mann hinter Eat Happy ist Christian Kraft. Der deutsche Investmentbanker stieg aus dem Finanzwesen aus und ins internationale Lebensmittelgeschäft ein. Er baute eine halbindustrielle Sushi-Produktion auf und verkaufte sie einem französischen Konzern, der dafür aber keine glückliche Hand zeigte. Kraft holte sich den Betrieb, der Handelsketten beliefert, zurück und investierte parallel dazu in eigene Shops und Mitarbeiter. Mit diesen mietet er sich in Großmärkte ein. Ein Modell, das an den Feinkosterzeuger Schirnhofer und Zielpunkt erinnert.

Gekocht und verpackt wird an Ort und Stelle, bezahlt an der Kasse des Händlers. Zwölfmal ist Eat Happy mit 60 Mitarbeitern mittlerweile in Österreich vertreten. Expandiert wird mit Spar ebenso wie mit Rewe, sagt Harald Sükar.

Sükar, einst langjähriger McDonald's-Österreich-Chef, versuchte sich einige Zeit im Backgewerbe, später mit einer eigenen Fastfood- und Gastrogruppe. 2011 musste er Insolvenz anmelden. Nun berät er Eat Happy in Deutschland und ist Geschäftsführer in Österreich. Geplant ist, bis Jahresende den Turnaround zu schaffen.

Professionell und riskant

Das neue Konzept sei professionell gemacht, sagt Reinhard Weißböck, Chef und Miteigentümer der Gastronomiekette Akakiko, die in Österreich Sushi vor 20 Jahren erschwinglich machte. Der Lebensmittelhandel habe auch ihm angeboten, damit zu starten. Die große Herausforderung sei aber, allseits die Logistik im Hintergrund sowie genügend gute Köche parat zu haben. Akakiko bleibe daher bei seinem Leisten: Der Familienbetrieb will lieber mit Restaurants in den Landeshauptstädten wachsen.

Eat Happy konzentriert sich auf hochfrequente Lagen im urbanen Bereich abseits der Diskonter, sagt Elisabeth Gruber, die das Geschäft in Österreich aufbaut. Angst vor der Abhängigkeit von zwei großen Konzernen hat sie nicht – vielmehr hänge man voneinander ab.

Österreichische Züchter

Gruber will auch österreichische Fischzüchter von Saiblingen und Forellen ins Boot holen und zugleich mehr veganes wie süßes Sushi unters Volk bringen.

Ob Supermärkte die geeignete Plattform für das heikle Produkt sind, das unverzüglich auf den Tisch sollte? Marktforscher Andreas Kreutzer sieht kleine Sushi-Bars ums Eck die besseren Karten haben. Die "unglaublich stolzen" Preise, die für Sushi bezahlt würden, machten die Branche jedoch zu einem Premium-Segment. (Verena Kainrath, 20.4.2016)

  • Sushi ist für den Handel ein bekömmliches, aber heikles Geschäft
    apa

    Sushi ist für den Handel ein bekömmliches, aber heikles Geschäft

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