"Don Pasquale": Fest in der Plüsch-Bar

19. April 2016, 17:12
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Edler Gesang, greller Humor: Donizettis "Don Pasquale" mit dem Tenor Juan Diego Flórez

Wien – Der edle Tenor rudert liebesschmachtend mit den Armen, macht dabei eine Drehung, bei der ihm der elegante Hut vom Kopf fällt. Sodann hält er ihn – den Hut – künftig fest umklammert, um diese Peinlichkeit zu verhindern und allerdings leider gleich in die nächste zu stolpern.

Die Regisseurin Irina Brook erzählt Gaetano Donizettis heitere Oper Don Pasquale, die an der Wiener Staatsoper nach langer Auszeit – seit einem Jahr – wieder gezeigt wird, mit ironischer Distanz, die sich nur manchmal zu solchem Slapstick zusammenballt. Beides schadet indes weder dem Stück noch den Sängern und schon gar nicht dem Gesang.

Nur momentweise stellt es den Dirigenten Evelino Pidò vor eine merkbare Herausforderung, den Aktionismus auf der Bühne mit dem Rhythmus der Partitur in Gleichklang zu halten. Ansonsten schafft er mit Eleganz und Elan die Grundlage für inspirierte Stimmen in jener Bar, die Bühnenbildnerin Noëlle Ginefri-Corbel mit Plüsch- und Kitsch-Elementen als Gegenpart für eine musikalische Umsetzung geschaffen hat, die sich fast wie von selbst durch Geschmackssicherheit abhebt.

Kantables im Angebot

Das Staatsopernorchester bietet denn nicht nur in den berückend kantablen Lyrismen wohl dosierten Schönklang, sondern gefällt auch sonst durch Transparenz und Zurücknahme. Die Komödie auf der Staatsopernbühne schöpft stimmlich aus dem Vollen: Adam Plachetka ist ein kraftstrotzender Dottore (vulgo Masseur) Malatesta, Michele Pertusi ein polternder, leidender, jedoch vor allem (groß-)väterlich gutmütiger Titel-Antiheld.

Wie ein Muster an jugendlichem Ebenmaß erscheint Valentina Naforniţă als Norina, um davon ausgehend eine ansehnliche Bandbreite an komödiantischer Karikatur lustvoll auszuschöpfen. Und der eingangs geschilderte Tenor ist kein anderer als Juan Diego Flórez, der nach wie vor durch das Wunder seiner Stimme besticht: die konzentrierte schlanke Kraft, die leuchtende Präzision der Linienführung, dabei freilich darstellerisch zuweilen ins Schemenhafte abgleitet.

Insofern wirkt die Zeichnung der Figur des Ernesto dieser Inszenierung geradezu kongenial, da die Übertreibung und Vorspiegelung von Gefühlen als Motor des Plots amüsant offengelegt wird. (Daniel Ender, 19.4.2016)

Vorstellung am 21.4.; 23.4. Benefizkonzert im Musikverein

  • Tenor Juan Diego Florez ist nicht nur ein Meister der hohen Töne, er hat auch eine humorige Seite, die er hier bei Valentina Nafornita ausspielt.
    foto: wiener staatsoper

    Tenor Juan Diego Florez ist nicht nur ein Meister der hohen Töne, er hat auch eine humorige Seite, die er hier bei Valentina Nafornita ausspielt.

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