Niederösterreichs Hypo droht hohe Abschreibung wegen Heta

19. April 2016, 17:14
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Der neue Rahmen, den die FMA für die Bewertung von Heta-Forderungen vorgibt, bringt die Hypo NÖ unter Druck. Ihr drohen Abschreibungen von 70 Millionen

Wien – Der Heta-Schuldenschnitt könnte einige Bankbilanzen noch ordentlich belasten. Der von der Finanzmarktaufsicht FMA empfohlenen Wertberichtigung wird ein Schritt der Europäischen Zentralbank (EZB) folgen, womit neben österreichischen auch Geldinstituten der Eurozone zusätzliche Abschreibungen ins Haus stehen. Wörtlich wird in einem Schreiben der FMA an Banken "darauf hingewiesen, dass die EZB das Thema Wertberichtigungen von Heta-Exposures weiterhin intensiv und mit einem engen Zeitplan verfolgt".

Bereits im Vorjahr hat die Euro-Zentralbank im Zusammenhang mit dem Heta-Schuldenmoratorium nahegelegt, Forderungen um mindestens 50 Prozent zu berichtigen. Entsprechend hoch fielen die Abschreibungen der meisten Banken aus, sieht man von der Hypo Niederösterreich ab. Sie hat 225 Millionen Euro in Schuldtitel der Kärntner Ex-Hypo investiert und orientiert sich in der Bewertung an einem Kurs von 64,15 Prozent, mit dem die Heta-Papiere "ordnungsgemäß bevorsorgt" worden seien.

Hinter EZB-Vorgaben

In absoluten Zahlen bedeutet das ergebniswirksame Abschreibungen in Höhe von 87,1 Millionen Euro, die 2014 und 2015 vorgenommen wurden. Dass man damit deutlich hinter den EZB-Vorgaben zurückbleibt, ist den Niederösterreichern bewusst. In der Konzernbilanz der Bank heißt es, dass die Frankfurter Empfehlung "nicht der aktuellen Einschätzung auf Grundlage der uns zur Verfügung stehenden Informationen entspricht".

Mit dem neuen FMA-Rahmen wächst der Druck auf die Landesbank, die zu Noch-Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka ressortiert. Die Aufsicht meint sinngemäß, dass der geschnittene Teil der Heta-Forderungen als beglichen anzusehen ist. Für die Restforderungen sind zudem die "erwarteten Zahlungsflüsse" zu ermitteln. Vereinfacht gesagt: Weil die Anleihen bis 2023 gestundet wurden und keine Zinsen bezahlt werden, ergibt sich eine zu bilanzierende Quote von rund 30 Prozent. Für die Hypo NÖ hieße das, dass sie ihre Anleihen um weitere rund 70 Millionen Euro abschreiben müsste. Ein Sprecher erklärte, dass es sich nur um eine "Empfehlung der FMA" handelt, man sei am Prüfen.

Aus der Bank ist zu hören, dass "keine Aktivitäten" geplant sind, die FMA habe eine "Ad-hoc-Betrachtung" angestellt. Der Preis für Heta-Anleihen auf dem Sekundärmarkt liege immerhin bei rund 74 Prozent. In der 2015er-Bilanz gibt sich Bankprüfer Deloitte vorsichtig und weist im Testat auf Unsicherheiten für die Bank hin, die der Heta geschuldet seien.

Die zwei FMA-Mails zur "vorläufigen bilanzrechtlichen Einschätzung" nach dem Schuldenschnitt haben auch die anderen Banken zu Prüfungen veranlasst. Finanzminister Hans Jörg Schelling schloss am Dienstag aus, dass all dies zu Problemen für einzelne Institute führen könnte. Ende April wird es ein "Experten-Meeting" in der FMA geben.

Anadi-Bank prüft

Auch in der Anadi Bank (die frühere Österreich-Tochter der Hypo Alpe Adria gehört einer britisch-indischen Gruppe rund um Sanjeev Kanoria) werden etwaige Folgen der FMA-Information vom 12. April geprüft. Der Zeitpunkt ist besonders heikel, wird doch gerade die Bilanz 2015 erstellt.

Neben allfälligen weiteren Wertberichtigungen für Heta-Anleihen dreht sich die Diskussion um Zahlungsverpflichtungen aus der Abspaltung von der Heta, die in der Halbjahresbilanz 2015 mit 64 Millionen Euro ausgewiesen waren. Inzwischen ist der Betrag unter die Hälfte gefallen – die Frage, ob die Bank dafür haftet, ist offen. Gutachten dazu gibt es, freilich mit unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Aus informierten Kreisen heißt es, dass die Summe, um die es geht, "nicht existenzbedrohend" sei, das vorgeschriebene Eigenkapital werde keinesfalls unterschritten.

Fertig ist die Anadi-Bilanz aber noch nicht. Der Vorstand des Geldinstituts denkt nach intensiven Gesprächen mit Bankprüfer Deloitte nach, ob zusätzliche Risikovorsorgen gebildet oder allenfalls Garantien des Eigentümers herbeigeschafft werden sollen. (Renate Graber, Andreas Schnauder, 19.4.2016)

  • Finanzlandesrat Sobotka ist noch für  die Hypo NÖ zuständig.
    foto: apa/hans klaus techt

    Finanzlandesrat Sobotka ist noch für die Hypo NÖ zuständig.

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