Papierbranche rebelliert gegen Holzverbrennung

19. April 2016, 16:43
112 Postings

Die österreichische Papierindustrie übt scharfe Kritik an der Subventionierung von Ökostrom und beklagt Wettbewerbsverzerrung

Wien – Die österreichische Papierindustrie fühlt sich übervorteilt: Sie konkurriert mit staatlich geförderten Biomassekraftwerken um den Rohstoff Holz – und übt scharfe Kritik an der Subventionierung von Ökostrom.

Die Förderungen führen zu einer "dramatischen Wettbewerbsverzerrung", kritisiert Mondi-Manager Christian Skilich am Dienstag bei einem Gespräch von Vertretern des Verbands Austropapier mit Journalisten in Wien. Heuer wird laut Austropapier Ökostrom mit einem Marktwert von 377 Millionen Euro mit 1,2 Milliarden Euro gefördert.

Holz als Brennstoff

Dies belaste nicht nur private Haushalte: Die Papierunternehmen müssen die Subventionen über ihre Stromrechnungen mitfinanzieren, so Skilich. 7,3 Millionen Euro hat die Branche 2015 laut Austropapier in den Ökostromfördertopf eingezahlt.

Die Verwendung von Holz als Brennstoff führe zudem dazu, dass auch verarbeitungsfähiges Holz verbrannt würde. Skilich bezeichnet dies als "unsinnig". Um Wertschöpfung und Arbeitsplätze zu schaffen plädiert er dafür, den Rohstoff zu Produkten zu verarbeiten und möglichst oft zu recyclen. Erst die Letztnutzung sollte die "thermische Verwertung", also die Verbrennung sein, so Skilich. "Eine Volkswirtschaft kann nicht vom Verbrennen leben", bekräftigt Austropapier-Präsident Alfred Heinzel.

Politik zeigt kein Verständnis

Sappi-Chef Max Oberhumer kritisiert die "ineffiziente" Verwendung von Ökostromförderungen: Viele Biomasseanlagen seien "nicht wettbewerbsfähig". Im Rahmen einer Novellierung des Ökostromgesetzes fordert Austropapier einen "Stopp der geförderten Verbrennung von Holz", die Festlegung von "Effizienzkriterien" für geförderte Biokraftwerke, sowie "gleiche Wettbewerbsbedingungen" für alle Marktteilnehmer. Heinzel beklagt, dass bisher nur wenige Politiker Verständnis für die Kritik der Papierindustrie hätten.

Rückenwind erhält die Branche hingegen von der Arbeiterkammer (AK). In einer Aussendung bezeichnete AK Direktor Werner Muhm die Förderung von Ökostromanlagen auf Kosten der Verbraucher als "verfehlt". Die Forderungen von Austropapier seien "mehr als nachvollziehbar".

90 Prozent Strom aus Eigenerzeugung

Der Umsatz der Papierbranche von 3,8 Milliarden Euro ist im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Prozent gewachsen und damit eher stagniert. Heinzel spricht dennoch von einem "erfolgreichen Jahr". Mit fünf Millionen Tonnen Papier wurde 2015 trotz sinkendem inländischen Papierverbrauch um zwei Prozent mehr als im Vorjahr produziert. Der Zuwachs ist den steigenden Exporten in EU-Staaten, nach Lateinamerika und in Länder des Mittleren Ostens geschuldet – letztere müssen Lieferausfälle aus Syrien kompensieren, so Heinzel. Die Exportquote der Branche lag im vergangenen Jahr bei 87 Prozent.

Besonders stolz ist Austropapier auf die Energie aus Eigenerzeugung der Papierindustrie: 90 Prozent des Strom- und Dampfbedarfs wurden 2015 aus eigenen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen an den Produktionsstandorten erzeugt, betont Oberhumer. Reststoffe werden bis auf einen "verschwindenden Rest" betriebsintern thermisch genutzt – die Branche zählt somit "zu den größten industriellen Ökostromerzeugern". Ein Teil der 1.600 im vergangenen Jahr erzeugten Gigawattstunden werde auch an externe Verbraucher geliefert.

Branche will "Bioraffinerie" werden

Durch umbaubedingte Anlagenstillstände von zwei Werken in den steirischen Gemeinden Pöls und Gratkorn ist die Zellstoffproduktion im vergangenen Jahr zurückgegangen. Eine Senkung des Gesamtholzeinsatzes der Branche von 8,1 Prozent auf 7,3 Millionen Tonnen war die Folge, sowie ein Rückgang der Holzimportquote auf 28 Prozent. Auch große Mengen an günstigem, im Hitzesommer 2015 durch Borkenkäfer beschädigtem Holz trugen dazu bei. Heuer soll die Importquote der Branche wieder auf rund 35 Prozent steigen.

Während der Absatz aller Papiersorten im vergangenen Jahr zunahm, sah sich die Branche mit fallenden Durchschnittserlösen konfrontiert. Unter Preisdruck stehen vor allem die grafischen Papiere, der Bereich Verpackung und Spezialpapiere entwickelt sich hingegen sehr gut, freut sich Heinzel.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, möchte sich die Branche verstärkt als "Bioraffinerie" positionieren, erläutert Heinzel. Für die Zukunft ist geplant, verstärkt mit der Technischen Universität Graz zu arbeiten, um sich jungen Leuten als "attraktiver Arbeitgeber" zu präsentieren und innovative Nutzungsmöglichkeiten der Rohstoffe, sowie anfallender Reststoffe zu erforschen. (Elena Pramesberger, 19.04.2016)

  • Kampf um den Rohstoff Holz.
    foto: binderholz

    Kampf um den Rohstoff Holz.

  • Austropapier-Präsident Alfred Heinzel (Mitte), sowie Vizepräsidenten Christian Skilich (links) und Max Oberhumer (rechts) fordern eine Novellierung des Ökostromgesetzes.
    foto: austroapier/apa/arman rastegar

    Austropapier-Präsident Alfred Heinzel (Mitte), sowie Vizepräsidenten Christian Skilich (links) und Max Oberhumer (rechts) fordern eine Novellierung des Ökostromgesetzes.

Share if you care.