Fall Kampusch: Gutachten soll Priklopil-Selbstmord infrage stellen

19. April 2016, 15:10
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Eingereicht wurde es vom Karl Kröll, dem Bruder des verstorbenen Soko-Kampusch-Leiters

Wien – Im Fall Natascha Kampusch gibt es einem Medienbericht von "Spiegel online" zufolge ein neues Gutachten, in dem Zweifel am Suizid ihres Entführers Wolfgang Priklopil geäußert werden. Eingereicht wurde es demnach von Karl Kröll, dessen verstorbener Bruder Franz Kröll die Sonderkommission Kampusch geleitet hatte.

Kröll hatte bereits Anfang des Jahres im Zusammenhang mit dem Ableben des Kampusch-Entführers Priklopil bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige wegen Mordverdachts eingebracht. Dieser Verdacht soll nun durch das Gutachten der Rechtsmediziner Johann Missliwetz und Martin Grassberger untermauert werden. Dieses belege, dass der damals zuständige Rechtsmediziner "versäumte, zwischen Selbst- und Fremdtötung zu differenzieren". Vertreter der Anklagebehörde waren für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Übliche Standards nicht eingehalten

In dem Gutachten heiße es, dass "der Todesfall Wolfgang Priklopil als höchst bedenklich zu bewerten und Fremdverschulden auf Basis der vorliegenden Befunde durchaus als möglich zu erachten" sei. Der Gerichtsmediziner im Fall Priklopil sei nicht nach den "üblichen rechtsmedizinischen Standards und üblichen Vorgangsweisen, nicht einmal (nach) denen eines durchschnittlich sorgfältigen Facharztes der Rechtsmedizin" vorgegangen, schreiben Missliwetz und Grassberger laut "Spiegel online" in ihrem Gutachten. Wichtige Untersuchungen seien unterblieben.

Nach Ansicht von Missliwetz und Grassberger wurden den Angaben zufolge insgesamt sieben Punkte missachtet, die für eine begründete, umfassende und sorgfältige Expertise notwendig gewesen wären. Auch sei kein technisches Gutachten verfasst worden, um eine Korrelation der Verletzungen mit der Fahrzeugfront abzugleichen.

Kampusch war 1998 als Zehnjährige auf dem Schulweg entführt und von Priklopil in einem nicht einmal sechs Quadratmeter großen Kellerverlies bei Wien eingesperrt worden. Im August 2006 gelang ihr nach achteinhalb Jahren Gefangenschaft, in der sie geschlagen und missbraucht wurde, die Flucht. Ihr Peiniger wurde am selben Tag tot aufgefunden, er war von einem Zug erfasst worden. Nach Ansicht der zuständigen Ermittler nahm sich Priklopil das Leben. (APA, 19.4.2016)

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