Kettenbriefe und "lustige Videos": Whatsapp nervt wie früher Jamba

20. April 2016, 11:25
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Der Messenger sorgt für ein Comeback der furchtbarsten Netzphänomene, die teils die IT-Sicherheit gefährden

Der bekloppte Frosch, hochgepitchte Hasenstimmen und merkwürdige Handyspiele: Jahrelang dominierten die Produkte der Berliner Firma Jamba das Nervensägen-Ranking bei mobilen Anwendungen. Massenhaft Taschengeld wurde für Klingelton-Abos verschwendet, die von Verbraucherschützen oft als fragwürdige Geschäftspraktiken gegeißelt wurden. Nach und nach verschwanden Jamba und Co allerdings in der Versenkung, da Mobiltelefone zu Smartphones wurden, die nun ganze Songs abspielen und zum Spielen ins Internet einsteigen können.

182drummer44

Der Horror ist zurück

Doch die Hoffnung war vergebens: Lustige Videos, blöde Sprüche und anderer Horror, den man für ein Relikt der 2000er-Jahre hielt, sind wieder da. Schuld dafür sind Facebook und vor allem der zu dessen Imperium gehörende Messenger Whatsapp. Diesmal sind es allerdings nicht nur Jugendliche, die derlei Späße verbreiten – die sind ohnehin eher auf Snapchat und Instagram zu finden – sondern jene Massen an Nutzern, die durch Smartphones erstmals wirklich mit sozialen Messengern in Berührung kommen. Also: Verwandte, Kollegen und Freunde jenseits der 35, die "bekloppte Sprüche" für originell halten.

Merkwürdige Portale

Im Netz hat sich rund um "lustige Whatsapp"-Videos schon ein ganzes Netzwerk an halbseidenen Portalen aufgebaut, die auf jene abzielen, die per Google nach belästigenden Inhalten suchen. Zu nennen sind etwa "Whatsapp-Videos" oder "Fungesteuert", die so großartige Inhalte wie "Sag mal Hundi hast du etwa die Möhre geklaut" oder "Der Kollege der immer stinkende Füße hat" als Top-Beiträge anbieten. Dazu kommen eine Armada an Apps, die das "Erstellen" von animierten Grußbotschaften erlauben. Animierte Smileys sind angeblich ebenso beliebt, zumindest fallen immer mehr Nutzer auf kostenpflichtige Angebote herein, aus denen sie dann Verbraucherschützer boxen müssen.

burak yildirim

Kettenbriefe mit Urheberrechtsverletzung

Außerdem en vogue: Kettenbriefe und Whatsapp-Spiele. Populär ist etwa das "Akku"-Spiel, bei dem man je nach Prozentzahl des Akkus eine bestimmte Aufgabe erfüllen muss. Das reicht von so harmlosen Aufgaben wie "Nenn mich eine Woche lang Baby" (neun Prozent Akku) bis zu Aufforderungen zum Sexting (bei 1 Prozent Akku). Das zeigt auch gleich, dass die vermeintlich harmlosen Phänomene oft haarsträubende Konsequenzen haben. Während beim traditionellen "Flaschendrehen" Fotos verboten waren, sind digitale Blödheiten schnell per Screenshot abgespeichert.

fali bermudez

Außerdem mischen natürlich Betrüger mit. So warnte das Portal Mimikama wiederholt vor der Kettenbrief-Masche: Zuerst wird eine Botschaft mit einem Bild verschickt, das geteilt werden soll, um jemandem vom Krebs zu heilen, Weltfrieden zu erlangen oder Glück für alle Freunde zu erhalten. Wenig später gelangt dann auf denselben Wegen eine "Zahlungsaufforderung wegen Urheberrechtsverletzung" an genau dieselben Nutzer; die angeblich illegitimerweise das Bild aus dem Kettenbrief geteilt hätten. In ihrer Panik vor Gerichtsprozessen überweisen dann viele Menschen das Geld, ohne die Rechtslage zu hinterfragen.

stefan piornack

Gefährdung der IT-Sicherheit

Außerdem können "lustige Videos" und animierte Sprüche natürlich Schadsoftware enthalten, die das Smartphone infiziert und ausspioniert. Von eigenen Apps, etwa für das Erstellen animierter Videos, ganz zu Schweigen. Mit dem sparsamen Anwenden – oder gar einem Verzicht – von derlei Phänomenen wäre also fast allen geholfen: Der Sender schützt sein Smartphone und damit seine Privatsphäre – und der Adressat muss sich nicht an jene überstanden geglaubte Zeit erinnert fühlen, in der er vor dem bekloppten Frosch flüchten musste. (fsc, 20.4.2016)

  • Lustige Sprüche sind dank Whatsapp wieder voll im Geschäft.

    Lustige Sprüche sind dank Whatsapp wieder voll im Geschäft.

  • Der Jamba-Frog sorgte für Panik bei genervten Freunden.
    foto: screenshot

    Der Jamba-Frog sorgte für Panik bei genervten Freunden.

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