GSG 9 nimmt fünf mutmaßliche Rechtsterroristen fest

19. April 2016, 17:41
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Mehr als 200 Polizisten bei Wohnungsdurchsuchungen in Freital im Einsatz

Karlsruhe – Wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der rechtsterroristischen Vereinigung Gruppe Freital hat die deutsche Bundesanwaltschaft am Dienstag von Spezialeinheiten der Bundespolizei vier Männer und eine Frau festnehmen lassen. Außerdem wurden am Morgen mehrere Wohnungen und weitere Räumlichkeiten in Sachsen durchsucht, wie die Behörde in Karlsruhe mitteilte.

Innenminister Thomas de Maizière bezeichnete die konzertierte Polizeiaktion als "Erfolg für die Sicherheit in unserem Land". Nach der Aufdeckung der rechtsterroristischen "Oldschool Society" im vergangenen Jahr zeige sich erneut, dass der Staat konsequent und frühzeitig gegen solche Strukturen und Täter vorgehe.

Drei weitere mutmaßliche Mitglieder der Gruppe sitzen bereits in Untersuchungshaft. Der Gruppe Freital werden demnach bisher drei Sprengstoffanschläge zugerechnet – zwei Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Freital im September und im November 2015 sowie ein Anschlag auf das Wohnprojekt "Mangelwirtschaft" in Dresden im vergangenen Oktober.

Laut "Spiegel online" stehen die Festgenommenen im Verdacht, Attacken auf ein Parteibüro der Partei Die Linke sowie einen Sprengstoffanschlag auf das Auto eines Freitaler Stadtrats verübt zu haben. Bei Razzien in Freital und Dresden wurden Sprengmittel und Nazi-Devotionalien gefunden.

Fülle an Delikten

An dem Einsatz waren den Angaben zufolge insgesamt mehr als 200 Beamte des deutschen Bundeskriminalamts, der Bundespolizei und der sächsischen Polizei beteiligt. Die Festgenommenen sollen die Gruppe Freital spätestens im Juli vergangenen Jahres gegründet und ihr als Mitglieder angehört haben. Die Ermittler legen ihnen zudem eine Fülle weiterer Delikte zur Last, darunter Mordversuch, gefährliche Körperverletzung und das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion.

Bei den am Dienstag Festgenommenen handelt es sich den Ermittlern zufolge um den 18-jährigen Justin S., den 39-jährigen Rico K., die 27-jährige Maria K., den 25-jährigen Sebastian W. und den 26-jährigen Mike S., welche die Gruppe Freital zusammen mit drei bereits inhaftierten Verdächtigen gegründet haben sollen. Der 27-jährige Timo S., der 24-jährige Patrick F. und der 29-jährige Philipp W. befinden sich bereits in Haft.

Zahlreiche Sprengsätze

Timo S. und Patrick F. sollen Rädelsführer der Gruppe gewesen sein, deren Ziel laut Bundesanwaltschaft die Begehung von Sprengstoffanschlägen auf Asylwerberunterkünfte und Wohnprojekte von politisch Andersdenkenden gewesen sein soll. Zu diesem Zweck soll sich die Gruppierung eine dreistellige Zahl von pyrotechnischen Sprengkörpern verschiedenen Typs aus Tschechien beschafft haben.

Solche Feuerwerkskörper aus Osteuropa wurden nach Informationen des Portals "Spiegel online" bei den Durchsuchungen am Dienstag entdeckt. Entsprechende Böller hatte demnach auch die als Neonazitruppe eingestufte Gruppierung "Oldschool Society" für Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte verwenden wollen. Gegen mutmaßliche Mitglieder dieser Gruppe erhob die Bundesanwaltschaft im Jänner Anklage.

Spezialeinheit gegen Rechtsterrorismus

Die "Sächsische Zeitung" berichtet, dass im April die Generalbundesanwaltschaft die Ermittlungen gegen die sogenannte Bürgerwehr "FTL/360" aus Freital wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung übernommen hat. Bereits im Herbst wurde eine Spezialeinheit unter der Führung der Generalstaatsanwaltschaft Sachsen gegründet.

Das sächsische Innenministerium hatte noch im Sommer 2015 beteuert, dem Verfassungsschutz lägen "keine Erkenntnisse über tatsächliche Anhaltspunkte für extremistische Bestrebungen einer 'Bürgerwehr FTL / 360' vor".

In Freital wohnt auch Pegida-Gründer Lutz Bachmann, der sich ab heute wegen Volksverhetzung vor einem Dresdener Gericht verantworten muss. (red, APA, 19.4.2016)

  • Deutsche Medien berichten aus dem sächsischen Freital.
    foto: apa/afp/dpa/arno burgi

    Deutsche Medien berichten aus dem sächsischen Freital.

  • Demonstration gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft in Freital, Juni 2015.
    foto: ap/jens meyer

    Demonstration gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft in Freital, Juni 2015.

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