Flughafen Frankfurt: Hunde gegen Bettwanzen

19. April 2016, 12:54
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Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport unterhält eine Hundestaffel, die auf Bettwanzen spezialisiert ist

Bettwanzen galten noch bis vor einigen Jahren in Deutschland als nahezu ausgestorben, seit kurzer Zeit sind sie aber auch in unseren Gefilden wieder ein Thema. Die winzigen Insekten sind durch die vermehrte Reisetätigkeit nun auch wieder in Deutschland "heimisch" und lauern in Hotels, Wohnungen und Verkehrsmitteln auf ihre Opfer.

Denen stechen sie in die Haut, um an ihr Blut zu kommen. Das ist eigentlich nicht weiter schlimm, denn die winzigen Blutsauger sind für den Menschen ungefährlich. Aber lästig ist es schon, denn nach dem Stich bleiben winzige rote Pünktchen zurück – meist drei nebeneinander – die ziemlich heftig jucken.

foto: apa/dpa/alexander heinl
Der Australische Cattle Dog "Jack" schnuppert in Frankfurt am Main (Hessen) an Bord einer Boeing 747 nach Bettwanzen.

Bettwanzen sind nur wenige Millimeter groß. Die nachtaktiven Insekten sind derzeit vor allem in den USA, Kanada und Australien besonders verbreitet und können bei entsprechenden klimatischen Bedingungen bis zu einem Jahr ohne Nahrung auskommen. Inzwischen sind die lästigen Tierchen auch gegen viele Bekämpfungsmittel resistent bzw. sind einige der Bekämpfungsmittel wegen ihrer gesundheitsgefährdenden Wirkung verboten.

Hunde sind die besseren Kammerjäger

Flugreisende schleppen die Bettwanzen in Koffern und Bekleidung als blinde Passagiere nach Deutschland ein. Deshalb "arbeiten" jetzt am Flughafen Frankfurt nicht nur normale Spürhunde, die dem Zoll bei der Arbeit helfen, sondern auch Cora und Jack. Sie sind speziell ausgebildete Spürhunde, die Bettwanzen in Flugzeugsitzen aufspüren sollen.

foto: apa/dpa/alexander heinl
Hundeführerin Marisa Manzano und "Jack"

Wird einer der Hunde im Flieger fündig, werden die Sitzbezüge erneuert und die Reise der Cimex lectularius ist beendet. Bis zu 50 Flugzeugsitze schaffen die zweijährige Schäferhündin Cora und iht tierischer Kollege, der Australischer Cattle Dog Jack, ohne Pause – also je nach Größe der Jets etwa ein bis drei Flugzeuge täglich. Allerdings ist das Ganze nicht gerade preiswert: Die Ausbildung für Hund und Hundeführer dauert bei täglichem Training vier bis sechs Monate und kostet etwa 10.000 Euro. Trotz des stolzen Preises lohnt sich der Einsatz der tierischen Detektive: Menschen brauchen deutlich länger für die Suche und die Kammerjäger müssen dafür extra Bodenbeläge und Fußleisten entfernen.

Bettwanzen-Spürhunde sind sehr gefragt

Cora und Co. gehören zur Fraport-Hundestaffel und sind gleichzeitig Teil des systematischen Bettwanzen-Bekämpfungsplans für Europa, den der 53-jährige Fraport-Hundeführer Larry Hansen vor zwei Jahren ausgearbeitet und der "Bed Bug Foundation" in Großbritannien vorgestellt hatte. Damals wurde Hansen zu einem Ausbildungs-Lehrgang nach Florida geschickt und seit seiner Rückkehr besitzt Frankfurter Airport als einziger Flughafen in Europa Expertenstatus für Bettwanzenspürhunde.

foto: apa/dpa/alexander heinl
Nach einem Köder mit Bettwanzen schnuppert die Altdeutsche Schäferhündin "Cora" bei einem Training.

Was hilft eigentlich gegen Bettwanzen?

Zuerst die gute Nachricht: Bettwanzen sind kein Indiz für mangelnde Hygiene. Wer befürchtet, Bettwanzen im Reisegepäck zu haben, sollte zu Hause den gesamten Koffer-Inhalt auf einem weißen Laken gründlich nach den Tieren absuchen, rät das Flugportal fluege.de.

Falls man Bettwanzen entdeckt, helfen Hitze oder Kälte. Die Wäsche sollte bei mindestens 60 Grad gewaschen werden und alles, was nicht in die Waschmaschine darf, wandert in Plastiktüten verpackt für mindestens drei Tage ins Gefrierfach. Danach sollte man das Reisegepäck luftdicht in Plastik einpacken und einige Wochen warm lagern. Anschließend werden die Gepäckstück auf einer hellen Unterlage geöffnet und eventuell auftauchende Bettwanzen eingesammelt. Bei wem die komplette Wohnung von den ungebetenen Gästen besiedelt ist, kommt um den Anruf bei einem professionellen Schädlingsbekämpfer nicht herum. (red, 19.4.2016)

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