Der Nada-Chef ist nicht der Wada-Anwalt

19. April 2016, 09:53
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Cepic kritisiert Prozedere bei Meldonium-Verbot – Doskozil will aufklären

Wien – Es ist kein Nada-Termin wie jeder andere. "Noch nie", sagt Michael Cepic, der Geschäftsführer der österreichischen, also Nationalen Anti-Doping-Agentur, kurz Nada, "noch nie hat ein Minister so kurz nach Amtsantritt eine Nada-Pressekonferenz besucht." Neben Cepic, der in Wien den Nada-Jahresbericht präsentiert, sitzt Hans Peter Doskozil, zur Abwechslung quasi nicht verteidigend, sondern sportlich. Doskozil, der am 26. Jänner angelobt wurde, will seine Anwesenheit als "Signal" verstanden wissen, und er will "die Aufklärung der Sportler" forcieren.

Jahresbilanz also. Das bietet Gelegenheit, ganz Allgemeines festzuhalten. "Österreich liegt im Spitzenfeld jener Nationen, die sich um sauberen Sport bemühen", sagt Cepic, der sich auch darum bemüht, "mit einem Mythos aufzuräumen". Der Mythos sei, dass der Skiverband (ÖSV) hierzulande kaum oder gar nicht kontrolliert werde. Dabei, sagt Cepic, entfielen von 1640 Trainingskontrollen im Vorjahr 307 auf den ÖSV (72 alpin, 235 nordisch). Für den Fußballbund (ÖFB) gelte übrigens Ähnliches, jede zehnte Kontrolle betrifft einen Kicker.

Insgesamt wurden hierzulande im Vorjahr im Training und in Wettkämpfen 2734 Dopingproben genommen, um 3,6 Prozent mehr als 2014. Vier positive Befunde führten zu Anti-Doping-Verfahren. Diese vier Fälle waren, wie der Standard in Erfahrung bringen konnte, samt und sonders auf Urin- und nicht etwa auf Blutkontrollen zurückzuführen. Cepic hält dazu fest, "dass mehr als neunzig Prozent aller Substanzen über Urin nachweisbar sind".

Eine solche Substanz ist Meldonium, seit Jahresbeginn auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Meldonium hat sich – dank Maria Scharapowa und mehr als hundert weiteren Dopingfällen – flott einen Namen gemacht. Zuletzt ruderte die Wada zurück, da sie erst nachträglich draufgekommen sein wollte, dass Meldonium vielleicht doch etwas länger im Körper nachweisbar ist. In Proben vor dem 1. März 2016 gilt nun ein geringer Wert als akzeptabel, und vorläufig verhängte Sperren von 14 Athleten aus Russland und Georgien wurden bereits wieder aufgehoben.

Die Nada ist Mitglied der Wada, Cepic aber nicht deren Anwalt. Eine Klagewelle ist vorstellbar. "Die hätte sich die Wada selbst zuzuschreiben", sagt der Nada-Geschäftsführer und kritisiert: "Man hätte vorher Studien anstellen und alles professioneller vorbereiten können." Ob das IOC unter diesen Auspizien womöglich das russische Team oder auch nur die russische Leichtathletik von den Olympischen Spielen in Rio ausschließt? Minister Doskozil wäre dafür, "wenn sich flächendeckendes Doping nachweisen lässt". Doch wer sollte "flächendeckendes Doping" definieren – etwa die Wada, die es nicht einmal schafft, eine einzelne Substanz ordentlich zu verbieten?

Cepic hätte sich "vorher Studien" über Meldonium gewünscht. (Fritz Neumann, 19.4.2016)

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