Ex-Hypo-Chef Kulterer rief Chauffeur an: "Wann wurde geschreddert?"

19. April 2016, 05:30
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Die ehemaligen Hypo-Banker wurden auch nach ihrem Abgang mit Informationen versorgt. Noch ein Jahr nach der Verstaatlichung herrschte "Chaos" in der Hypo

Wien – Im Hypo-U-Ausschuss wird es diese Woche um die interne juristische Aufarbeitung der Causa Hypo gehen, die CSI Hypo. Als Auskunftspersonen kommen der Chef der Finanzprokuratur, Wolfgang Peschorn, einer der involvierten Anwälte (Johannes Zink von der Kanzlei HBA) und, am Donnerstag, Georg Krakow, der Exstaatsanwalt und Ex-Kabinettchef von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner. Er war ab 2012 "Koordinator".

Die CSI Hypo war von Finanzminister Josef Pröll nach der Verstaatlichung Ende 2009 ins Leben gerufen worden. Immer wieder kam es in der Folge zu Konflikten zwischen den Bankern unter Gottwald Kranebitter (ab April 2010) bzw. Aufsichtsratschef Johannes Ditz und Ermittlern. Man erschwere einander die Arbeit, so der Vorwurf in beide Richtungen.

"Verstreute Daten"

Tatsächlich war schon das Finden von Unterlagen eine Mühsal. "In der Bank herrschen teils chaotische Zustände", räumte noch im April 2011 ein Banker in einer CSI-Sitzung ein, die Daten seien "über die ganze Bank verstreut".

Ein Durcheinander freilich, das damals bereits strafrechtlich verfolgten Exbankern wie Wolfgang Kulterer oder Josef Kircher genützt haben dürfte. Aus Berichten der Kripo erschließt sich, dass sie auch lang nach ihrem Abgang über beste Informationen aus der Hypo verfügten.

So wurde Kulterer im Juli 2010 von der Frage gequält, wann seine Akten vernichtet wurden. Er rief also seinen Exchauffeur an: "Können Sie sich erinnern, wann geschreddert wurde? ... Wissen S' eh, meine ganzen Ding, wo der S. (Sicherheitschef, Anm.) und der ... den Auftrag gekriegt haben, alles zu schreddern, was von mir oben in den Panzerschränken ist.". Wenig später bekam er Antwort von einem anderen Wissenden. Das sei im November 2008 geschehen. Es sei um circa 40 Ordner (Kopien) gegangen.

Am Puls der Zeit

Zuvor, im Mai 2010, hatte der Exchauffeur Kulterer laut Bericht "über die neuen Umstände in der Bank informiert", für 11. Mai vereinbarte man ein Treffen Kulterer–Ditz in Wien. Ditz habe sich "neutral verhalten", erzählte der Exbanker danach einem seiner Vertrauten aus dem BZÖ. Der zeigte sich insofern erkenntlich, als er Kulterer von seiner eigenen Aussage bei der Soko Hypo berichtete. Wie gut Kulterer im Bild war, zeigt sich auch an einem Telefonat von Mai 2010. Es ging um Kranebitter, "das momentane Vorgehen in der Bank" und Anzeigen durch die CSI.

Auch Kircher war laut Soko Hypo Mitte 2010 am Puls der Zeit. Er unterhielt sich mit Zeugen zu (angezeigten) Hypo-Kreditfällen und mit dem altgedienten Hypo-Manager O. zum Vorgehen bei Einvernahmen.

Banker lieferte Infos

O. lieferte damals übrigens auch Kulterer noch aktuelle Informationen, etwa "über Granic und dessen kleine Zusatzfinanzierung von 150.000" Euro. Zur Erinnerung: Mate Granic war jener kroatische Ex-Außenminister und Hypo-Berater, der 2007 geholfen hatte, als die kroatische Nationalbank sich mit ihrer Zustimmung zum Bayern-Einstieg zierte.

Auch aus Notizen Kirchers zu den Vorzugsaktien lassen sich enge Kontakte zu handelnden Personen ablesen. Aus der Bank habe er "von den Recherchen zu den Vorzugsaktien" erfahren, hielt er im Juli 2010 fest, schon zwei oder drei Tage später besuchte er den involvierten Notar.

Vorzugsaktien-Recherche

Kircher notierte zudem Gespräche mit den Exbankchefs Tilo Berlin und mit Siegfried Grigg, dem er am 25. Juli auf der Autobahnraststätte Techelsberg die "problematische Situation" erklärt habe. (Beide sind beschuldigt, beide bestreiten die Vorwürfe und für beide gilt die Unschuldsvermutung.)

Ende Juli 2010 wurde das Thema Vorzugsaktien mit Rückgaberecht beim Anwalt besprochen. Kirchers Notiz: "Alle waren davon informiert, auch Haider." (Renate Graber, 19.4.2016)

  • Der frühere Staatsanwalt Georg Krakow koordinierte die CSI Hypo.
    foto: baker & mckenzie/unterberger

    Der frühere Staatsanwalt Georg Krakow koordinierte die CSI Hypo.

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