Zwei Konkurrenten für Werner Faymann

Analyse19. April 2016, 08:00
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Der SPÖ-Chef ist mit Ablösegerüchten konfrontiert, mit Christian Kern und Hans Peter Doskozil stehen zwei potenzielle Nachfolger bereit

Wien – Werner Faymann ist angeschlagen. Es wird über seine Nachfolge diskutiert. Das ist an sich nichts Neues: Der Kanzler leidet unter der allgemeinen Politikverdrossenheit, die insbesondere in seiner Amtszeit intensiver geworden zu sein scheint. Das Handling der Flüchtlingskrise hat nicht dazu beigetragen, das Vertrauen in die Politik im Allgemeinen und in diese Bundesregierung im Speziellen zu stärken. Erst musste sich Faymann für das unkontrollierte "Durchwinken" der Flüchtlinge Richtung Deutschland rechtfertigen, dann für seinen Schwenk, als die Grenzen dichtgemacht, ein Zaun in Spielfeld errichtet und Obergrenzen eingeführt wurden.

Anbiedern an den Boulevard

Die innerparteiliche Diskussion – zuletzt um die rot-blaue Koalition im Burgenland und die Abgrenzung zur FPÖ, dann um die Verschärfung der Asylgesetze, gegen die es in Teilen der SPÖ heftigen Widerstand gibt – setzt Faymann als SPÖ-Chef heftig zu. Sein Anbiedern an den Boulevard und die Meinungsschwenks, etwa auch in der Debatte über die Wehrpflicht, gaben seinen Kritikern stets neuen Stoff.

Immer wieder wurde über seine Ablöse als Kanzler und SPÖ-Chef diskutiert. Allerdings hat Faymann die Diskussionen stets weggesteckt, ohne dass ihm Kritiker viel anhaben konnten. Solange Wiens Bürgermeister Michael Häupl die schützende Hand nicht wegzieht, braucht Faymann seine Demontage offenbar nicht zu fürchten. Das könnte sich ändern.

Der dritte ÖVP-Chef an seiner Seite

Der 55-jährige Wiener hat sich allen Krisen zum Trotz überraschend lange gehalten. Bundeskanzler ist er seit Dezember 2008. In dieser Zeit tauschte die ÖVP zweimal Obmann und Vizekanzler aus: Auf Josef Pröll folgte Michael Spindelegger und auf diesen Reinhold Mitterlehner.

Sollte Faymann auch 2016 unbeschadet als Kanzler überstehen, könnte er die drittlängste Amtszeit dieser Republik hinter Bruno Kreisky (von 1970 bis 1983) und Franz Vranitzky (von 1986 bis 1997) für sich verbuchen. Diese beiden sind die einzigen Kanzler der Zweiten Republik, die sich mehr als zehn Jahre im Amt hielten. Bleibt Faymann bis zum Ende dieser Legislaturperiode, das wäre 2018 der Fall, schafft er auch das.

Debatte nach der Hofburgwahl

Falls nicht nach der Bundespräsidentenwahl bei einer Schlappe für SP-Kandidat Rudolf Hundstorfer die Debatte über eine Ablöse wieder an Fahrt aufnimmt. Zwei Nachfolgekandidaten stehen laut parteiinternen Einschätzungen parat: Zu ÖBB-Chef Christian Kern, dessen Ambitionen länger bekannt sind, gesellt sich dieser Tage ein zweiter Konkurrent: Hans Peter Doskozil, der erst im Jänner als neuer Verteidigungsminister angelobt wurde.

Von Kern heißt es: Er will. Er stünde nicht nur bereit, der Kanzler sei sein deklariertes Ziel. Der 50-jährige ÖBB-Manager, der seine Karriere als Wirtschaftsjournalist begann, hat politische Erfahrungen als Assistent in der Regierung Vranitzky und als Pressesprecher des SPÖ-Klubs gemacht, ehe er zum Verbund und später zur ÖBB wechselte.

Der ideale Kanzler

In der SPÖ schätzt man seine Managerqualitäten, sein eloquentes Auftreten und seine guten Verbindungen zu den Medien. Den Kontakt in die Politik hat er stets gepflegt, mit ihm können auch die sozialdemokratischen Gewerkschafter. Kern bedient die Breite der Partei. Der ideale Kanzler für die SPÖ, heißt es.

Konflikte mit dem linken Flügel

Mit Doskozil ist Kern – und Faymann – allerdings ein ernst zu nehmender Konkurrent erwachsen. Der 45-jährige Verteidigungsminister beeindruckt durch sein souveränes Auftreten, seine Zielstrebigkeit, seine Argumentationsstärke und sein Organisationstalent. Er delegiert mit klaren Vorgaben, führt sein Team straff, sucht den Kompromiss, wo es notwenig ist, bleibt in der Sache aber hart. Und er ist hemdsärmeliger als Kern. Seine bisherige Vorstellung hat in der SPÖ viele positiv überrascht. Dass "Dosko" erst so kurz in der Regierung ist, schreckt seine Fans nicht. Skeptiker wenden allerdings ein, dass ein Konflikt mit dem linken Flügel in der Partei vorprogrammiert wäre. Ihm wird zugetraut, eine Koalition mit der FPÖ einzugehen, was für Faymann ein Tabu ist.

Die Tage nach der Präsidentenwahl werden die Debatte wieder entfachen, aber wer Faymann kennt, weiß auch, dass dieser im Bestreben um den eigenen Machterhalt sehr wendig, geschickt und konsequent ist. (Michael Völker, 19.4.2016)

  • Christian Kern wollte, und viele in der SPÖ finden, er könnte und sollte auch.
    apa/neubauer

    Christian Kern wollte, und viele in der SPÖ finden, er könnte und sollte auch.

  • Hans Peter Doskozil sammelt in der SPÖ Anhänger um sich, die ihn auch für höhere Weihen bereit sehen.
    foto: cremer

    Hans Peter Doskozil sammelt in der SPÖ Anhänger um sich, die ihn auch für höhere Weihen bereit sehen.

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