Urteil: Britische Medien dürfen in Affären verstrickten Promi namentlich nennen

18. April 2016, 16:16
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Boulevardzeitungen in England und Wales war bisher verboten, den Namen eines Prominenten zu nennen, dem sie außereheliche Affären nachsagen

London – In einem möglicherweise richtungsweisenden Urteil hat ein Londoner Gericht die Namensnennung eines Prominenten erlaubt, dem außereheliche Affären nachgesagt werden. Den Medien in England und Wales war bisher per Unterlassungsurteil verboten, seine Identität preiszugeben. Da der Betroffene vor dem Obersten Gericht in Berufung gehen könnte, darf er aber vorerst immer noch nicht genannt werden.

Der Fall hatte ein Schlaglicht auf das besonders strikt gehandhabte System der Unterlassungsklagen in einigen Teilen Großbritanniens geworfen, mit dem Prominente indiskrete Berichte über ihr Privatleben verhindern können. Obwohl die Identität des mutmaßlichen Ehebrechers auf Twitter sowie in den USA und Schottland bereits bekannt war, blieb das Verbot für die Medien in Wales und England bestehen.

Klage der Wochenzeitung "Sun on Sunday"

Dagegen hatte die Wochenzeitung "Sun on Sunday" geklagt und nun Recht erhalten. Richter Rupert Jackson erklärte in dem Urteil, das Wissen über die Affäre sei inzwischen so weit verbreitet, dass die Vertraulichkeit nicht mehr gewahrt werden könne. "Der Schaden, der mit der Unterlassung verhindert werden sollte, ist vermutlich zum Großteil schon eingetreten", erklärte er. "Das Gericht sollte keine Anordnungen erlassen, die wirkungslos sind."

Vermutlich noch im Lauf der Woche wird entschieden, ob der Betroffene gegen das Urteil vor das Oberste Gericht ziehen kann. Im Fall einer Ablehnung dürften die Medien seine Identität sofort enthüllen. (APA, AFP, 18.4.2016)

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