Naturkatastrophen forderten seit 1900 acht Millionen Todesopfer

18. April 2016, 16:43
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Am ersten Tag der Generalversammlung der European Geosciences Union in Wien referierten Experten über Auswirkungen des Klimawandels

Wien – In Europa wird es durch den Klimawandel in den nächsten Jahrzehnten eine Welle von extremen Wetterereignissen geben, berichteten Forscher bei einer Pressekonferenz am ersten Tag der Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU) in Wien. Seit 1900 forderten Naturkatastrophen weltweit bereits acht Millionen Tote und verursachten sieben Billionen Dollar Schaden, hieß es.

"Europa wird einen progressiven und sehr starken Anstieg von allgemeinen Klimarisiken sehen", sagte Giovanni Forzieri vom Institute for Environment and Sustainability des Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission. Extreme Wetterereignisse würden laut Modellberechnungen mit 840 verschiedenen Risikoszenarien häufiger, woran klar erkennbar der von Menschen verursachte Klimawandel schuld sei.

Hitze und Hochwasser

"Von der aktuellen Frequenz der Naturkatastrophen haben wir modelliert, wie oft das in Zukunft passieren wird", so Forzieri. Was bisher als "Jahrhundertereignis" bezeichnet wurde, dürfte in den kommenden Jahrzehnten weitaus häufiger passieren.

Besonders stark betroffen sei der Südwesten Europas. Dort müsse man mit häufigeren Hitzewellen, Dürren und verheerende Großbränden rechnen. Viele wiederum von Hochwasser gefährdete Gebiete seien dicht bevölkert und für die Wirtschaft zentral – Unwetter und Überschwemmungen könnten dort schwerwiegende Schäden anrichten.

Weltweit haben Naturkatastrophen seit 1900 schon acht Millionen Menschenleben und sieben Billionen Dollar (6,2 Billionen Euro) Schaden verursacht, sagte James Daniell vom Geophysikalischen Institut des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Zu diesem Ergebnis kamen er und Kollegen durch das Auswerten von mehr als 35.000 Katastrophenereignissen.

"Ein Drittel des wirtschaftlichen Gesamtschadens geht auf das Konto von Flutkatastrophen, Erdbeben verursachten 26 Prozent der Schäden", so Daniell. Stürme seien mit 19 Prozenten ebenfalls maßgeblich beteiligt und verursachten in jüngster Zeit sogar mehr Schäden als Überschwemmungen. Vulkanausbrüche machten lediglich ein Prozent aus.

Vier Millionen Tote durch Flutkatastrophen

Flutkatastrophen verursachten die Hälfte der insgesamt acht Millionen Toten durch Naturkatastrophen von 1900 bis 2015. Erdbeben forderten in diesem Zeitraum 2,32 Millionen Todesopfer, Vulkanausbrüche 98.000. In jüngster Zeit sei der Tsunami im Indischen Ozean 2004, der 230.000 Menschenleben kostete, die schwerste Katastrophe gewesen. "Das Ereignis mit den bisher meisten Todesopfern ist aber das Hochwasser 1931 in China mit 2,5 Millionen Toten", sagte Daniell.

"Grundsätzlich sind weniger entwickelte Länder durch Katastrophen verwundbarer", so der Forscher. Sie müssten daher auch in Zukunft höhere wirtschaftliche Schäden und mehr Todesopfer durch Naturkatastrophen befürchten als besser entwickelte Regionen.

Die "Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU)" findet vom 17. bis 22. April im Austria Center in Wien statt. Laut EGU referieren und diskutieren hier mehr als 13.000 Geowissenschafter aus aller Welt über den Klimawandel, Naturkatastrophen, Rohstoffe sowie Weltraumprojekte. (APA, red, 18.4.2016)

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