Rosberg: "Längste Saison der Geschichte"

18. April 2016, 14:34
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Shanghai-Sieger spekuliert nicht mit dem Titel – Mit 188 Starts ohne Unterbrechung nun Marathonmann der Formel 1

Shanghai – Nico Rosberg ist derzeit in der Formel 1 unschlagbar. Der Mercedes-Mann sicherte sich am Sonntag auch den Sieg in Shanghai, während sich die Verfolger in einem packenden Rennen aufrieben. Mit seinem möglichen ersten WM-Titel will sich Rosberg indes noch nicht auseinandersetzen. Er geht weiter von einem harten Kampf mit Teamkollegen Lewis Hamilton aus. "Er ist die Messlatte", ist er überzeugt.

"Der Nico war heute in seiner eigenen Welt", urteilte Ferrari-Star Sebastian Vettel, der als Zweiter 37 Sekunden Rückstand aufwies. Es war der 13. deutsche Doppelerfolg der Formel-1-Geschichte, doch im Mittelpunkt stand nur Rosberg, bei dem in der noch jungen Saison bisher alles zusammenpasst. Der 30-Jährige strahlt eine unglaubliche Souveränität aus, begeht keine Fehler und wird anders als seine Konkurrenten nicht durch technische Probleme zurückgeworfen.

Völlig unbeeindruckt vom Spektakel in Shanghai gewann Rosberg auch das dritte Rennen des Jahres. "So eine Balance habe ich selten gehabt", schwärmte er geradezu von seinem silbernen Boliden. Dass ihn Red Bulls Daniel Ricciardo am Start stehen ließ, sei kein Malheur gewesen. "Mein Auto war einfach viel stärker, deshalb konnte ich dann ziemlich locker vorbeiziehen." Vom Chaos hinter ihm, wo sich Kollisionen und wilde Positionskämpfe abspielten, habe er nichts mitbekommen. "Ich habe nichts gesehen. Ich habe nur versucht, den Vorsprung zu vergrößern."

36 Zähler Vorsprung auf Hamilton

Sein zweiter Sieg in Shanghai freute ihn besonders. "Ich habe hier meine erste Pole Position und meinen ersten Sieg geholt", erinnerte Rosberg an die Saison 2012, als er erstmals ganz oben auf dem Podest stand. 111 Rennen hatte er dafür gebraucht, nur vier "Spätzünder" ließen sich für ihr erstes Mal noch länger Zeit. Rekordhalter in dieser Kategorie ist der Australier Mark Webber, der erst bei seinem 130. Anlauf erstmals zuschlug.

Dank der Maximalausbeute von 75 Punkten hat Rosberg nun schon 36 Zähler Vorsprung auf Titelverteidiger Hamilton, der sich nach einem Pannen-Wochenende auf Platz sieben ins Ziel rettete. Schlechter klassiert war sein Teamkollege seit November 2013 nicht mehr, als er in Brasilien nicht über Platz neun hinauskam. Somit gab es in China zwar den neunten Mercedes-Triumph in Serie, aber wie schon vor zwei Wochen in Bahrain keinen Doppelsieg der Sternenflotte.

Mit seinem 17. Grand-Prix-Erfolg übernahm Rosberg zugleich eine eher ungeliebte Position: Der Mercedes-Pilot ist nun der Fahrer mit den meisten Siegen ohne WM-Titel. Die britische Asphalt-Legende Sterling Moss rangiert mit 16 Siegen hinter ihm.

Seinen finnischen Vater Keke hat Rosberg längst überrundet, denn der hat nur fünf Rennen gewonnen – allerdings 1982 auch die WM-Krone. Auch als Fahrer mit der längsten ununterbrochenen Serie von Grand-Prix-Starts steht der deutsche Dauerbrenner jetzt alleine an der Spitze. Mit seinem 188. Rennen in Folge überholte er den Italiener Riccardo Patrese.

Die logische Frage, ob es heuer mit seinem ersten Titel klappen wird, beantwortete Rosberg ausweichend. "Es ist die längste Saison der Formel-1-Geschichte, es kommen noch 18 Rennen. Es macht keinen Sinn, schon jetzt Bilanz zu ziehen", sagte er. "Natürlich bin ich glücklich über den Start. Aber Lewis liegt nicht so viele Punkte zurück. Er ist die Messlatte. Es wird wieder ein harter Kampf werden, wie immer."

Auch in Zukunft müsse das Mercedes-Team zudem weiter auf der Hut sein vor der rot lackierten Konkurrenz. "Wir haben immer noch das schnellste Auto. Aber Ferrari hat immer noch nicht gezeigt, was sie leisten können. Sie hatten so viele Probleme. Wir müssen weiter hart arbeiten, weil sie einfach viel schneller sind, als wir bisher gesehen haben", erklärte Rosberg. (APA, 18.4.2016)

  • Treffsicher: Nico Rosberg.
    foto: reuters/song

    Treffsicher: Nico Rosberg.

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