Teampainting: Malen mit dem Chef

22. April 2016, 12:21
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Beim gemeinsamen Malen steht die Qualität der Zusammenarbeit auf dem Prüfstand – ein Teambuilding-Seminar der etwas anderen Art

Mit dicken und dünnen Pinseln, einer Rolle, Spachteln, einer Abwaschbürste – der Kreativität sind an diesem Nachmittag im Essl-Museum keine Grenzen gesetzt. Zu Werke gehen beim "Teampainting" die Chefs dreier Sportverbände, die sich zu einer GmbH – der Fit Sport Austria – formiert haben, mit einigen Mitarbeitern. Sie wollen sich durch das gemeinsame Malen zu einem Arbeitsteam einschwören.

Start: Kunstgespräche.

Das Programm beginnt mit einer Runde "Warm-up" mit Skizzen. Hier können sich die Teilnehmerinnen einfinden, aufwärmen. Es folgen eine Führung durchs Museum und "Kunstgespräche": Die Teilnehmenden sollen sich ein Bild aussuchen, "vor dem sie mehr Zeit verbringen würden", das besonders gut zu ihrer derzeitigen Lebens- und Arbeitssituation passt, instruiert Kunsttherapeutin und Kunstvermittlerin Mela Maresch.

Strategie festlegen – und los!

Dann geht es an das eigentliche Programm. Die Gruppe soll gemeinsam ein Bild malen – auf einer rund vier Meter langen Bahn. Das Material können sie selbst wählen, ebenso die Farben. Die einzige Regel: Wenn einem Teilnehmer alles zu viel wird, kann er Stopp rufen – und für eine Minute alleine weitermalen.

foto: essl
Ganz am Anfang steht die leere Leinwand.

Die Gruppe legt vorab eine Strategie fest: Von links nach rechts wollen sie malen, keine Schriften wollen sie verwenden. Alle Farben, "außer Lila", sind erlaubt. Das Thema des Bildes soll "Bewegung" sein. "Es soll sich möglichst ineinanderfügen", so der Wunsch einer Teilnehmerin. Dann gibt Maresch den Startschuss. Es wird gemalt, gestrichen, gebürstet (mit einer Abwaschbürste) – die Teilnehmer entscheiden sich für kräftige Farben: Rot, Grün, Gelb, Blau. "Beim Meeting am Donnerstag haben wir dann immer noch farbige Finger", scherzt einer. Schwungvolle Kreise wechseln sich mit kleinteiligen Zeichnungen ab; Punkte, Striche, Farbspritzer.

derstandard.at/von usslar
Teampainter in Aktion.

Nach 20 hektischen Minuten verlangsamt sich das Tempo. Es wird zwischendurch auch einmal kurz innegehalten und überlegt, bereits zu Papier Gebrachtes analysiert: "Sieht ein wenig aus wie Picasso, oder nicht?" Jeder lässt dem anderen genügend Zeit und auch Raum für seine Muster.

"Wie eine Gruppe zusammen malt, zeigt schnell, wie sie zusammen arbeitet", sagt Maresch. Bei dieser "spürt man, dass sie eingespielt sind". Auch Hierarchien würden beim gemeinsamen Kunstschaffen schnell deutlich, sagt Maresch, die seit 2003 regelmäßig mit Gruppen von rund 15 Personen zusammenarbeitet. Womit die Gruppen in ihrem Berufsalltag normalerweise arbeiten, sei dabei für die Teilnahme egal. "Natürlich tun sich in der Kreativbranche Beschäftigte leichter."

foto: essl
Jeder für sich und doch gemeinsam.

Keine Verweigerer?

Nach einer Stunde muss die Gruppe die Pinsel aus der Hand legen. Signiert wird mit einem Daumenabdruck. Das Ergebnis lässt an den Stil von Wassily Kandinsky und Joan Miró denken. Was ist das Fazit der Teilnehmenden? "Jeder konnte sich so einbringen, wie er oder sie wollte. Wir haben die Idee für das Bild gemeinsam entwickelt und umgesetzt", sagt Paul Nittnaus vom ASVÖ. Er nimmt bereits zum dritten Mal an einem Teampainting teil. Gefragt, wie er denn auf die Methode gekommen sei und ob es nicht einzelne Verweigerer, gar Skeptiker gegeben habe, sagt er: "Wir haben einen Inhalt für ein gemeinsames Programm gesucht und gefunden. Die Resonanz war gleich eine gute, alle haben sich darauf eingelassen."

foto: lib
Noch ein paar Farbakzente als Finish.

Das Bild gefalle ihm. "Man sieht, dass wir von links nach rechts unsere Technik immer weiter verbessern konnten." Einem anderen Teilnehmer ist es "zu viel Farbe". "Die Reduktion ist anfangs schwierig", beruhigt Andreas Hoffer, der mit Mela Maresch den Workshop leitet. "Die meisten haben große Lust, mit dem Material zu arbeiten, und die ist gut und wichtig. Aber es ist super, dass ihr zwischendrin auch mal die Möglichkeit genutzt habt, zu stoppen und zu überlegen, wie ihr weitermachen wollt."

foto: lib
Das gemeinsam gefertigte Gemälde soll im neuen Büro hängen.

Teambuilding-Effekt

Für einen noch deutlicheren gruppendynamischen Effekt, um wirklich mit der Gruppe zu arbeiten, bedürfe es noch eines weiteren Durchgangs, sagt Maresch. "Dann würden wir uns ansehen, was besser laufen könnte, und ein zweites Bild malen." Das aktuelle jedenfalls will das Team in seinem neuen gemeinsamen Büro aufhängen. Und Maresch und Hoffer werden, wenn das Essl-Museum seinen Ausstellungsbetrieb einstellt, ihre Seminare anderswo weiter abhalten. (Lisa Breit, 22.4.2016)

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