Internet, Bugs, Spam: Wo Bill Gates gewaltig irrte

18. April 2016, 10:20
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Der Microsoft-Gründer lag in der Einschätzung zukünftiger Entwicklungen einige Male komplett daneben

Microsoft-Mitgründer Bill Gates gilt als einer der großen Visionäre unserer Zeit. Mit seinem 1975 gegründeten Unternehmen veränderte er die Welt. Heute versucht er sie mit der Bill and Melinda Gates Foundation ein Stück besser zu machen. Aber auch Gates hatte Momente, in denen er mit seiner Einschätzung komplett daneben lag. Der "Business Insider" hat die "dümmsten" Aussagen des Milliardärs zusammengetragen.

Apple, IBM und OS/2

1984 sagte Gates zur "Businessweek": "Die nächste Generation interessanter Software wird für den Macintosh geschrieben werden, nicht für den IBM-PC." Zu dem Zeitpunkt gab es für den Apple Computer kaum Anwendungen und Microsoft versprach entsprechende Software zu liefern. Nachdem Microsoft 1985 Windows veröffentlicht hatte, wurde die Unternehmen allerdings zu Erzrivalen.

Und obwohl das Unternehmen schon an Windows arbeitet glaubte Gates 1987 noch, dass IBMs OS/2 "das wichtigsten Betriebssystem, vermutlich das wichtigste Programm" aller Zeiten werden würde. Microsoft hatte OS/2 gemeinem mit IBM für dessen Computer entwickelt.

Mit dem sehr erfolgreichen Windows 3.0, das 1990 auf den Markt kam, sollte sich das Blatt für Microsoft aber abermals wenden. Das und andere Probleme führten zum Bruch mit IBM und Microsoft stellte seine Mitarbeit an OS/2 ein. 2006 wurde das IBM-Betriebssystem offiziell eingestellt.

Programmierfehler und das Internet

Ein weiterer Punkt, den Gates falsch einschätzte, sind Programmierfehler. 1995 sagte er dem "Focus Magazine": "Es gibt keine gravierenden Bugs in unsrer veröffentlichten Software, die eine größere Zahl von Nutzern bereinigt haben will." Niemand würde jemals für die Behebung von Softwarefehlern bezahlen. Nachdem das Unternehmen Updates für Software-Lücken eine Zeit lang sofort ausspielte, wurde 2003 der Patch Day für monatliche Aktualisierungen eingeführt.

Auch das Potenzial des Internets erkannte der Microsoft-Gründer erst spät. 1994 sagte er auf einem Event, dass er kaum kommerzielles Potenzial für das Internet in den kommenden zehn Jahren sehe. Ein Jahr später meinte er in seinem Buch "The Road Ahead", das Internet sei eine Neuheit, die den Weg für etwas Besseres bereiten würde. "Das heutige Internet ist nicht der Information Highway, den ich mir vorstelle, man kann es aber als den Beginn dieses Highways sehen." Seine Fehleinschätzung bemerkte er aber bald und veröffentlichte 1996 eine überarbeitete Version des Buches.

Internet Explorer

Weniger eine Fehleinschätzung, mehr eine zweifelhafte strategische Ansicht teilte Gates im Jahr 1998 in einem Memo an seine Mitarbeiter. Die einwandfreie Darstellung von Office-Dokumenten sollte nur mit dem eigenen Internet Explorer möglich sein. Zu erlauben, dass Office-Dateien auch in anderen Browsern gut angezeigt würden, sei "eines der zerstörerischsten Dinge, das wir dem Unternehmen antun könnten".

Microsoft veröffentlichte 1995 seinen Internet Explorer, der dem damals dominanten Netscape Browser in den darauffolgenden Jahren den Rang ablaufen konnte. Die Dominanz des Internet Explorers und die Bündelung mit Windows brachte Microsoft allerdings einen Kartellrechtsprozess ein. Und das Unternehmen musste sich bereiterklären, Nutzern auch fremde Browser anzubieten.

Spam

Einen Wunschtraum, der bis heute nicht Erfüllung ging, gab Bill Gates 2004 in einem Internet mit der BBC ab: "Spam wird in zwei Jahren eine Ding der Vergangenheit sein." Die Spam-Filter mögen seitdem wesentlich besser geworden sein, laut Symantec besteht aber immer noch knapp die Hälfte aller verschickten E-Mails aus Spam-Nachrichten. Immerhin: langsam geht er zurück. So hatte Spam 2009 noch 90 Prozent Anteil am gesamten E-Mail-Aufkommen.

Diese Patzer sollen aber nicht überdecken, dass Gates auch sehr vieles richtig erkannt hatte. Und eine vielzitierte Aussage, dass 640 KB Speicher genügend für jeden Nutzer sein sollte, wird ihm auch fälschlicher Weise zugeschrieben. (red, 18.4.2016)

  • Bill Gates wirft eine Zeitung.
    foto: reuters/wilking

    Bill Gates wirft eine Zeitung.

  • Bill Gates bei einer gerichtlichen Anhörung.
    foto gemeinfrei

    Bill Gates bei einer gerichtlichen Anhörung.

  • Bill Gates spielt Tischtennis.
    foto: reuters/wilking

    Bill Gates spielt Tischtennis.

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