Die Schattenseiten der Steuerreform

17. April 2016, 17:08
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Die Reform brachte nicht nur Entlastung, sondern auch eine Fülle an Gesetzen und Regeln. Sie erhöhen den Aufwand und werden als "wirtschaftsfremd" kritisiert

Wien – Die Steuerreform mit neuen Einkommenstarifen und Entlastungen entfaltet konjunkturbelebende Wirkungen – aber sie hat auch Schattenseiten. Bei den Unternehmern ging der Schuss sozusagen nach hinten los. Viele Betriebsinhaber beklagen neben Verschlechterungen weitere Belastungen durch neue Auflagen und gesetzliche Bestimmungen. Mit 32 Prozent hält knapp ein Drittel der Befragten die Steuerreform schlicht für "wirtschaftsfeindlich".

Das geht aus einer Umfrage des Kreditschutzverbands von 1870 (KSV) hervor. Am wenigsten schmeckt den Betrieben demnach die Erhöhung der Kapitalertragsteuer für Gewinnausschüttungen. Die KeSt.-Erhöhung betrifft Unternehmen aller Größenordnungen, besonders in die Pflicht genommen fühlen sich allerdings Kleinbetriebe (83 Prozent).

Auf Platz zwei der unangenehmsten Nebenwirkungen der Steuerreform rangiert die Herabsetzung der Abschreibungsdauer für Betriebsräumlichkeiten. Von der Afa-Neuerung sehen sich rund zwei Drittel der Betriebe in Österreich betroffen. Hinzu kommen neue Berechnungsgrundlagen wie die Erhöhung des Grundanteils bei Gebäuden und die Verlängerung der Verteilungsfrist für Gebäudeinstandsetzungskosten.

150 Millionen Zusatzbelastung

Allein in Hotellerie und Gastronomie verursachten die Afa-Änderungen rund 150 Millionen Euro an Zusatzbelastungen, beklagt die Branche unter Verweis auf einschlägige Berechnungen des auf Klein- und Mittelbetriebe (KMU) spezialisierten Instituts KMU Forschung Austria. Nicht als Stimmungsaufheller wirkt vor diesem Hintergrund die Mehrwertsteuererhöhung von zehn auf 13 Prozent im Gast- und Beherbergungsgewerbe.

Ex aequo mit den Afa-Änderungen in der Liste der größten Ärgernisse der Steuerreform rangiert die Abschaffung des Bildungsfreibetrags. Sie wird von 67 Prozent der befragten Unternehmen kritisiert, sie trifft laut KSV die Erwerbstätigen großer Betriebe stärker als jene in Kleinbetrieben.

Kompliziere

Sauer stößt den Betrieben erwartungsgemäß auch die Änderung beim Sachbezug für privat genutzte Firmenwagen auf. Denn seit Jahresanfang ist die Berechnung komplizierter, der zu versteuernde Aufschlag hängt von den CO2-Emissionen des Firmenwagens ab. Er beträgt 1,5 Prozent (maximal 720 Euro) der Anschaffungskosten, sofern der Emissionsgrenzwert im Jahr der Anschaffung eingehalten wird. Wird der CO2-Emissions-Grenzwert im Jahr der Anschaffung jedoch überschritten, ist für die gesamte Dauer der Nutzung ein monatlicher Zuschlag von zwei Prozent (maximal 960 Euro) anzusetzen.

Als Dauerbrenner unter den als "wirtschaftsfeindlich" kritisierten Regelungen gilt auch die Arbeitszeit. Mehr als die Hälfte der Befragten drängen auf Flexibilisierung, wobei Mittel- und Großbetriebe mit der aktuellen Gesetzeslage zurande kommen, also noch ausreichend Spielraum sehen. Kleinst- und Kleinbetriebe hingegen, die keine Betriebsvereinbarungen für Sonderregelungen schließen können, wünschen sich verstärkt neue Lösungen. (ung, 17.4.2016)

  • Wie man es auch dreht und wendet: Kleinstbetriebe spüren nach und nach die Schattenseiten der großen Tarifreform.
    foto: reuters/nacho doce

    Wie man es auch dreht und wendet: Kleinstbetriebe spüren nach und nach die Schattenseiten der großen Tarifreform.

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