Blut und doppelter Boden

Einserkastl17. April 2016, 16:21
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Ausschreitungen haben an der Universität Wien eine lange Tradition, torpedieren jedoch das gesellschaftliche Zusammenleben

Identitäre haben also eine Vorstellung von Jelineks Schutzbefohlenen gestürmt und mit Kunstblut um sich gespritzt. Das ist gleich mehrfach doppelbödig und verurteilenswert.

Auf der Bühne standen großteils Geflüchtete, unter ihnen auch Kinder. Es ist leicht auszurechnen, was für eine Wirkung derartiges Vorgehen bei ihnen auslöst. Eine Teilhabe an gesellschaftlichem Zusammenleben, eine Aneignung der Sprache – also eigentlich alles das, was von Geflüchteten so erwartet wird – wurde auf perfide Weise torpediert. Die Angreifer verstiegen sich sogar dazu, Geflüchtete allgemein mit dem Bataclan-Massaker in Verbindung zu bringen.

Polizei und Verfassungsschutz ermitteln, unter anderem wegen Körperverletzung, Störung einer Versammlung und Sachbeschädigung. Ausschreitungen von rechten Gruppen haben auf der Universität Wien langjährige Tradition – in den Dreißigerjahren gab es regelmäßige Gewalt und Krawalle gegen jüdische und linke Studierende. Was es ab 1938 gab, ist bekannt.

Alma Mater hat eine dunkle Vorgeschichte. Sie darf sich jetzt nicht auf allgemeine Diskussion berufen und sich uneindeutig zu dieser Causa äußern. Eine Diskussion verzichtet auf Übergriffe und Einschüchterungsversuche, droht kein "unsicheres Hinterland" an. Klare Ausgangslage verlangt jedoch nach klaren Worten. Die Schutzbefohlenen brauchen Schutz, die Kunst ihre Freiheit, die Politik ihre Verantwortung. (Julya Rabinowich, 18.4.2016)

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    foto: apa/anja kundrat
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