Umsatzsteuer auch bei Lieferungen ins EU-Ausland

18. April 2016, 18:26
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Kommission plant Reform zur Betrugsbekämpfung

Wien – Bis zu 50 Milliarden Euro entgehen den EU-Steuerbehörden jedes Jahr durch Karussellbetrug. Da im derzeitigen Mehrwertsteuersystem für grenzüberschreitende Lieferungen zwischen Unternehmen in der EU keine Umsatzsteuer eingehoben wird, fällt die Steuer auf den ganzen Umsatz aus, wenn sie beim lokalen Weiterverkauf von betrügerischen Unternehmen nicht gemeldet und gezahlt wird.

Der vor kurzem vorgestellte Aktionsplan der EU soll dies ändern: In Zukunft soll für die grenzüberschreitenden Verkäufe die Umsatzsteuer im Bestimmungsland abgeführt werden. Dadurch kommt es beim Weiterkauf zu einem Vorsteuerabzug auf die grenzüberschreitende Lieferung. Die vom Weiterverkäufer zu zahlende Umsatzsteuer bemisst sich daher von der Marge, der Karussellbetrug wird weniger lukrativ.

Um aber den Unternehmern, die grenzüberschreitende Lieferungen ausführen, eine umsatzsteuerliche Registrierung im Bestimmungsland zu ersparen, soll der Unternehmer die Umsatzsteuer in seinem Heimatland melden können (One-Stop-Shop). Der Käufer wiederum kann sich die Vorsteuer im Bestimmungsland abziehen. Zwischen den beiden Staaten muss daher ein Umsatzsteuerausgleich stattfinden.

Christine Weinzierl, Umsatzsteuerexpertin bei PwC in Wien, hält den Vorschlag für den besten Weg, gegen den grassierenden Betrug vorzugehen – und wegen der Budgetnöte in allen EU-Staaten eine Umsetzung für wahrscheinlich. Die Reform erfordert allerdings Umstellungen bei Unternehmen und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den nationalen Steuerbehörden.

Spezielle USt.-Meldungen

Für grenzüberschreitenden Lieferungen werden spezielle Umsatzsteuermeldungen eingeführt werden – mit eigenen Fälligkeiten und Aufbewahrungsfristen, wie es bei elektronischen Dienstleistungen an Nichtunternehmer bereits geschehen ist, sagt Weinzierl. Für große Unternehmen ist die Umstellung auch dank des Einsatzes moderner Technologien kein Problem, für Klein- und Mittelunternehmen aber schon.

Schwieriger könnte sich die Zusammenarbeit der Steuerbehörden gestalten. So wird für grenzüberschreitende Lieferungen, die im Bestimmungsland zu versteuern sind, im Heimatland des Lieferanten die Betriebsprüfung stattfinden. Das setzt aber voraus, dass der Betriebsprüfer einerseits die Regelungen des Bestimmungslandes beherrscht und andererseits die Umsätze der anderen Staaten mit der gleichen Akribie prüft wie die eigenen, sagt Weinzierl. "Da muss viel Vertrauen zwischen den Staaten herrschen." Der Richtlinienvorschlag soll 2017 stehen, die neue Regelung 2020 in Kraft treten, meint Weinzierl. (ef, 18.4.2016)

  • Als Karussellbetrug bezeichnet man eine in der Europäischen Union (EU) weit verbreitete Form des Steuerbetrugs.
    foto: ap / herbert knosowski

    Als Karussellbetrug bezeichnet man eine in der Europäischen Union (EU) weit verbreitete Form des Steuerbetrugs.

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