Heftige Gefechte um Stadt Kunduz in Nordafghanistan

17. April 2016, 12:43
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Regierung: Mehrere Taliban-Angriffe abgewehrt

Kunduz – Radikalislamische Taliban und afghanische Einheiten liefern sich weiter heftige Gefechte um die Provinzhauptstadt Kunduz. Die Regierungstruppen hätten mehrere Angriffe der Extremisten abgewehrt und Dutzende von ihnen getötet, teilten die Behörden am Sonntag mit.

Die Taliban hatten die nordafghanische Stadt im vergangenen Jahr vorübergehend in ihre Gewalt gebracht, waren danach aber wieder zurückgedrängt worden. Kurz nach Beginn ihrer Frühjahrsoffensive zu Wochenbeginn verschärften die Taliban auch ihre Offensive auf Kunduz. Unterschiedliche Angaben lagen über die Zahl der getöteten Taliban vor. Die Polizei in Kunduz erklärte, 49 seien in den jüngsten Gefechten umgekommen und 61 verletzt worden. Das Verteidigungsministerium in Kabul sprach am Sonntag von 38 Toten und 13 Verletzten innerhalb der vergangenen 24 Stunden.

Zugewinne für Islamisten

Die Islamisten haben seit dem Abzug der internationalen Kampftruppen Ende 2014 an Stärke gewonnen und stehen jetzt so gut da wie seit ihrem Sturz durch eine US-geführte Invasion 2001 nicht mehr. Der NATO zufolge kontrollieren sie zwar nur sechs Prozent von Afghanistan, allerdings könne ein Drittel des Landes in ihre Hände fallen. Die Regierung in Kabul beherrsche höchstens 70 Prozent des Landes.

Im September erzielten die Taliban mit der zeitweisen Einnahme von Kunduz, wo die Bundeswehr bis vor zwei Jahren einen großen Stützpunkt betrieb, den größten militärischen Erfolg seit ihrem Sturz 2001. Die Bundeswehr ist im Rahmen des Einsatzes "Resolute Support" mit etwa 900 Soldaten in Afghanistan und Usbekistan im Einsatz.

Mit dem Erstarken der Taliban hat nach Einschätzung der Vereinten Nationen die Zahl der getöteten Kinder sprunghaft zugenommen. Allein von Jänner bis März seien 161 Kinder bei Kämpfen umgekommen, die auch immer wieder in der Nähe von Schulen, Spielplätzen und in Wohngebieten ausgetragen werden. 449 Kinder seien verletzt worden, erklärte die Organisation weiter. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Zahl der Opfer damit um ein Drittel. (APA/Reuters, 17.4.2016)

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