"Boni für die Frauen sind eine halb spielerische Spiegelung"

Interview18. April 2016, 09:02
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Das merkwürdige Verhalten von gut situierten US-Großstädterinnen ist kein Niedergang des Feminismus, so die Soziologin Cheryl Benard

Ein Buch der Us-Sozialwissenschafterin Wednesday Martin ("Die Primaten von der Park Avenue", Berlin Verlag) sorgt für Diskussionen in den USA, denn die darin beschriebenen, gut ausgebildeten Luxus-Moms lassen sich für ihre Leistungen vom Gatten , die sehr oft hoch verdienende Fondsmanager sind, fürstlich bezahlen. Die Ehefrauen sehen Ihre Position als Ehefrau, Hausfrauen und Mutter-arbeiten wie eine Arbeit und bekommen einmal im Jahr einen Bonus – wenn der Job gut gemacht wurde. Dieses Interview über dieses Phänomen wurde mit der amerikanisch-österreichischen Sozialwissenschafterin Cheryl Benard via E-Mail geführt .

STANDARD: Warum verzichten gut ausgebildete Frauen auf eine eigene Karriere? Und sind nur Hausfrau und Mutter?

Benard: Nein, so kann man das in diesem Fall nicht beschreiben. Sie sind weder häuslich noch mütterlich und übersehen wohl die Tätigkeiten, die aber von Angestellten geleistet werden.

STANDARD: Aber selbst bei der karitativen Tätigkeit dieser Paare gibt es ein Wichtig und Weniger-wichtig. Und immer ist es die Frau, die die unwichtigere Rolle einnimmt.

Benard: Auch dem würde ich nicht zustimmen, dass die karitativen Positionen der Männer wichtiger sind als die der Frauen. Die Männer sitzen in irgendwelchen "Boards", die sich selten treffen und nicht wirklich viel machen, weil sie gar keine Zeit dafür haben. Die Frauen engagieren sich für medizinische Forschung wie Brustkrebs oder Autismus oder für Kunstanliegen, die ihnen wichtig sind. Damit will ich nicht gesagt haben, dass dieses Segment nicht eine extrem merkwürdige und für Außenstehende schwer nachvollziehbare Lebensweise pflegt. Der Turn-Wahn und die absurden Beträge, die für Kleidung und Accessoires ausgegeben werden, stimmen wie beschrieben. Diese "Subkultur" gibt es übrigens auch in anderen Städten, etwa Dallas oder Houston.

STANDARD: Ist das Phänomen nicht ein ziemlicher Rückschlag für den Feminismus?

Benard: Natürlich ist es eine irrsinnige Verschwendung, wenn Frauen ihre teure und langjährige Ausbildung dann überhaupt nicht einsetzen. Die Alternative wäre, dass beide Eltern einen Topjob haben und die Kinder nur ihre Nannys sehen – eine Situation, die in anderen Büchern ebenfalls als nicht erstrebenswert beschrieben und verspottet wird. Für den Feminismus sehe ich keine Konsequenzen, das ist eine exotische kleine Minderheit im selbstgewählten Luxus-Out.

STANDARD: Es sind vor allem die Bonuszahlungen, die in dem Buch beschrieben wurden, die aufregen. Geld stinkt nicht?

Benard: Man muss es im Gesamten sehen. Das Leben der dazugehörigen Männer ist alles andere als erstrebenswert. Ihre Arbeitszeiten sind nonstop, das Arbeitsklima ist giftig und hoch kompetitiv. Erfolg und Misserfolg sind stets auf des Messers Schneide. Die Aussicht auf Boni beherrscht das Leben der Männer, die Boni für die Frauen sind eine halb spielerische Spiegelung dessen.

STANDARD: Was passiert solchen Frauen bei Scheidungen?

Benard: Um sie muss man sich keine Sorgen machen. Da kommen ihnen Ausbildung und Netzwerke zugute, ein aggressiver Anwalt verhilft ihnen zu ihrem Anteil am Familienvermögen, und wenn der Mann auch das geteilte Sorgerecht bekommt, hat er ohnehin keine Zeit, es in Anspruch zu nehmen. Bedauern kann man die Kinder, die von der Wiege an in einer Welt von Angeberei und Leistungsstress leben. (Johanna Ruzicka, 18.4.2016)

Cheryl Benard ist amerikanisch-österreichische Sozialwissenschafterin und hat zusammen mit Edit Schlaffer unzählige populär-soziologische Bücher über Feminismus, Alltag und Männer geschrieben. Sie hat mehrere Jahre in Manhattan gelebt. In Wien war sie Forschungsleiterin eines Boltzmann-Instituts. Ihr Mann Zalmay Khalilzad war US-Botschafter bei den UN in New York. Die beiden haben zwei erwachsene Söhne. Das Interview wurde via E-Mail geführt.

  • Cheryl Benard: Minderheit im selbstgewählten Luxus-Out
    foto:apa / markus prantl

    Cheryl Benard: Minderheit im selbstgewählten Luxus-Out

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