SPÖ Burgenland feierte Doskozil, Hundstorfer und sich selbst

16. April 2016, 13:41
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Leitanträge zum Schutz des Arbeitsmarktes und zur Verstärkung von Grenze, Heer und Sicherheit angenommen

Raiding – Die Sonne strahlte übers mittlere Burgenland. Und fast so strahlten die pannonischen Genossen und Genossinnen in der Konzerthalle gleich neben dem Geburtshaus von Franz Liszt in Raiding. Man hat sich da am Samstagvormittag getroffen zum außerordentlichen Parteitag, auf dem man sich selbst feierte, einander auf die Schultern klopfte, Recht gab – versicherte, dass nicht nur draußen, im Frühlingsburgenland, alles eitel Wonne sei, sondern auch drinnen, im schönen Liszt-Zentrum. Keineswegs demnach so grauslich, wie zeitgleich in Wien.

Es lief alles ab in geordneter Harmonie. Selbst die kritische Wortmeldung der S-Jungen Pia Ebner zum und gegen den Leitantrag auf verstärkten Grenzschutz, Bundesheer und Polizei ("Die SPÖ erlebt gerade einen gefährlichen Absturz, sie ist kurz davor, am Boden zu zerschellen!") erhielt höflichen Applaus. Mehr nicht, weniger aber auch nicht, Parteichef Hans Niessl hat in seiner Rede ja extra gemahnt, im Hinblick auf die 2017 bevorstehenden Kommunalwahlen die Jugend zu hegen, "wir brauchen einen Generationenwechsel".

"Unser Burgenlandminister"

Erster Stargast des pannonischen Parteitages war "unser Burgenlandminister" (Niessl). Hans Peter Doskozil, der Verteidigungsminister, ja "Sicherheitsminister" (Niessl), hielt eine angemessen staatstragende, gewohnt unaufgeregte Rede. "Ich bin in Vertretung des Bundeskanzlers da", Werner Faymann habe zeitgleich auf dem Wiener SP-Parteitag Wichtiges vor sich. Dazu hier nur soviel: "Wir dürfen", sprach Doskozil ruhig, aber nicht beruhigend, "nicht zulassen, durch interne Diskussionen dazu beizutragen, nicht mehr mit an Bord zu sein in der Regierung." Da applaudierte der Saal – rund 600 flohen die pannonische Sonne, darunter 331 Delegierte – nicht bloß. Er nickte.

Hans Niessl lobte seinen einstigen Büroleiter als einen "hundertprozentigen Profi", der aber, und das sei das Burgenländische am Burgenlandminister "sein Ohr in Kroisegg" habe, während er selber, der Landeshauptmann, "in jedem Dorf, in dem ich bin, mir ein Achterl hol beim Dorfwirten". So wisse man im Burgenland stets, was wo wie geredet werde. Beispielsweise zur Registrierkassenverordnung, eine perfide Grauslichkeit des ÖVP-Finanzministers.

Kritik an ÖVP-Chef

Der burgenländische ÖVP-Chef und Eisenstädter Bürgermeister Thomas Steiner erhielt ebenfalls reichlich Raum in Raiding. Niessl arbeitete sich an diesem "ganz besonderen Exemplar" richtiggehend ab, der, während Eisenstadt sozusagen darbe, täglich zehn regierungskritische Presseaussendungen hinausschicke, die freilich bloß "von seiner eigenen Unfähigkeit ablenken" wollen. Nicht einmal einen Fußballverein gäbe es mehr.

Nach der Debatte um acht Leitanträge – der im Vorfeld durchaus umstrittene zum Schutz des Arbeitsmarktes wurde einstimmig angenommen, der zur Verstärkung von Grenze, Heer und Sicherheit mit fünf jugendlichen Gegenstimmen – zog dann der, den Niessl zuvor einen "guten Kandidaten" genannt hatte, in den Saal. Rudolf Hundstorfer erschien nicht zu Franz Liszt, das nicht, aber doch zu etwas fast Fetzigem.

Und als er dann anhob, über sich, seine sozialdemokratische Haltung, seine präsidiale Ambition zu sprechen, wurde es schnell mucksmäuschenstill. Selbst da, als er – wie Niessl über Steiner – seine Konkurrenten sprach und somit über Norbert Hofer, der ja "auch ein Burgenländer" sei, aber "das ist ja grundsätzlich nix Negatives".

"Steht auf für Rudi!"

Ja es schien, als habe er damit dem Parteitag etwas zum Nachdenken auf den Weg gegeben. So wie mit der Aussage: "Die Populisten tun sich leicht. Sie schielen auf die morgige Schlagzeile. Die Sozialdemokratie macht es sich da schwieriger."

Standing ovations. Und, eingespielt: "Steht auf für Rudi Hundstorfer!"

Draußen scheint die Sonne. So mancher hofft, sie möge am Abend auch über Mattersburg scheinen. Altach gastiert da im Pappelstadion. Und der Blick auf die Tabelle lehrt auch die Delegierten, dass es dort auch – oder eigentlich – ums Eingemachte gehen wird. (Wolfgang Weisgram, 16.4.2016)

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