Franz Wohlfahrts Absage an das Zaubern

17. April 2016, 13:59
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Der Sportdirektor der Wiener Austria macht eine schwierige Phase durch. Er wehrt sich vor dem Derby gegen die zu hohe Erwartungshaltung. Und fordert einen "sachlichen, zielorientierten Fußball"

Wien – Franz Wohlfahrt reagiert auf Fragen mitunter mit Gegenfragen. Das ist fraglos ein psychologischer Trick, eine Entwaffnung, eine Möglichkeit, die Situation der Austria zu beschreiben, zu analysieren. Der seit Jänner 2015 im Amt befindliche Sportdirektor wirkt dabei leicht gereizt, das mag an der medialen Darstellung, an der öffentlichen und veröffentlichten Meinung liegen.

Gut, die Fans seien unzufrieden, er und seine Ohren können und wollen nicht leugnen, "dass gepfiffen wird. Aber das hat mit der internen Wahrnehmung nur wenig zu tun. Für uns klaffen Anspruch und Wirklichkeit gar nicht so weit auseinander, Platz drei ist die interne Zielvorgabe. Allerdings ist mir bewusst, dass wir im Spiel zu viele Fehler machen. Trotzdem sind wir Dritter. Ein neues Trainerteam ist gekommen, die Mannschaft wurde neu zusammengestellt, das braucht Zeit. Was soll die Diskussion? Wir sind auf dem Weg, allerdings ist noch nichts erreicht."

Die Austria ist in einer nicht gerade beneidenswerten Lage. Trainer Thorsten Fink musste oder wollte in der Vorwoche nach dem 0:2 daheim gegen Grödig sagen, "dass man auf die Leistung der ersten 58 Minuten aufbauen kann". Er wirkte ein wenig ratlos, schließlich wurde er darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um ein Spiel gegen den souveränen Tabellenletzten gehandelt habe. Wohlfahrt verteidigt Fink. "Soll er lachen? Es geht ihm halt nahe, er ist mit der Situation unzufrieden. Es wurde auch gejammert, als wir eine Siegesserie hatten. Diese österreichische Tradition nervt ihn halt."

Zerstörte Illusionen

Der Sportdirektor fordert einen sachlichen Fußball. "Es ist völlig falsch, zaubern oder künsteln zu wollen. Zuerst gilt es die Ziele zu erreichen, dann kann man über das Zaubern nachdenken. Da werde ich laut. Man muss erst einmal absichern." Der 51-jährige Wohlfahrt zerstört Illusionen. "Dass die Austria geigt, wird nicht so schnell passieren. Es ist vielleicht nicht Austria-like, aber in der momentanen Phase geht es ausschließlich darum, zielorientiert zu sein." Er setze großes Vertauen in Fink und gehe davon aus, "dass er bleibt. Er hat einen Zweijahresvertrag mit Option ohne Ausstiegsklausel." Natürlich herrsche im Fußball der freie Markt. "Man weiß nie, was passiert. Aber es geht bei der Austria nie um einzelne Personen, alle sind austauschbar. Das große Ganze zählt."

Ex-Tormann Wohlfahrt selbst war Führungsspieler, das ist unbestritten, dieses Faktum führt zu keiner Gegenfrage. Ob die aktuelle Austria nicht Typen, also Leute, die in Notsituationen quasi die Beine unter die Arme nehmen, vermisst? "Seit es Fußball gibt, wird diese Frage gestellt. Das ist bei jeder Generation so. Wie soll ein 23-Jähriger schon Führungsspieler sein? Das dauert." Abgesehen davon habe die Austria ohnedies Teamtormann Robert Almer als Kapitän. "Der ist 31, sagt seine Meinung, rüttelt wach."

Kaderplanung

Da die Austria ein durchaus wesentlicher Bestandteil des österreichischen Fußballs ist, kann auch sie dem Zeitgeist nicht entrinnen. "Die Austria oder Rapid sind längst keine Traum- oder Zieladressen mehr. In der zweiten deutschen Liga wird das Dreifache bezahlt. Da können wir nicht mithalten, das werden wir nicht ändern. Salzburg ist von den finanziellen Möglichkeiten her die Ausnahme." Das Nationalteam ist längst eine Legionärsmannschaft geworden. Glauben junge Kicker mittlerweile, es nur im Ausland schaffen zu können? "Soll ich etwas gegen unser tolles Nationalteam sagen? Sicher nicht. Für mich zählt die Austria. Wir müssen das Beste daraus machen."

Wohlfahrt steckt mitten in der Kaderplanung, es werden vier Stellen gestrichen, das professionelle Personal wird von 28 auf 24 reduziert. "Da haben wir Freiraum für Neuverpflichtungen. Natürlich gibt es finanzielle Möglichkeiten, sie sind aber begrenzt. Zunächst einmal muss in dieser Saison die Arbeit erledigt, das Ziel erreicht werden." Prinzipiell wolle die Austria junge Spieler präsentieren und entwickeln.

Leichte Frustration

Am Sonntag ist im Happel-Stadion Derby gegen Rapid. Wohlfahrt stellt keine Gegenfrage. "Ein Match unter besonderen Voraussetzungen. Beide Teams sind leicht frustriert." Vielleicht könne es gerade deshalb "eine gute, sogar hochklassige Partie werden. Es gibt ausreichend Platz für Verbesserungen." Der Sieger werde jedenfalls ein wenig Ruhe haben. "Er kann einiges, nicht alles, aus der jüngsten Vergangenheit vergessen." Die Austria müsse sachlich und zielorientiert agieren. "Das Zaubern ist abgesagt." (Christian Hackl, 16.4.2016)

  • Der Kärntner Franz Wohlfahrt weiß natürlich, "dass spielerisch mehr möglich ist". Austrias Sportdirektor sieht sich trotzdem im Plan. Man ist Dritter in der Liga und steht im Halbfinale des Cups (am Mittwoch in und gegen Salzburg). "Wir wollen junge Spieler präsentieren und entwickeln."
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Der Kärntner Franz Wohlfahrt weiß natürlich, "dass spielerisch mehr möglich ist". Austrias Sportdirektor sieht sich trotzdem im Plan. Man ist Dritter in der Liga und steht im Halbfinale des Cups (am Mittwoch in und gegen Salzburg). "Wir wollen junge Spieler präsentieren und entwickeln."

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