"Dieselgate" setzt Absatz von Volkswagen zu

15. April 2016, 18:08
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Die Schuldfrage in Abgasaffäre bleibt ungeklärt, die Opposition will einen U-Ausschuss im Bundestag

Berlin – Der Abgasskandal bei Europas größtem Autobauer, Volkswagen, macht sich nun auch in Zahlen bemerkbar. Ein halbes Jahr nach Bekanntwerden der Manipulationen leidet vor allem die Kernmarke VW. Im ersten Quartal 2016 gingen die Verkäufe nach Angaben des Konzerns vom Freitag zurück. Es wurden 1,3 Prozent weniger Autos ausgeliefert als noch im Jahr zuvor. Schlecht verlief vor allem der März, da musste man in Wolfsburg ein Minus von 2,7 Prozent verzeichnen.

Besonders bescheiden liefen die Geschäfte in den USA (minus 12,5 Prozent), wo die Affäre aufgedeckt wurde, in Südamerika (minus 31,3 Prozent) und in Russland (minus 12,5 Prozent). In Deutschland selbst gibt es einen Rückgang von 3,8 Prozent. Damit sind die Zahlen für VW deutlich schlechter als für andere Hersteller. Aufgefangen werden die Rückgänge durch das Geschäft mit China. Dort konnte VW 6,5 Prozent mehr Autos verkaufen.

Frage der Verantwortung

Auch jenseits der Verkaufszahlen gibt es keinen Grund zum Aufatmen. Laut Deutscher Presse Agentur gibt es konzernintern noch keine Antwort auf die Frage, wer denn nun die Verantwortung für die manipulierte Software in elf Millionen Dieselfahrzeugen trage.

Die vom VW-Aufsichtsrat beauftragte US-Kanzlei Jones Day hat bei ihren Ermittlungen bisher nicht vollständig klären können, wie es zum Einsatz des Betrugsprogramms kam. Der Verstoß lässt sich derzeit nur auf Abteilungen und verschiedene Personen eingrenzen, nicht aber in der Kette der Geschehnisse restlos rekonstruieren. Ausschließen kann Jones Day bisher nur eine Mitschuld des Vorstands um den Ex-Vorsitzenden Martin Winterkorn.

Fehler oder Anweisung

Unklar bleibe jedoch, ob einzelne Entwickler bei VW aus eigenem Antrieb heraus manipulierten oder ob sie doch direkte Anweisungen "von oben" bekamen. Der ursprünglich für 10. April angekündigte Zwischenbericht der Kanzlei liegt noch nicht vor.

Ungeduldig wird daher die Kanzlei des US-Staranwalts Michael Hausfeld, die zahlreiche Kunden von VW vertritt. Sie hat laut Süddeutscher Zeitung in einem 24-seitigen Papier beim zuständigen Bezirksgericht in San Francisco Akteneinsicht für europäische VW-Kunden beantragt, da VW eine freiwillige Herausgabe verweigert. Hausfeld, der auch schon gegen die Zigarettenindustrie und Ölkonzerne kämpfte, sagt: "Wir hatten viele verschlossene Gegner. Aber keiner war jemals so arrogant."

Druck aus der Politik

Auch aus der Politik bekommt VW Druck. Noch im April wollen die Oppositionsfraktionen im Deutschen Bundestag – Grüne und Linke – einen Untersuchungsausschuss einberufen. Dieser soll sich auf die Rolle des deutschen Verkehrsministers Alexander Dobrindt (CSU) konzentrieren, aber auch frühere Verkehrsminister befragen.

"Es muss aufgeklärt werden: Was hat die Bundesregierung gewusst, was hat sie getan, was hat sie nicht getan, welche Kumpelei und Mauschelei ist da zustande gekommen?", sagt der grüne Fraktionschef Anton Hofreiter. Geklärt werden müsse auch, warum US-Behörden aktiv wurden, deutsche hingegen nicht. (bau, 16.4.2016)

  • Bei Volkswagen, dessen Logo ein Autobesitzer im deutschen Hanau kreativ ausgeschmückt hat, wirkt sich der Abgasskandal negativ auf den Absatz aus.
    foto: kai pfaffenbach

    Bei Volkswagen, dessen Logo ein Autobesitzer im deutschen Hanau kreativ ausgeschmückt hat, wirkt sich der Abgasskandal negativ auf den Absatz aus.

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