Erinnerung an 1931

Einserkastl15. April 2016, 17:56
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Mitglieder der rechtsextremen Gruppe "Die Identitären" stürmten eine Theateraufführung im Audimax

"Rechtsextreme Aktivisten stürmten eine Theateraufführung im Audimax der Universität Wien, schleuderten rechtsextreme Flugblätter ins Publikum, brüllten Parolen, verspritzten Kunstblut und fügten einigen Zuschauern Verletzungen zu."

Eine Meldung aus dem Wien des Jahres 1931? Könnte gut sein. In den frühen Dreißigerjahren gab es an den Universitäten wüste Ausschreitungen von nazistischen Studenten, vor allem gegen jüdische Kommilitonen. Es gab Verletzte und Schwerverletzte.

Aber wir schreiben April 2016. Rund 30 Mitglieder der rechtsextremen Gruppe "Die Identitären" stürmten die Bühne im Audimax bei einer Aufführung des Stücks Die Schutzbefohlenen von Elfriede Jelinek. Die Methode und die Sprache sind klassisch Dreißigerjahre-rechtsextrem: "Ihr hasst eure eigene Herkunft und euer eigenes Volk. Ihr seid erbärmliche Schwächlinge voller Neurosen und Komplexe." Und gleich eine Drohung dazu: "Es gibt in Österreich kein 'sicheres Hinterland' für Antidemokraten, Heimathasser und Multikulti ... Eure Dekadenz hat uns an den Rand des Untergangs gebracht. Jetzt sind wir an der Reihe! Wir sind die Vergessenen, die Jugend ohne Migrationshintergrund." Ebenfalls klassisch: Täter ("Wir sind an der Reihe"), die sich als Opfer ("die Vergessenen") aufspielen.

Einige Verdächtige sind schon bekannt. Die Geisteshaltung ist mehr als bekannt. (Hans Rauscher, 15.4.2016)

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