Freigänger soll junge Frau in Niedersachsen getötet haben

15. April 2016, 16:54
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23-Jährige lag tot in Waldstück – Verdächtiger sieben Monate nach Leichenfund festgenommen

Hannover/Verden – Rund sieben Monate nach dem Fund einer gewaltsam getöteten jungen Frau in Niedersachsen haben Ermittler einen zur Tatzeit wegen Vergewaltigung im Maßregelvollzug einsitzenden Mann mit Freigangsberechtigung als Verdächtigen identifiziert. Der 48-Jährige sei am Donnerstag wegen Totschlagsverdachts festgenommen worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag in Hannover mit.

Der Verdacht ergebe sich aus der Auswertung von Spuren, erklärte die Staatsanwaltschaft. Nähere Angaben dazu würden aus Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht gemacht.

"Sind sehr betroffen"

Landessozialministerin Cornelia Rundt (SPD) erklärte im niedersächsischen Landtag, der Verdächtige sei im Jänner 2013 wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung vor dem Hintergrund einer Alkoholabhängigkeit im Maßregelvollzugszentrum in Bad Rehburg aufgenommen worden. Nach positiven Beurteilungen durch interne und externe Experten seien für ihn ab Ende 2014 schrittweise "unbegleitete Lockerungen" eingeführt worden. "Wir alle in der Landesregierung sind sehr betroffen".

Die 23-Jährige aus Bad Rehburg war im September 2015 von ihrer Familie als vermisst gemeldet worden, einige Tage später wurde sie tot in einem Waldstück bei Loccum gefunden. Die Polizei nahm daraufhin Ermittlungen wegen eines Tötungsdelikts auf.

Noch keine Einzelheiten bekannt

Einzelheiten zum Tathergang, zu den Ermittlungen und zur Person des Verdächtigen teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag nicht mit. "Ermittlungstaktische Gründe" ließen dies nicht zu. Die Behörde teilte lediglich mit, dass parallel zur Festnahme des Beschuldigten durch Beamte der Mordkommission auch Räume im Maßregelvollzugszentrum durchsucht worden seien.

Ein Maßregelvollzugszentrum ist eine spezielle Fachklinik, in der psychisch kranke oder süchtige Straftäter behandelt werden, die zum Tatzeitpunkt nach gerichtlicher Auffassung nicht oder nur vermindert schuldfähig waren und deshalb nicht ins Gefängnis geschickt werden können. Rundt betonte, nach Angaben der Klinik habe der Verdächtige während seiner Unterbringung keine Regelverstöße begangen und sei in der Therapie unauffällig geblieben.

Der Mann durfte sich demnach seit 2013 in Begleitung außerhalb der Klinik bewegen, 2014 empfahlen sowohl Mitarbeiter der Einrichtung als auch externe Experten "unbegleitete Lockerungen". Die für die Strafvollstreckung zuständige Staatsanwaltschaft genehmigte dies. (APA, 15.4.2016)

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