Von Bayern nach Österreich: Salzburg feiert 200-jähriges Jubiliäum

15. April 2016, 15:35
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Bundesland feierte Zugehörigkeit zu Österreich. Der damalige Bedeutungsverlust habe zu einem neuen Salzburger Landesbewusstsein geführt, sagt Haslauer

Salzburg – Mit einem Festakt in der Salzburger Residenz hat am Donnerstagabend das offizielle Salzburg das Jubiläum der 200-jährigen Zugehörigkeit zu Österreich gefeiert. Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) konnte neben Bundespräsident Heinz Fischer auch Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, Mitglieder der Bundesregierung, die bayerische Staatsministerin Beate Merk und mehrere Landeshauptleute begrüßen.

"Vielleicht gibt dieses Jubiläum Anlass, auch mehr über das Gemeinsame zu sprechen und nicht über das Trennende", meinten sowohl der Bundespräsident als auch Haslauer in ihren Reden. Die Wiener und die Salzburger unterscheide so manches, aber alle seien Österreicher und in gleicher Weise Europäer, sagte Fischer.

Münchner Vertrag

Am 14. April 1816 war der Münchner Vertrag zwischen dem Kaisertum Österreich und dem Königreich Bayern unterschrieben worden, in dem das damals unter bayerischer Herrschaft stehende Land Salzburg an das Kaisertum Österreich übertragen wurde. Der Bedeutungsverlust Salzburgs in wirtschaftlicher, kultureller, gesellschaftlicher und politischer Hinsicht sei mit der Relegation von der Champions League in die Landesliga vergleichbar, erklärte Haslauer. Doch dieser Bedeutungsverlust habe damals zu einem neuen Salzburger Landesbewusstsein geführt. Das Jubiläum sei eine gute Gelegenheit darauf hinzuweisen, "dass diese gar nicht so kleine Republik im Herzen Europas aus der Buntheit ihrer neun Bundesländer besteht."

Als "Salzburger Lokalpatriot" outete sich Sven-Eric Bechtolf, der aus Darmstadt stammender künstlerischer Leiter der Salzburger Festspiele, in seiner Festrede. Heimat sei der seltsame Versuch, das Andere zu erfassen, indem man es exkludiert, meinte Bechtolf. Er ging auch der Frage nach, wie sich Geschichte konkretisiere und wie sie interpretiert werde. Heimat sei in Verruf geraten, aber ihre Wirksamkeit mache sie faktisch. "Es ist der Ort, den wir gestalten und der uns gestaltet hat", erklärte der Künstler: "Treten wir über die Schwelle der Heimat hinaus, an die wir uns klammern und von der wir uns abstoßen, kümmert das die Welt wenig. Tritt aber die Welt zu uns ein, ängstigt sie uns meist."

"Vom Nationalismus geheilt"

Salzburg gehöre zu Österreich, wider alle historische Wahrscheinlichkeit sei es dabei geblieben. "Vom Nationalismus geheilt, fühlen wir uns nicht nur unserem Heimatland, sondern zugleich auch Europa zugehörig", sagte Bechtolf. Als Mitteleuropäer gehörten "wir Heutigen" zu den privilegiertesten Menschen, die jemals auf diesem Planeten gelebt haben.

"Wir alle wissen, dass wir durch das globale Gefälle zwischen Arm und Reich, durch religiösen Fanatismus, Klimawandel und Raubbau an den Ressourcen unserer Erde, von der Geschichte wenigstens wieder erfasst wurden und dass wir sie, trotz aller Zweifel an unseren Fähigkeiten, gestalten müssen und werden, ob wir wollen oder nicht." Die Menschen, die in Europa so begünstigt leben dürfen, hätten die besten Voraussetzungen dafür. (APA, 15.4.2016)

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