Harmonische Verbundenheit in neuem Rahmen

16. April 2016, 06:00
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Die Matineen der Wiener Symphoniker werden in der Saison 2016/17 von Barbara Rett präsentiert, und die Festkonzerte des Orchesters werden in einem neuen Abonnementzyklus zusammengefasst

Wien – Leben ist Wandel: Dieses Gesetz der Natur erfährt jeder Mensch zuerst lust- und später leidvoll am eigenen Leibe. Und auch für eherne Institutionen gilt: Nur wer neugierig bleibt, wer sich dem Lauf der Zeit anpasst, bleibt bestehen. Und so bemühen sich auch das Wiener Konzerthaus und die Wiener Symphoniker, ihrer seit Gründungstagen verbundenen Geschichte stets neue Kapitel hinzuzufügen. Vor zwei Jahren wurde etwa der lockere Zyklus "Fridays@7" ins Leben gerufen.

Und auch für 2016/17 haben sich die Kooperationspartner einige Novitäten überlegt, so etwa bei den Matineen der Symphoniker. Diese Wochenendkonzerte im Großen Saal – es sind sechs an der Zahl – werden von Barbara Rett präsentiert. Mit der ihr eigenen Mischung aus Esprit und Eleganz wird die Kulturlady mit Infohäppchen für einen erhellenden Einstieg in die unterschiedlichen Konzertprogramme sorgen.

Und diese unterhalten und bereichern wie immer mit Orchesterliteratur von der Barockzeit bis zur Gegenwart, mit geistlicher Musik, mit großen romantischen Symphonien und virtuosen Solistenkonzerten. Im ersten Konzert ist etwa Pianist Nikolai Lugansky mit Prokofiews populärem 3. Klavierkonzert zu erleben. Romantikgenuss par excellence bietet dann Dvoráks 9. Symphonie (Dirigent ist Jirí Belohlávek, 9. 10.)

Einen Bogen zwischen Wien und den USA schlägt das zweite Konzert unter der Leitung von Lahav Shani; neben Schuberts Achter wird Aaron Coplands Klarinettenkonzert zu hören sein, mit keiner Geringeren als Sabine Meyer als Solistin (20. 11.). Ebenfalls eine große zeitliche Spannweite bietet die dritte Matinee: Vor Bruckners 4. Symphonie erklingt die Uraufführung eines Werks für Viola und Orchesters von Michael Jarrell. Tabea Zimmermann ist Solistin, Ingo Metzmacher, Spezialist für Gegenwartsnahes, leitet die Unternehmung (11. 12.).

Zwei Revolutionen

Als womöglich spannendstes Konzerterlebnis der Serie könnte sich das erste Konzert im neuen Jahr herausstellen, wenn die zwei Musikrevolutionäre, die Geigerin Patricia Kopatchinskaja und der Dirigent Teodor Currentzis, Tschaikowskys Violinkonzert interpretieren (22. 1. 2017). Mit zwei geistlichen Werken unterschiedlichen Gehalts wird der Zyklus beschlossen: Erst dirigiert Symphonikerchef Philippe Jordan Bachs Johannespassion (5. 3. 2017), im Juni ist Rudolf Buchbinder u. a. als Dirigent und Solist von Beethovens Chorfantasie zu erleben (3. 6. 2017).

Für das jüngere und jugendliche Publikum bietet man für die ersten vier Konzerte der Symphoniker-Matineen erstmals zusätzlich eine altersadäquate Werkeinführung an: "Vorhören! Symphonie – wie geht das?" Zeitgleich mit dem ersten Konzertteil werden im Wotruba-Salon und im Mozart-Saal die in der zweiten Programmhälfte präsentierten Werke auf abwechslungsreiche Art aufbereitet (empfohlen ab 12 Jahren). Und wer einer kulinarischen Vorbereitung zu den Matineen bedarf, kann sich bei einem Frühstück im Restaurant Weinzirl für Bevorstehendes stärken.

Eine Neuerung gibt es auch bezüglich der Festkonzerte der Symphoniker zu vermelden: Diese werden erstmals in einem eigenen Abonnementzyklus angeboten. Die österreichische Nation, Weihnachten, der Frühling: Dies alles und mehr will klingend gefeiert werden, und hierfür bieten die Konzerte der Symphoniker ein abwechslungsreiches Programm.

Amerikaner in Wien

Zum Nationalfeiertag wird Robin Ticciati, der feinfühlige Lyriker unter den Dirigenten, Bruckners sechste, seine "keckste" Symphonie interpretieren; Weltklassegeiger Renaud Capucon wird zuvor als Solist bei Bruchs Violinkonzert zu erleben sein (25. 10.). Der Chefdirigent der Symphoniker leitet dann das Weihnachtskonzert: Jordan wird ungewöhnlicherweise den 2. Akt aus Tschaikowskys Nussknacker-Ballett leiten – ein Werk, das er als Musikdirektor der Pariser Oper sicher gut kennt. Yefim Bronfman, der souveräne Spezialist für die XL-Klavierkonzerte der Spätromantik, wird mit Tschaikowskys 2. Klavierkonzert in G-Dur zu erleben sein (20. 12.).

Zwei Amerikaner in Wien: So ließe sich das Programm zum Frühlingskonzert der Symphoniker zusammenfassen. Es wird erneut von Philippe Jordan geleitet, der gebürtige Schweizer und sein Orchester werden mit Werken von Bernstein und Gershwin unterhalten. Jean-Yves Thibaudet wird den Solopart von dessen Konzert für Klavier und Orchester in F-Dur interpretieren (15. 4. 2017).

Ein ungewöhnlicher Ausklang durchs letzte Konzert: Unter dem Motto "Nachtmusik" wird Paavo Järvi Mahlers 7. Symphonie präsentieren. Gitarren- und Mandolinenklänge, Celloweisen und Hornserenaden evozieren nächtliche "Wunderhorn"-Welten. Den Mahler-Fan Adorno brachte dessen Siebte "in Verlegenheit", Berg hingegen liebte die beiden Nachtmusiken, also den 2. und den 4. Satz. Bleibt nur zu wünschen, dass auch die Aufführung von Järvi und den Symphonikern (23. 5. 2017) eine traumhafte werden wird. (Stefan Ender, Spezial, 16.4.2016)


Spezial Konzerthaus ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit dem Wiener Konzerthaus. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • TV-Moderatorin Barbara Rett erleichtert erklärend den Zugang zum symphonischen Repertoire.
    foto: ernst kainerstorfer

    TV-Moderatorin Barbara Rett erleichtert erklärend den Zugang zum symphonischen Repertoire.

  • Der Chefdirigent der Wiener Symphoniker, Philippe Jordan, garantiert höchsten  Musikgenuss.
    foto: jean-francois leclercq

    Der Chefdirigent der Wiener Symphoniker, Philippe Jordan, garantiert höchsten Musikgenuss.

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