Kampagnen für und gegen Brexit offiziell gestartet

15. April 2016, 15:26
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Anhänger und Gegner der EU derzeit laut Umfragen gleichauf

London – Zehn Wochen vor dem Referendum in Großbritannien haben EU-Anhänger und Brexit-Befürworter ihre offiziellen Kampagnen gestartet. "Wir sind von unserem Sieg überzeugt", sagte ein Sprecher der nationalistischen UKIP-Partei am Freitag. Ex-Finanzminister Alistair Darling warf den EU-Gegnern ein "Spiel mit dem Feuer" vor. Laut Umfragen steht der Ausgang auf Messers Schneide.

Der konservative Premier David Cameron hatte den Briten das Referendum am 23. Juni versprochen – in der Hoffnung, so die EU-Skeptiker in den Reihen seiner Tories zum Schweigen zu bringen. Ein Sieg des Brexit-Lagers könnte ihn das Amt kosten sowie die Insel und die EU in große Unsicherheit stürzen, lauten die Befürchtungen in Brüssel und beim Internationalen Währungsfonds (IWF).

Zuletzt Rückschläge für die Pro-EU-Kampagne

Cameron selbst meint, das Königreich werde in der EU stärker und reicher sein als außerhalb: "Britain Stronger In Europe" heißt sein Motto. Er hatte der EU eine "Reform" abgerungen, die den britischen Sonderstatus vergrößert. Doch musste er auch Rückschläge hinnehmen, wie den Triumph bei einem nicht bindenden Anti-EU-Referendum vergangene Woche in den Niederlanden.

Londons populärer Bürgermeister Boris Johnson hat sich auf die Seite des Brexit-Lagers geschlagen, das sich auf den Slogan "Vote Leave" (Wähle Verlassen) einigte. Er wollte am Freitag und Samstag bei zahlreichen Veranstaltungen für den EU-Ausstieg werben. Das Referendum sei, "als hätte ein Gefängnisaufseher aus Versehen die Tür offen gelassen, und die Menschen erblicken draußen das Land im Sonnenlicht", sagte er.

"Im besten Interesse des Volkes"

Oppositionsführer und Labour-Chef Jeremy Corbyn hatte sich erst am Donnerstag offen für den EU-Verbleib ausgesprochen, weil dies "im besten Interesse des Volkes dieses Landes" wäre. 1975 hatte er beim Referendum über den Beitritt Großbritanniens zur damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) mit Nein gestimmt. Er habe seine Meinung zu Europa geändert, weil die EU Jobs geschaffen habe und Schutz für "Arbeiter, Konsumenten und die Umwelt" biete, sagt er nun.

Die Labour-Unterstützung könnte für das Ja-Lager entscheidend werden, da am Abstimmungstag mit einer höheren Mobilisierung der EU-Gegner zu rechnen sei, vermuten Umfrageinstitute. Derzeit liegen dem Projekt What UK Thinks zufolge beide Lager bei rund 50 Prozent.

Während EU-Spitzenvertreter aus Brüssel vor Kampagnen-Auftritten auf der Insel zurückschrecken, will US-Präsident Barack Obama nächste Woche in London offensiv für den EU-Verbleib werben. Obama werde ganz offen und klar sagen, warum er glaube, dass das für Großbritannien gut wäre, kündigte sein Berater Ben Rhodes an. (APA, 15.4.2016)

  • Der frühere Labour-Finanzminister Alistair Darling will die Wähler zu Pro-EU-Stimmen inspirieren.
    foto: apa / afp / adrian dennis

    Der frühere Labour-Finanzminister Alistair Darling will die Wähler zu Pro-EU-Stimmen inspirieren.

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