Papst Franziskus besucht Flüchtlinge auf Lesbos

16. April 2016, 09:00
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Der Pontifex reist am Samstag auf die griechische Insel und protestiert einmal mehr gegen mangelnde Solidarität

Die Pläne für seinen am heutigen Samstag stattfindenden Besuch der Insel Lesbos sind vom Vatikan erst Mitte vergangener Woche bekanntgegeben worden – so kurzfristig hat selbst der für seine Spontanität bekannte Papst Franziskus noch nie eine Reise angekündigt. Die Eile belegt, wie besorgt der Pontifex über die gegenwärtige Entwicklung in der europäischen Flüchtlingspolitik und insbesondere über die Schließung der Balkanroute sowie das EU-Türkei-Abkommen ist.

Er wolle den Flüchtlingen und Bewohnern von Lesbos "Nähe und Solidarität" vermitteln, erklärte Franziskus anlässlich einer Generalaudienz auf dem Petersplatz vor zehntausenden Gläubigen. Das griechische Volk habe sich sehr großzügig bei der Aufnahme von Hilfesuchenden verhalten.

EU-Türkei-Deal "kurzsichtig und zynisch"

Von der EU hätten der Papst und der Vatikan hingegen deutlich mehr erwartet. Der Kurienkardinal und Präsident des päpstlichen Flüchtlingsrates, Antonio Mario Veglio, erklärte der Vatikanzeitung L'Osservatore Romano, mit dem Flüchtlingsabkommen zwischen Brüssel und Ankara würden die Menschenrechte der Flüchtlinge verletzt. Die Vereinbarung sei "kurzsichtig und zynisch", bei den Flüchtlingen handle es sich schließlich um Menschen, nicht um Waren.

Scharf ins Gericht mit der aktuellen EU-Flüchtlingspolitik ging bereits vor Wochen auch der vatikanische Staatssekretär Pietro Parolin: "Wir sollten uns dafür schämen, die Türen zu schließen – als ob das in unserem Europa mühevoll erkämpfte humanitäre Recht keinen Platz mehr hätte", sagte er angesichts der Zustände in Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze.

Unter Franziskus, dem Sohn eines italienischen Auswanderers, ist das Schicksal der Flüchtlinge im Vatikan zu einem beherrschenden Thema geworden. Die Reise nach Lesbos ist bloß eine weitere Etappe in einer Reihe von zahlreichen anderen, oft spektakulären Besuchen und Auftritten, die der Papst in den drei Jahren seit seiner Wahl absolviert hat.

Erste Reise nach Lampedusa

Bereits seine erste Reise über die vatikanischen Mauern hinaus hatte Franziskus im Juli 2013 auf die italienische Insel Lampedusa geführt, dort, wo ebenfalls tausende Flüchtlinge angekommen waren. Dabei hatte er die "Kultur des Wohlergehens" gegeißelt, welche die Menschen taub gemacht habe für die Schreie der anderen. "Wir haben uns an das Leid der anderen gewöhnt, es geht uns nichts an, es interessiert uns nicht", rief der Papst. Die globalisierte Welt sei in eine "globalisierte Gleichgültigkeit" verfallen.

Später besuchte der argentinische Papst Migranten an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, ein Flüchtlingslager in einem Elendsviertel von Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik sowie zuletzt, am Gründonnerstag, ein Aufnahmezentrum nördlich von Rom, wo er zwölf Flüchtlingen unterschiedlicher Konfessionen die Füße wusch.

Seine Botschaft war dabei stets dieselbe: "Die Flüchtlinge sind Menschen wie wir, sie sind unsere hungernden und verfolgten Brüder." Das erklärte er schon vor einem Jahr, nachdem beim Untergang eines Flüchtlingsbootes im Mittelmeer über 700 Menschen umgekommen waren. Franziskus fordert von den reichen Ländern Mitgefühl und Respekt für "diejenigen, die unsere Hilfe am nötigsten haben". Und er erinnert daran, dass die Hilfe für die Schwächsten eine Christenpflicht sei.

Auf Lesbos befanden sich am Freitag 4142 Flüchtlinge, die von der Türkei in Booten übergesetzt und nun unter prekären Umständen untergebracht sind. Die Aufnahmekapazität des dortigen Internierungszentrums beträgt 3500 Menschen. In den vergangenen Wochen sind die ersten Flüchtlinge von Lesbos in die Türkei zurückgebracht worden, dem EU-Türkei-Abkommen entsprechend.

Tsipras empfängt den Papst

Die griechische Regierung, die sich von der EU wegen der Schließung der Balkanroute im Stich gelassen fühlt, hat sich bei Papst Franziskus bereits für seine Reisepläne bedankt. Bei seinem Besuch auf Lesbos wird der Pontifex vom griechischen Premier Alexis Tsipras empfangen. Aus Istanbul anreisen wird außerdem das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomäus I. Der Vatikan betonte aus diesem Grund auch den ökumenischen Charakter der Reise. (Dominik Straub aus Rom, 16.4.2016)

  • Papst Franziskus und Patriarch Bartholomäus I. im November 2014 bei einem Treffen in Istanbul. Auf der griechischen Insel Lesbos werden sie sich am heutigen Samstag wiedersehen.
    foto: ap / gregorio borgia

    Papst Franziskus und Patriarch Bartholomäus I. im November 2014 bei einem Treffen in Istanbul. Auf der griechischen Insel Lesbos werden sie sich am heutigen Samstag wiedersehen.

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