Österreichs erstes Passivhaus wird 20

19. April 2016, 09:00
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Es wohne sich immer noch gut in dem Haus am Sonnenhang im Walgau, sagt sein Besitzer Martin Caldonazzi

Das Caldohaus liegt mitten in der Natur. Von seiner Hanglage auf 750 Meter Seehöhe in der Bergparzelle Amerlügen sieht man über den Walgau, das Tal zwischen Feldkirch und Bludenz. Sonnenverwöhnt seien die Walgauer, sagen die Rheintaler oft neidisch, eine ideale Lage für das erste österreichische Passivhaus.

Martin Caldonazzi, Grafiker und Maler, wollte ein Haus in der Natur, eines, das Wohnen und Arbeiten unter einem Dach ermöglicht, flexibel nutzbar und durch teilweise Barrierefreiheit auch fürs Alter geeignet ist. Mit seinem Bruder Richard als Planer beschloss er, ein Passivhaus zu bauen, ein Haus aus Ziegeln und Holz, das ohne viel technischen Aufwand die Energie der Sonne nutzt.

Mechanisches Lüftungssystem

"Ich würde heute nichts anders machen", sagt Martin Caldonazzi zwei Jahrzehnte später. Die Haustechnik funktioniere so gut wie vor 20 Jahren. Trotz steter Weiterentwicklung der kontrollierten Be- und Entlüftung bewähre sich die Anlage, ein Prototyp, noch immer. "Ich würde ein Haus auch heute nicht übertechnisieren", sagt Caldonazzi. "So etwas wie handygesteuerte Jalousien, das wäre nichts für mich. Ich bin nicht technikverliebt." Für ein Passivhaus habe er sich, "ein phlegmatischer Hausbewohner", auch entschieden, weil er sich nicht um das Heizen, den Holz- oder Ölnachschub, kümmern möchte.

Geheizt werden Haus und Atelier, zusammen 180 Quadratmeter Nutzfläche, durch die Sonne. Bei der Nutzung der Sonnenergie helfen ein mechanisches Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung und Erdwärmetauscher. Warmwasser wird über Sonnenkollektoren erzeugt.

Die südseitige Verglasung lässt das Sonnenlicht ein, Lehmwände speichern, eine 35 Zentimeter starke Korkdämmung verhindert den Wärmeverlust.

Nutzung mit Hausverstand

Die Raumtemperatur liegt um die 23 Grad, auch im Schlafzimmer. Caldonazzi: "Nicht die Temperatur ist in einem Schlafzimmer das Problem, sondern die mangelnde Frischluft. In einem Passivhaus herrscht steter Luftaustausch, das macht das Raumklima so angenehm."

Wird es an düsteren, kalten Wintertagen doch kühler, schaltet der Hausherr die Notheizung, einen simplen Heizlüfter, ein. Die elektrische Zusatzheizung koste ihn maximal 150 Euro pro Jahr. "Für die ersparten Heizkosten mache ich einen schönen Urlaub", freut sich Caldonazzi.

Ein Streitthema bei der Nutzung von Passivtechnologie ist das Lüften. Wie hält es Martin Caldonazzi mit dem Lüften? "Selbstverständlich lüfte ich nach Lust und Laune. Ich lasse mir von keinem Techniker vorschreiben, wie ich lüften soll." Er bedürfe keiner technokratischen Regeln, es reiche auch der Hausverstand, sagt der Passivhausbewohner nach 20 Jahren Erfahrung.

Günstige Bauweise

Ein weiteres Argument gegen Passivbauweise, hohe Kosten, widerlegt Caldonazzi: "Wir haben kostengünstig gebaut, mit 19.500 Schilling pro Quadratmeter lagen wir unter den üblichen Baukosten."

Einen Tipp möchte der Passivhauspionier künftigen Bauleuten geben: "Man muss die richtigen Planer und Handwerker finden. Die Bauweise verlangt viel technisches Know-how. Wenn da das bauphysikalische Wissen nicht vorhanden ist, gibt's Probleme."

In Österreich stehen aktuell 745 Passivhäuser, 120 davon in Vorarlberg. (Jutta Berger, 19.4.2016)

  • Wohnen mit und in der Natur wollte der Grafiker Martin Caldonazzi und ließ sich von seinem Bruder Richard 1996 ein Passivhaus bauen.  Dem Caldohaus sieht man die 20 Jahre nicht an.
    foto: caldonazzi

    Wohnen mit und in der Natur wollte der Grafiker Martin Caldonazzi und ließ sich von seinem Bruder Richard 1996 ein Passivhaus bauen. Dem Caldohaus sieht man die 20 Jahre nicht an.

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