Königskrise im Südpazifik

15. April 2016, 18:46
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Zwei Tage vor der geplanten Inthronisierung eines neuen Königs besetzten Demonstranten dessen Palast auf der Insel Wallis. Sie fühlten sich bei der Königswahl übergangen

Stundenlang hielten am Donnerstag dutzende Demonstranten den Palast in der Hauptstadt der Insel Wallis, Mata-Utu, besetzt, um gegen die für Samstag geplante Inthronisierung von Tominiko Halagahu (57) zu demonstrieren.

Das Königreich Uvea auf der Insel Wallis ist keine Erbmonarchie, sondern der König wird traditionell von verschiedenen Adelsfamilien gewählt. Dass Halagahu König werden soll, wurde vergangene Woche aber von Klanführern verkündet. Das wollten sich einige Adelsfamilien nicht gefallen lassen: Es sei ihre Aufgabe, den König zu wählen. Die Klanführer sollen bloß die Zeremonie organisieren.

Wallis gehört seit 1959 zum französischen Überseegebiet Wallis und Futuna, das aus zwei Inselgruppen besteht und etwa 10.000 Bewohner zählt. Seit 1842 waren die Inseln französisches Protektorat bzw. ab 1887 Teil der französischen Kolonie Neukaledonien. Frankreich hat das bestehende Königtum immer anerkannt. Ein französischer Abgesandte auf Wallis hält sich in Bezug auf die Königswahl zurück.

Schwierige Königswahl

Den aktuellen Spannungen geht ein langjähriger Machtkampf um den Thron voraus, der durch den Tod des Langzeitkönigs Tomasi Kulimoetoke 2007 ausgelöst wurde. Der ehemalige Schweinebauer Kulimoetoke regierte seit 1959, geriet in den letzten Jahren seiner autoritären Herrschaft aber vermehrt in Kritik: 2002 ließ Kulimoetoke die einzige Zeitungsredaktion des Landes schließen, weil über ihn kritisch berichtet wurde.

Er wollte auch seinen Enkel schützen, der alkoholisiert einen Autounfall ausgelöst und dabei eine Personen getötet hatte. Erst die Intervention Frankreichs brachte den Enkel vor Gericht. 2005 kam es schließlich zu Protesten gegen Kulimoetoke, die aber zu keinem Machtwechsel führten.

Nach seinem Tod wurde 2008 ein neuer König inthronisiert, der sich gegen einige Klanführer aber nicht durchsetzen konnte. 2014 stürzten sie ihn. Seitdem ist der Thron vakant.

Die Klanführer unter der Führung von Pasilite Hensen behielten auch bei der aktuellen Königswahl die Zügel in der Hand. In einem mehrstündigen Gespräch wurde "ihr" Kandidat Halagahu bestätigt. Der Wunsch, sozialen Frieden herzustellen, habe Differenzen beseitigt, gaben beide Seiten am Freitag bekannt.

Die Inthronisierung sollte am Samstag stattfinden. Laut einem Bericht von FranceTV wurde Halagahu bereits Freitagnachmittag hinter verschlossenen Türen zum König ernannt. (saw, 15.4.2016)

  • Der französische Präsident François Hollande besuchte Wallis und Futuna im Februar 2016.
    foto: afp/stephane de sakutin

    Der französische Präsident François Hollande besuchte Wallis und Futuna im Februar 2016.

  • Hollande nahm bei seinem zweitägigen Besuch an mehreren Zeremonien teil.
    foto: afp/stephane de sakutin

    Hollande nahm bei seinem zweitägigen Besuch an mehreren Zeremonien teil.

  • Ein Mann führt einen traditionellen Tanz zu Ehren Hollandes auf.
    foto: afp/stephane de sakutin

    Ein Mann führt einen traditionellen Tanz zu Ehren Hollandes auf.

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