Historikerin sieht in Linzer Hitler-Aphrodite "Statue mit Potenzial"

15. April 2016, 12:29
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Die Wissenschafterin Sylvia Necker wünscht sich eine künstlerische Rückführung von Adolf Hitlers Geschenk in den Park

Linz – Große Söhne einer Stadt sind meist Referenzen, die es mit Kommunalehren hochzuhalten gilt. Dem gegenüber stehen mitunter Söhne, die zur Erblast werden. So sorgt manches Präsent Adolf Hitlers an seine "Führerstadt" Linz bis heute gehörig für Wirbel in der Landeshauptstadt. Aktuell erregt zum wiederholten Mal die Aphrodite vom Bauernberg die Stadtgemüter.

Fünf Jahre im Keller

Im Mai 2008 hatten Studenten der Linzer Kunstuni darauf aufmerksam gemacht, dass die in einem kleinen Rundtempel auf dem Bauernberg aufgestellte Bronzestatue ein Geschenk Hitlers war. Der damalige Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ) ließ den Abguss – das heute verschwundene Original des Bildhauers Wilhelm Wandschneider stand einst in der Berliner Reichskanzlei – abmontieren, und das Bundesdenkmalamt, das zunächst die Wiederaufstellung verlangt hatte, genehmigte letztlich die Verwahrung im Keller des Stadtmuseums Nordico – für vorerst fünf Jahre.

Die Frist ist nun abgelaufen, und die Diskussion über die Liebesgöttin ist neu entflammt. ÖVP, FPÖ und Neos sind dafür, dass die Statue – samt erklärender Zusatztafel – wieder in den Säulentempel zurückkehrt. SPÖ, Grüne und KPÖ sind entschieden dagegen.

"Wegsperren ist keine Lösung"

Sylvia Necker, Hamburger Historikerin mit Forschungsschwerpunkt Architektur- und Städtebaugeschichte im 20. Jahrhundert, plädiert im STANDARD-Gespräch für eine Rückführung der Aphrodite in den öffentlichen Linzer Raum: "Wegsperren ist keine Lösung. Das Nichtzeigen ist für mich gleichzusetzen mit einer Nichtauseinandersetzung mit der Geschichte. Ja, die Statue ist brisant. Und genau deswegen ist es noch brisanter, die Aphrodite einfach über Nacht einzukassieren. Der öffentliche Raum ist doch ein Diskursraum."

Für Necker, die 2012 die Ausstellung "Hitlerbauten in Linz" kuratierte, ist entscheidend, wie diese Rückführung passiert. "Darin liegt die Chance für Linz. Die Statue kann nicht einfach an den Ort zurück. Nur wieder auf den Sockel und ein Schild dazu, wäre billig. Das ist Pseudoaufklärung. Es braucht eine sehr bewusste Auseinandersetzung, einen ganz speziellen Akt", sagt die Historikerin. Möglich wäre ihr zufolge ein Kunstprojekt, das die Diskussion im öffentlichen Raum forciert. "Man könnte einen Wettbewerb ausschreiben, wie denn so ein Statute zu platzieren wäre, damit sie deutlich macht, dass es eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus ist; eine spannende Aufgabe für Künstler und Architekten."

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Dokumentation Obersalzberg kann sich etwa eine Platzierung der Aphrodite in Tempelnähe vorstellen: "Man müsste dann mit dem Ort selbst arbeiten. Etwa die Aphrodite bewusst ein paar Meter neben den Tempel stellen. Die Statue hat Potenzial, weil sie eine Aussage trifft. Und wir müssen uns mit dieser Aussage auseinandersetzen."

Bürgermeister will keine Pilgerstätte

Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger wird seine Position in der Causa nicht ändern. "Ich bin gegen ein Aufstellen der Aphrodite im öffentlichen Raum, mit oder ohne ergänzendem Kunstprojekt", sagt er zum STANDARD. Es handle sich um ein persönliches Geschenk eines der größten Kriegsverbrecher. Die Stadt Linz beschäftige sich ohnedies "schonungslos" mit der Aufklärung der NS-Zeit. "Es gibt keinen Bedarf diese Statue zur Pilgerstätte Ewiggestriger hochzustilisieren." (Markus Rohrhofer, 15.4.2016)

  • Der Tempel der Erregung im Linzer Bauernbergpark. Im Bild links mit Aphrodite, rechts ohne.
    apa

    Der Tempel der Erregung im Linzer Bauernbergpark. Im Bild links mit Aphrodite, rechts ohne.

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