Gesetze gegen die Gamprigkeit machen auch Salafisten Freud'

Kolumne15. April 2016, 17:00
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Vorstöße gegen eine tatsächlich oder vermeintlich grassierende Vertuttelbärung von Werbesujets

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat einen "Vorstoß" des deutschen Justizministers Heiko Maas begrüßt, welcher mit dem gesetzlichen Verbot "sexistischer Werbung" ein "moderneres Geschlechterbild" in der BRD verwirklichen möchte. Solche Vorstöße gegen eine tatsächlich oder vermeintlich grassierende Vertuttelbärung von Werbesujets, womöglich gar solcher im öffentlichen Raum, haben eine lange Geschichte. Schon in den 1980ern hat man sich über gamsige Palmers-Plakate aufgeregt.

Aber toll und wirkungsvoll sind die Vorstöße noch immer. Erstens gefallen sie allen Salafisten und sonstigen frommen Leuten, die sich, pfui, pfui, den Schockanblick nackter Haut ersparen wollen. Der empfindliche Herr Erdogan hat sicher auch nichts dagegen. Und ausschweifenden Libertins stünde mangels sexuell inspirierender Werbung immer noch das Internet zur Verfügung. Das ist derart rammelvoll mit geilem Stoff, dass ein engagierter Onanist bis zum Jahr 4683 unterbrochen mit dem Handwagen fahren könnte, ohne zweimal dieselbe Vorlage bemühen zu müssen. "Echt porno!", wie die Jugendlichen anerkennend sagen.

Das Schöne an den Vorstößen von Maas und Heinisch-Hosek: Sie wirken in segensreicher Weise erzieherisch auf das Gesellschaftssegment von Menschen mit einem IQ von 60 minus ein. Denn jedem mit einem IQ von 60 plus sollte eigentlich klar sein, dass zwischen der Größe eines Frauenbusens und der Qualität eines Autoreifens wenig logische Zusammenhänge bestehen. Auch wird die Wurst auf einem Gartengrill nicht allein deshalb besonders kross geraten, weil eine Blondine in Hotpants vor ihm posiert. Ja, besonders gewitzte Konsumenten gehen sogar so weit, dass sie auf jeden trottelhaften Appell an ihren Triebapparat sofort mit einem Nichtkaufimpuls reagieren: Fährst du mir mit dem Hintern ins G'sicht / kauf' ich deinen Tinnef nicht. Dazu braucht man kein Gesetz.

Maas und Heinisch-Hosek scheinen jedoch der Ansicht zu sein, dass momentan nichts dringender nötig ist, als die unmündigen Staatsbürger legistisch vor gamprig-dummen Werbesujets zu schützen. Dafür ein herzliches Vergelts Gott! Als Nächstes wollen wir dann aber noch genaue, staatlich vorgeschriebene Kopulationsregelungen für zu Hause. Damit auch im Schlafzimmer ein moderneres Geschlechterbild zum Tragen kommt. (Christoph Winder, Album, 15.4.2016)

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