Vergewaltigung live auf Periscope gestreamt: Verhaftungen in USA

15. April 2016, 10:40
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Heftige Kontroversen um Sicherheitsmechanismen bei Livestreaming-Apps

Der Fall einer US-Amerikanerin, die gemeinsam mit ihrem Partner eine 17-jährige Freundin vergewaltigt haben soll, sorgt momentan für Aufregung. Die Beschuldigte soll den Vorgang live auf der Videostreaming-App Periscope gezeigt haben. Der Vorfall soll sich im Februar im US-Bundesstaat Ohio zugetragen haben. Die Frau streitet die Vorwürfe kategorisch ab, ihr Partner hat sich noch nicht zu Wort gemeldet. Beide wurden nach Hinweisen von Nutzern verhaftet.

Zu viele Inhalte für manuelle Kontrolle

Der Fall zeigt einmal mehr, dass Konzerne die Inhalte ihrer Livestreaming-Apps nicht unter Kontrolle haben. Laut BBC wurde bisher etwa auf Periscope gezeigt, wie die Polizei bei gewalttätigen Konflikten zweier verfeindeter Banden eingreift; wie eine Frau sich betrunken beim Autofahren filmt oder wie Teenager einen Van überfallen. Gleichzeitig bauen Facebook und Twitter, zu dem Periscope gehört, den Einsatz von Livestreaming massiv aus. "Die Anzahl der Inhalte ist viel zu massiv, um händisch kontrolliert zu werden", sagt Joe Wright vom Oxford Internet Institute zur BBC.

Nutzer sollen Inhalte melden

Facebook setzt darauf, dass Nutzer selbst illegale Inhalte melden. Wie schon bei Hasspostings soll die Kontrollfunktion weitgehend ausgelagert werden. Doch ein großes Problem daran besteht laut der Professorin Sarah Roberts darin, dass jene Nutzer, die melden, die Inhalte ja schon gesehen hätten. "Es ist unredlich, z u glauben, dass Facebook Live nicht für eine Vielzahl von Dingen genutzt werden wird, die gegen Community Standards oder sogar das Gesetz verstoßen", sagt Roberts zu Wired.

Schlechte Schutzmechanismen

Die Mechanismen, um illegitime Inhalte zu löschen, dauerten außerdem viel zu lange. Dazu kommt, dass Nutzer oft Inhalte markieren, die nicht illegal sind, ihnen aber einfach nicht gefallen. Dadurch müssen Mitarbeiter von Facebook oder Periscope erst recht wieder händisch sortieren. Eine Lösung wäre es, die besten Geschichten prominent zu platzieren, etwa von verifizierten oder vertrauenswürdigen Accounts.

Außerdem muss eine gesellschaftliche Debatte beginnen, wie mit der Omnipräsenz von Smartphones und Videos umzugehen ist. Die deutsche Polizei beschwerte sich etwa massiv über Schaulustige, die einen Rettungseinsatz blockierten, um mit ihrem Smartphone vom Unfall Videos zu filmen – in wenigen Jahren hätte wohl die Vielzahl der Gaffer live gestreamt. (red, 15.4.2016)

  • Die Livestreaming-App Periscope steht nach mehreren Vorfällen in der Kritik
    foto: periscope

    Die Livestreaming-App Periscope steht nach mehreren Vorfällen in der Kritik

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