Penny spürt Backstationen der Diskonter

15. April 2016, 12:00
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Die Rewe-Kette sei noch relativ glimpflich davongekommen, sagt Konzernchef Frank Hensel. Am Monatsende fehle den Kunden jedoch zunehmend das Geld

Wien – Rewe-Chef Frank Hensel zeigt sich angesichts verschärfter Konkurrenz durch die Diskonter mit dem abgelaufenen Jahr zufrieden. Der Lebensmittelhandel sei um 1,3 Prozent gewachsen, im Jahr davor war es noch ein Plus von 0,7 Prozent. Während das Geschäft bei Billa und Merkur rund lief – Billa wuchs um 2,67 Prozent, Merkur um 2,70 Prozent –, legte Penny nur um 1,16 Prozent zu, etwas rückläufig war der Umsatz bei Adeg (-0,1 Prozent). Penny sei dabei aber noch gut davongekommen.

Denn die Tatsache, dass die Diskontkonkurrenz Hofer und Lidl kräftig mit Backstationen aufgerüstet hat, sei deutlich zu spüren. "Das sorgt für Kundenfrequenz. Dass wir nur ein Prozent in der Kategorie Backwaren verloren haben, verdankt sich nur der Tatsache, dass wir in den Ausbau der Mehlspeisen investiert haben", erklärte der Chef des Handelsriesen (Billa, Merkur, Penny, Bipa, Adeg) bei der Bekanntgabe der Jahreszahlen am Donnerstag.

Onlinegeschäft macht kräftigen Sprung

Regelrecht durch die Decke ging das Onlinegeschäft. Bei Billa konnten die Umsätze um 130 Prozent gesteigert werden, bei Bipa um 30 Prozent. "Vor zwei Jahren haben wir gesagt, wir wollen den Umsatz einer starken Filiale erzielen. Jetzt reden wir vom Achtfachen", so Hensel. Zu verdanken sei das dem Umstand, dass man mittlerweile auch Preise und Aktionen online anbiete, dem Ausrollen in Gesamtösterreich und der Zustellung in Wien, die dank Fahrradboten nicht länger als 90 Minuten dauert. "Das schafft nicht einmal Amazon." Da man bereits "aus allen Nähten platzt", wird demnächst im Raum Wien ein kleines Lager für das Onlinegeschäft angeschafft. Ein eigener Merkur-Onlineshop soll in den nächsten Wochen starten – zugestellt wird vorerst aber nur in Wien.

Eine Prognose, wie viel der Versand von Lebensmitteln einmal einspielen soll, will Hensel nicht wagen. Die Vorhersagen der letzten zehn Jahre seien alle falsch gewesen. Geld verdiene man mit Online noch nicht, die Gefahr, Marktanteile zu verlieren, sei dem Konzern aber zu groß.

Umsatzzuwachs

In Summe setzte Rewe 2015 in Österreich 8,14 Milliarden Euro um – ein Anstieg von 1,73 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Mitarbeiterzahl stieg von 40.743 auf 41.100. Der Umsatz der gesamten Gruppe, zu der auch Niederlassungen in mehreren osteuropäischen Ländern zählen, sank hingegen von 13,02 auf 12,54 Milliarden Euro. Im Osteuropa-Geschäft stieg der Umsatz in den sieben Märkten, deren Geschäfte von Wiener Neudorf aus gesteuert werden, im Vorjahr wechselkursbereinigt um 5,63 Prozent, wobei sich Bulgarien mit einem Plus von 11,06 Prozent und Russland mit plus 9,61 Prozent laut Hensel trotz der schwierigen Lage besonders gut entwickelten.

Rewe gab kürzlich das beste operative Ergebnis der Firmengeschichte bekannt. Das Unternehmen verdiente 587 Millionen Euro, zwölf Prozent mehr als im Jahr davor. Unter dem Strich verbesserte sich der Gewinn um 22 Prozent auf 383 Millionen Euro. Österreich hatte daran einen "großen Anteil", sagte Hensel. Für Österreich und Osteuropa gibt der Konzern allerdings keine Ertragskennzahlen bekannt.

Am Ende des Monats fehlt den Kunden das Geld

Die Steuerreform sei bei den Österreichern noch nicht so richtig angekommen, sagt Hensel. "Die Politik hat es nicht geschafft, die extrem positive Angelegenheit zu kommunizieren. Das wird alles überschattet von einer permanent schlechten Stimmung." Zwar seien die Wirtschaftszahlen insgesamt nicht berauschend, so phänomenal schlecht wie die Stimmung seien sie aber auch nicht. Allerdings: "Das Phänomen, dass am 25. des Monats das Portemonnaie leer ist, hatten wir eigentlich im Osten. Jetzt merken wir das auch hier", sagt Hensel. Die Österreicher würden sich am Ende des Monats schwertun.

"Der Österreicher ist ein Aktionskunde"

Hensel verspürt in seinem Geschäft "deflationäre Tendenzen", was auch mit der Politik der Europäischen Zentralbank zu tun habe. Er könne sich nicht vorstellen, dass sich eine Volkswirtschaft unter diesen Bedingungen weiterentwickeln könne. Gleichzeitig räumt er ein, dass "wir auch selbst Verursacher unserer Deflation sind" – also rückläufiger Preise. "Das wird sich heuer nicht ändern."

Der Anteil der Aktionen sei erneut leicht gestiegen und liege nun über 30 Prozent. "Der Österreicher ist ein Aktionskunde", so Hensel. Im Vorjahr erhöhten sich die Preise für Lebensmittel im Schnitt etwas unter der allgemeinen Teuerung von 0,9 Prozent. Die Rewe-interne Inflation liege bei der Hälfte, sprich 0,45 Prozent. Besonders stark war der Preiskampf laut Hensel im Drogeriebereich, was sich bei Bipa in einem Umsatzrückgang um 1,1 Prozent bemerkbar machte. (rebu, 15.4.2016)

  • Die Konsumenten seien nach wie vor schlecht gestimmt, sagt Rewe-Chef Hensel. Einerseits seien die Monate Jänner und Februar im Haushaltsbudget der Menschen grundsätzlich kritisch, weil hier oft Zahlungen für das gesamte Jahr – wie Versicherungen – anfielen, andererseits sei auch die hohe Arbeitslosigkeit dem Konsum nicht förderlich.
    foto: apa/gindl

    Die Konsumenten seien nach wie vor schlecht gestimmt, sagt Rewe-Chef Hensel. Einerseits seien die Monate Jänner und Februar im Haushaltsbudget der Menschen grundsätzlich kritisch, weil hier oft Zahlungen für das gesamte Jahr – wie Versicherungen – anfielen, andererseits sei auch die hohe Arbeitslosigkeit dem Konsum nicht förderlich.

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