Busek kanzelt seine Kritiker ab

15. April 2016, 12:40
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Der ehemalige ÖVP-Chef pocht auf seine Meinungsfreiheit: Das Lob für Griss sei keine Wahlempfehlung, die Kritiker hätten ihn "amüsiert"

Wien – Es kommt nicht alle Tage vor, dass der Parteiausschluss eines ehemaligen Parteiobmanns gefordert wird – wirklich ernst nehmen kann der Betroffene die Forderung auch nicht: "Ich habe mich sehr amüsiert", versichert Erhard Busek dem STANDARD und lacht. Sein Lob für die Präsidentschaftskandidatin Irmgard Griss könne auch keinen Ausschluss aus der ÖVP rechtfertigen.

Denn: "Ich habe klar erklärt, dass ich nicht ihrem Personenkomitee angehöre." Unterstützenswert sei aber die klare europapolitische Positionierung von Griss – das ist vor allem als Botschaft an jene gedacht, die vielleicht zwischen Griss und Norbert Hofer, dem Busek einen EU-Austrittskurs unterstellt, schwanken.

"Tamandl soll erst einmal etwas leisten"

Die Kritiker, die seinen Parteiausschluss gefordert haben, weil er dem ÖVP-Kandidaten Andreas Khol in den Rücken gefallen sei, fordert Busek auf, erst einmal genau zuzuhören, bevor sie kritisieren. Und dann ergießt sich der gesamte Spott des ehemaligen Parteichefs über sie: "Wenn ich mir solche Leistungsträger wie die Frau Tamandl anschaue, dann sage ich mir: Die sollen erst einmal für die ÖVP etwas leisten."

Busek zehrt von früherem Erfolg

Gabriele Tamandl war die Erste, die Busek aus der Partei haben wollte. Sie ist Nationalratsabgeordnete und führende Funktionärin des ÖVP-Arbeitnehmerbunds ÖAAB. Und sie gilt als mitverantwortlich für die Wahlniederlage der Wiener ÖVP im Vorjahr, als die Landespartei nur 9,24 Prozent der Stimmen bekam. Unter Busek waren es 1983 fast 35 Prozent. Er zehrt noch heute von diesem Erfolg.

Er hat das eigentlich immer getan – da Busek sich schon in den 70er-Jahren den Ruf eines Parteiintellektuellen erarbeitet hatte, konnte er immer wieder dazwischenfunken, wenn ihm in der Partei etwas nicht passte. Dabei erhielt er immer wieder Zustimmung aus den wankelmütigen, nicht parteigebundenen Kreisen des Wiener Bürgertums – und stieß gleichzeitig Parteifreunde vor den Kopf. Vor vielen seiner Reisen – sie führten lange vor der Wende 1989 in den damaligen Ostblock, wo Busek beste Kontakte zu Dissidenten hielt – gab er rasch Interviews zum Zustand der ÖVP und sorgte so für Diskussionsstoff während seiner Abwesenheit.

Er weiß nicht, wen er wählen soll

Über Vermittlung der Trachtenlady Gexi Tostmann kam Busek auch immer wieder in Kontakt mit den Grünen. Tostmann hatte sich in einer Bürgerinitiative gegen die Verkehrsbelastung in der Wiener Innenstadt (den damals so genannten "Innenring") engagiert – und auch mit Busek vernetzt. 1983 plakatierte Busek "Grün heißt in Wien: Erhard Busek – ÖVP". Das fanden viele Bürgerliche mutig. Dass Busek bei späteren Wahlen auf grünen Wahlpartys in Tostmanns Keller auftauchte, war dann schon eher irritierend. Und richtig schockierend wirkte es, als Busek – damals ÖVP-Obmann und Vizekanzler – am Abend der EU-Volksabstimmung im Zelt vor der SPÖ-Zentrale auftauchte und mit den Genossen die "Internationale" intonierte.

Auf welcher Wahlparty er am 24. April anzutreffen sein wird, ist noch offen: "Wen ich wählen werde, weiß ich ehrlich noch nicht", gibt Busek zu Protokoll.

Noch eine Stimme für Griss

Unterstützung bekommt der ehemalige ÖVP-Chef von seinem Weggefährten Herbert Kohlmaier. Der ehemalige Volksanwalt und ÖVP-Nationalratsabgeordnete hält es für richtig, im ersten Wahlgang Irmgard Griss die Stimme zu geben. "Da mein geschätzter Freund Andreas Khol ebenso wie Rudolf Hundstorfer leider keine realistische Chance hat, die Stichwahl für den Bundespräsidenten zu erreichen, muss ich als Staatsbürger schon jetzt diese Endentscheidung im Auge haben", schreibt er in einer Stellungnahme. Er habe das Wohl des Staates dem der Partei voranzustellen.

Auf Busek sauer ist die Seniorenbund-Chefin Ingrid Korosec. Seine Aussagen, wonach Khol zu alt für das "Geschäft" der Politik sei, seien "altersdiskriminierend und klar abzulehnen". (Conrad Seidl, 15.4.2016)

  • Erhard Busek fordert seine Kritiker auf, genau zuzuhören.
    foto: apa/georg hochmuth

    Erhard Busek fordert seine Kritiker auf, genau zuzuhören.

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