Trotz Syrien-Waffenruhe seit Sonntag 200 Tote

15. April 2016, 14:41
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Human Rights Watch: 30.000 Menschen fliehen im Norden Syriens, Türkei soll die Grenze öffnen

Aleppo – Im Norden Syriens sind nach Angaben der Organisation Human Rights Watch mindestens 30.000 Menschen auf der Flucht. Die Menschen seien vor Kämpfen zwischen der Jihadistenmiliz "Islamischer Stadt" und Rebellen in der Region Aleppo geflohen, berichtete die Menschenrechtsorganisation am Freitag. Sie forderte die Türkei auf, ihre Grenze für die Flüchtlinge zu öffnen.

Auch Armee plant Angriff auf Aleppo

Der vor mehr als einem Monat in Kraft getretene Waffenstillstand in Syrien gilt nicht für den Kampf gegen den IS und die Al-Nusa-Front, einen Ableger Al-Kaidas. Beide Gruppen kämpfen gegen andere Rebellenmilizen und die Regierungstruppen.

Auch die Regierung bereitet seit Wochen einen Sturm auf die Großstadt Aleppo vor. Sie argumentiert, dass die Vorbereitungen nur gegen die radikalislamischen Milizen gerichtet seien. Russland, das die Armee aus der Luft unterstützt, folgt dieser Argumentation. Mehrere Rebellengruppen, die nicht Teil des IS und der Nusra-Front sind, melden allerdings, in den vergangenen Tagen ebenfalls angegriffen worden zu sein.

Das Militär und seine Verbündeten versuchen, die von Regimegegnern kontrollierten Teile der Großstadt Aleppo – vor allem den Osten – von der Außenwelt abzuschneiden. Die Rebellen hätten das Regime jedoch bei Kämpfen um den Ort Handarat und die Al-Mallah-Farmen nördlich der Stadt zurückgedrängt, meldete die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Diese stützt sich in ihren Berichten auf ein Netzwerk in Syrien. Ihre Angaben können allerdings nicht unabhängig überprüft werden.

Mehr als 200 Tote seit Sonntag

Bei den Gefechten sind laut dem Bericht seit Sonntag mehr als 200 Kämpfer getötet worden. Unter den Opfern seien 82 Soldaten und regierungstreue Milizionäre, 94 Mitglieder der islamistischen Al-Nusra-Front und 34 Kämpfer der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS), erklärte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag.

Es handle sich um eine erbitterte Schlacht, an der alle in den Bürgerkrieg verwickelten Gruppierungen beteiligt seien, erklärte die Beobachtungsstelle weiter. Zu Kämpfen sei es an mindestens vier verschiedenen Orten in der Provinz gekommen, einer davon liege unweit der Grenze zur Türkei.

Schon seit Tagen Gefechte

Bereits am Donnerstag hatte es in der Provinz Aleppo heftige Kämpfe gegeben. Regierungstruppen, Rebellen und Kämpfer des IS lieferten sich Gefechte um die Kontrolle einzelner Gebiete. Die Stadt Aleppo ist seit langem umkämpft. Nach Beginn des Waffenstillstands Ende Februar hatte sich die Lage jedoch vorübergehend etwas beruhigt.

Uno-Sondervermittler hatten sich am Mittwoch zum Auftakt der dritten Runde der Genfer Syriengespräche besorgt über die brüchige Waffenruhe gezeigt. An diesem Freitag wird die Ankunft der Delegation des Regimes in der Schweiz erwartet. (Reuters, APA, red, 15.4.2016)

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