Scharfe Verbalattacken im Speed-Duell

15. April 2016, 07:57
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Die Hofburg-Kandidaten traten im ORF gegeneinander an. Die wichtigsten Aussagen samt Reaktionen über Social Media

Wien – Das neue ORF-Format zur Bundespräsidentenwahl, "Die 2 im Gespräch", hat am Donnerstagabend für manche Überraschung gesorgt. Die eine oder andere Paarung der fünf geladenen Kandidaten führte auch zu scharfen Verbalattacken.

foto: apa/orf/milenko badzic

Die meisten Angriffe gab es im Duell von FPÖ-Kandidat Norbert Hofer mit SPÖ-Anwärter Rudolf Hundstorfer. Der warf Hofer dessen Mitgliedschaft in einer Burschenschaft und den Besitz einer Schusswaffe vor, Hofer konterte mit einem ÖGB-Anwurf und attestierte Hundstorfer eine "total verzweifelte" Verbissenheit. Hofer gab sich dabei überlegen und siegessicher: "Je mehr Sie reden, desto mehr Stimmen für mich."

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Der frühere Grünen-Chef Alexander Van der Bellen ließ damit aufhorchen, dass er nicht angetreten wäre, würde die als Kandidatin gehandelte, an Krebs verstorbene Barbara Prammer (SPÖ) noch leben. Er hätte sie unterstützt, erklärte Van der Bellen. In dem sachlich und fair geführten Duell mit Hundstorfer sprach Van der Bellen die aus seiner Sicht fehlenden Visionen der Sozialdemokratie an und schwärmte von früheren SPÖ-Größen wie Bruno Kreisky und Christian Broda.

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ÖVP-Kandidat Andreas Khol – der Hundstorfer in einer Phase des Duells der beiden Regierungskandidaten beinahe im Sekundentakt unterbrach – lieferte sich als früherer Seniorenvertreter eine Pensionsdebatte mit dem ehemaligen Sozialminister Hundstorfer. Das Hickhack erinnerte streckenweise an die Auseinandersetzungen zwischen SPÖ und ÖVP. Hundstorfer erklärte, für seinen Wahlkampf um die drei Millionen Euro auszugeben.

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Hofer gegen Van der Bellen drehte sich in erster Linie um den Heimatbegriff – Hofer: "Wäre, wie wenn ich 'Cannabis-Freigabe für alle' plakatieren würde" – und um die FPÖ-Ablehnung des ehemaligen grünen Bundessprechers. Van der Bellen sagte, er sehe Hofer als "Marionette von Kickl und Strache". Hofer prognostizierte noch für diesen Herbst eine Neuwahl des Nationalrats.

foto: apa/hans punz

Der unabhängigen Kandidatin Irmgard Griss wurde in den Duellen Unerfahrenheit vorgeworfen, etwa weil sie die Novemberpogrome der Nazis weiterhin "Reichskristallnacht" nennt. Griss verteidigte die Wortwahl – unter Berufung auf Historiker – damit, dass diese jeder verstehe. Im Duell mit Khol strich dieser die Nähe von Griss und den Neos hervor – zuletzt hatte Griss Neos-Chef Matthias Strolz als Mitglied ihres Personenkomitees präsentiert.

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Keine einzige Attacke gab es in der Paarung Griss gegen Hofer. Beide forderten mehr Geld für das Bundesheer und lehnten eine Kärnten-Pleite in der Causa Hypo ab. Differenzen gab es lediglich bei der Hymne, die Griss "mit den Töchtern" singt, während Hofer auf die Hymnenfrage erklärte, dagegen zu sein, dass gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren dürfen.

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In der Diskussion zwischen Khol und Hofer lobte der FPÖ-Mann den ÖVP-Außenminister Sebastian Kurz. Khol sprach sich dafür aus, vor einer Ministerangelobung öffentliche Hearings im Parlament abzuhalten, und kündigte an, gleich ganze zwölf Jahre – also zwei Amtszeiten – in der Hofburg anzustreben.

Der sechste Präsidentschaftskandidat Richard Lugner war vom ORF nicht eingeladen worden – unter Berufung auf zwei Expertisen, wonach Lugners Kandidatur keine Relevanz hat. Der Baumeister protestierte dagegen, indem er zu Freibier vor das ORF-Zentrum einlud. (APA, red, 15.4.2016)

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    foto: apa/orf/thomas ramstorfer
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