Kommission in Mexiko: Polizisten in Studenten-Verschwinden verwickelt

15. April 2016, 05:53
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Generalstaatsanwaltschaft will neuer Spur in Fall aus dem Jahr 2014 nachgehen

Mexiko-Stadt – Mehr als eineinhalb Jahre nach dem Verschwinden von 43 Studenten in Mexiko hat die Nationale Menschenrechtskommission erstmals eine Verwicklung von zwei Bundespolizisten in den Fall öffentlich gemacht. Ein Augenzeuge habe die beiden Bundespolizisten im südmexikanischen Iguala gesehen, wo Polizisten auf die Reifen eines der fünf Busse der Lehramtsstudenten geschossen hätten, teilte die Kommission am Donnerstag mit.

Daraufhin seien die 15 bis 20 Studenten aus dem Bus geholt und in mehrere Einsatzwagen nicht nur der örtlichen Polizei gezerrt worden, sondern auch aus der Stadt Huitzuco, die bisher in dem Zusammenhang noch nicht erwähnt wurde. Laut dem Augenzeugen seien dann die beiden Bundespolizisten dazu gekommen und hätten gefragt, was los sei.

Polizist namentlich bekannt

Einer der Polizisten aus Iguala soll gesagt haben, die Studenten würden nach Huitzuco gebracht, wo der "Boss", vermutlich eines Drogenkartells, entscheide, was mit ihnen zu tun sei. Die Bundespolizisten hätten daraufhin gesagt "Ah, ok, das ist gut" und hätten die Polizisten mit den Studenten wegfahren lassen.

Einer der Bundespolizisten sei namentlich bekannt, teilte die Kommission mit. Zudem habe ein Soldat auf einem Motorrad Fotos des Geschehens gemacht und sei dann weggefahren. Die Generalstaatsanwaltschaft kündigte an, die neuen Spuren zu verfolgen. Der Augenzeuge und seine Familie würden beschützt.

Den bisherigen offiziellen Angaben zufolge hatten Polizisten aus Iguala und dem benachbarten Cocula die Studenten verschleppt und sie der Drogenbande Guerreros Unidos übergeben. Diese habe die Studenten getötet, die Opfer auf einer Müllkippe verbrannt und ihre Überreste in einen Fluss geworfen. Von den Angehörigen beauftragte Wissenschafter fanden dafür aber keine Beweise. (APA, 15.4.2016)

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