Überraschend alter Hinweis auf ein Exoplanetensystem

14. April 2016, 18:14
18 Postings

Auf einer Fotoplatte aus dem Jahr 1917 fand ein Brite den frühesten bekannten Beweis für die Existenz von fremden Planeten

Pasadena/Wien – Wollen wir etwas über die Sterne jenseits unseres Sonnensystems erfahren, dann bleibt uns nur das bisschen Licht, das wir von ihnen einfangen und aufschlüsseln können. Dafür stehen heute immerhin mächtige Werkzeuge zur Verfügung. Mit unseren hochgerüsteten Teleskopen im All und auf der Erde lassen sich aus einer Handvoll Photonen noch überraschend viele Informationen herauskitzeln. Der Löwenanteil dieses hochaufgelösten, elektromagnetischen Datenschatzes bleibt aber vermutlich für Jahrzehnte ungehoben – zu groß sind die Datenmengen, zu gering die für die Analyse nötigen Ressourcen.

Verblüffenderweise war das vor hundert Jahren keineswegs anders: Damals stand das weltweit größte Spiegelteleskop auf dem Mount Wilson in Kalifornien. Mit seiner 2,5-Meter-Optik gelang erstmals der Beweis, dass Galaxien aus einzelnen Sternen bestehen und unsere Sonne nicht im Zentrum der Milchstraße residiert. Darüber hinaus sorgte es gemeinsam mit zwei weiteren US-Observatorien für eine unüberblickbare Flut von Aufnahmen, die bis heute nicht im Detail untersucht ist.

Aufbewahrt wird das über 250.000 Fotos umfassende Archiv in den Kellern der Carnegie Institution in Washington – und es ist immer noch für Überraschungsfunde gut, wie ein wahres Juwel beweist, das kürzlich ein britischer Astronom ausgegraben hat: Jay Farihi vom University College London stieß auf einer Fotoplatte aus dem Jahr 1917 auf den ältesten bekannten Beleg für ein fremdes Planetensystem.

Weltbewegende Linien

Eigentlich war Farihi nur auf der Suche nach dem Bild eines bestimmten Weißen Zwerges. Die entsprechende Aufnahme stammte von dem Carnegie-Astronomen Walter Adams und enthielt auch das Lichtspektrum des Sterns. Als Farihi die Platte genauer untersuchte, entdeckte er Absorbtionslinien von schweren Elementen, die dort eigentlich nichts zu suchen haben.

Eine stichhaltige Erklärung dafür gibt es erst seit wenigen Jahren. Genaue Analysen weiterer Weißer Zwerge entlarvten diese elementaren "Verunreinigten" inzwischen als Trümmer eines Exoplanetensystems, das von dem sterbenden Stern verwüstet worden war. "Jener Mechanismus, der dazu führt, dass schwere Elemente in der Atmosphäre des Sterns landen und zu den typischen Absorptionslinien im Spektrum führen, setzt das Vorhandensein eines früheren Planetensystems voraus", erklärt John Mulchaey, Direktor der Carnegie Observatories.

Vor hundert Jahren schienen diese verräterischen Spektrallinien allerdings niemandem aufgefallen zu sein. Adams hatte auf der Hülle der Fotoplatte lediglich eine Notiz über die vermutliche Temperatur des Sterns hinterlassen. (Thomas Bergmayr, 14.4.2016)

  • Unscheinbare Linien mit Sprengkraft: Das Absorptionsspektrum zeigt Eisen, Kalzium und Magnesium in der Gashülle eines Weißen Zwergs. Sie stammen von den Resten eines zerstörten Planetensystems.
    foto: carnegie institution for science

    Unscheinbare Linien mit Sprengkraft: Das Absorptionsspektrum zeigt Eisen, Kalzium und Magnesium in der Gashülle eines Weißen Zwergs. Sie stammen von den Resten eines zerstörten Planetensystems.

  • Auf der Manschette, die die fotografische Platte umhüllte, hatte der Astronom Walter Adams lediglich vermerkt, dass der Weiße Zwerg wärmer sein dürfte als die Sonne. Über die ungewöhnlichen Absorptionslinien schweigt er sich aus.
    foto: carnegie institution for science

    Auf der Manschette, die die fotografische Platte umhüllte, hatte der Astronom Walter Adams lediglich vermerkt, dass der Weiße Zwerg wärmer sein dürfte als die Sonne. Über die ungewöhnlichen Absorptionslinien schweigt er sich aus.

Share if you care.